Feine Unterschiede

Land-, Groß- oder Center-Apotheke: Ein Überblick 02.06.2026 14:36 Uhr

Berlin - 

Die Anforderungen an eine Apotheke sind gesetzlich festgelegt. In der Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) wird nicht zwischen der Größe oder der Lage unterschieden. Dennoch gibt es Feinheiten, die für die Prozesse im Hintergrund eine Rolle spielen.

Jede Apotheke muss aus einer Offizin, einem Labor, ausreichendem Lagerraum und einem Nachtdienstzimmer bestehen und mindestens 110 Quadratmeter groß sein. So sieht es die ApBetrO vor. Neben weiteren gesetzlichen Vorgaben gibt es in der Fläche jedoch große Unterschiede zwischen einzelnen Apotheken.

Die kleinen Landapotheken etwa sind für große Gemeinden oder Kleinstädte ein wichtiger Anlaufpunkt für die pharmazeutische Beratung. Für viele Bürgerinnen und Bürger sind sie ein Treffpunkt und ein Ort des Austausches – mitunter über Arzneimittelfragen hinaus. Die Zahl der Stammkundschaft ist dort oft hoch, genau wie der Rezeptanteil.

Apotheken-Botendienst auf dem Land

Ein Lager mit hoher Lieferfähigkeit ist sinnvoll, aber viele Kundinnen und Kunden nehmen gerne den Botendienst in Anspruch. Bei Lieferengpässen gibt es die vertrauten Ansprechpartner. Oft legen die Inhaberinnen und Inhaber dieser Betriebe einen gesteigerten Wert auf Auslieferungen, da sie wegen sinkender Apothekenzahlen in der Regel immer mehr Orte versorgen müssen. Der Freiwahlbereich ist meist überschaubar und der Anteil am Umsatz geringer.

Die oftmals kleineren Teams arbeiten mitunter Hand in Hand – klar festgelegte Verantwortlichkeiten sind weniger relevant als etwa in einer großen Apotheke. Oft können „alle alles“ – Beratung, Rezeptur oder Lagerpflege. Das Personal profitiert von dieser Abwechslung in den Tätigkeitsbereichen. Zudem werden die Öffnungszeiten in der Regel nicht bis in den späten Abend gelegt und auch samstags ist – wenn überhaupt – nur vormittags geöffnet.

Anders sieht es in großen Betrieben mit Spezialisierungen wie Verblisterung, Heimversorgung, Medizinalcannabis oder Sterilherstellung aus. In diesen Apotheken gibt es Teamverantwortlichkeiten und zusätzlich zum regulären Offizin-Geschäft laufen mehrere Prozesse gleichzeitig. Für das Personal bietet sich der Vorteil, innerhalb eines Betriebes verschiedene Erfahrungen zu sammeln und Leitung übernehmen zu können.

Laufkundschaft bei Center-Apotheke

Die klassische Center-Apotheke kann ebenfalls umsatztechnisch „groß“ sein. Der Fokus dieser Betriebe, die sich oft in Städten befinden, liegt jedoch auf Laufkundschaft. Der Anteil der Stammkundinnen und -kunden ist im Vergleich zu anderen Betrieben geringer; OTC- und Freiwahlanteil hingegen größer. Lieferengpässe gehen schneller zu Lasten des Betriebs, da die Kundschaft nicht warten will. Deshalb ist die Lagerhaltung in diesem Fall besonders zentral, um die eigene Lieferfähigkeit hochzuhalten.

Das Personal steht außerdem vor der Herausforderung, eine hohe Wochenarbeitszeit abzubilden. In der Regel öffnen Center-Apotheken früh, haben keine Mittagspause und sind bis abends und auch den ganzen Samstag über zugänglich. Daraus resultiert ein großes Team, da in Apotheken oft Teilzeitkräfte arbeiten. Zudem gibt es viele Angestellte für den Handverkauf.

Dort mischen sich pharmazeutische Kräfte mit Kosmetiker:innen und Ernährungsberater:innen – je nach Schwerpunkt. Auch bei den Verhandlungen mit den Herstellern spielt der größere Frei- und Sichtwahlbereich eine Rolle. Der Botendienst dagegen ist in diesen Betrieben nicht so relevant wie etwa auf dem Land mit vielen kleinen Gemeinden.

Die Apothekenlandschaft ist divers – dazu kommen weitere interessante Standorte etwa auf Inseln oder in Ärztehäusern. Trotz des wirtschaftlichen Drucks versuchen Inhaberinnen und Inhaber, die Versorgung auf verschiedenen Wegen für ihre Kundschaft aufrechtzuerhalten.