Engpässe: „Keine Informationen der Unternehmen“ 17.06.2026 12:48 Uhr
Die Zeit der Lieferengpässe hält weiter an. Auch wenn das Ausmaß etwas geringer ist, sind Apothekenangestellte weiter bemüht, die Lücken zu schließen. In der MediosApotheke in Berlin nutzt man verschiedene Tools, um Lieferengpässe zu managen und die eigene Lieferfähigkeit bei den geplanten 90 Prozent zu halten. Die Apothekerin Liesa Steffin gibt Tipps.
Aktuell listet das Warenwirtschaftssystem der MediosApotheke rund 100 fehlende Arzneimittel auf. „Es ist von allem etwas dabei“, sagt Steffin, die die MediosApotheke am Oranienburger Tor organisatorisch leitet. Viele Engpässe gebe es derzeit im Bereich Psychopharmaka, aber auch HIV-Medikamente sind dabei. Im Vergleich zu rund 500 defekten Artikeln, die es vor wenigen Jahren gab, habe sich die Situation etwas entspannt. Aber: „Die Engpässe reduzieren unsere Lieferfähigkeit.“
Dennoch sind Lieferengpässe Alltag in Apotheken. In der MediosApotheke reagiert man mit einer automatisierten Abfrage im Stundentakt auf die Nichtverfügbarkeiten. „Wir haben vier Großhändler und unser System fragt automatisch ab. Bei Verfügbarkeit wird sofort bestellt.“ Dennoch seien auch die Angestellten gefordert und sollten die Listen etwa einmal pro Woche prüfen. „Man muss regelmäßig nach Alternativen schauen.“
Großhandelsabfrage nach 20 Uhr
Der Vorteil der MediosApotheke sei, dass die Standorte auch samstagnachmittags und nach 20 Uhr geöffnet hätten. Dadurch könne Ware bestellt werden, die zu diesen Zeiten vom Großhandel als lieferbar gelistet wird. „Abends gehe ich über die Alternativsuche durch und schaue, ob es Generika oder Reimporte gibt.“ Die meisten Anfragen übernehme aber die Software.
Dennoch müssten PKA ein „Großverständnis“ für das Thema an den Tag legen. Bei Impfstoffen etwa gebe es oft andere Lösungen bei gleicher Kombination. Auch durch die Bestellung von Reimporten könne man viel gewinnen. Der Anteil habe sich mehr als verdoppelt, sagt Steffin. Damit sei auch ein erhöhter Beratungsaufwand verbunden, da die Kundschaft nachfrage, warum die Produkte im Ausland verfügbar seien, aber hierzulande nicht.
Auch die Kommunikation mit dem HV-Personal und der regelmäßige Austausch seien wichtig. Bei einer Kundenbestellung reagiere man sofort und suche nach Alternativen oder anderen Wirkstärken. „Je nach Dringlichkeit muss der Kunde auch mal zurück zum Arzt geschickt werden.“ Ein Vorteil sei, dass die Akzeptanz von Lieferengpässen in der Bevölkerung deutlich zugenommen habe. „Die Kunden verstehen es und sagen oft, dass sie zuvor schon in anderen Apotheken waren.“
Vorteil gegenüber Versandapotheke
Die Hersteller hielten sich im Allgemeinen bedeckt, was die Gründe für die Engpässe angeht. „Im Normalfall gibt es keine Information der Unternehmen. Manchmal rufen wir die Firma an und fragen, wann die Produkte wieder lieferbar sind. Wenn wir Glück haben, erfahren wir, warum es einen Engpass gibt.“ Die Betreuung der Kundschaft mit Rezepten über nicht lieferfähige Arzneimittel sei zeitintensiv, aber auch wichtig. Denn dadurch könne sich die Vor-Ort-Apotheke gegenüber Versendern beweisen.