Apothekensterben: „Wir müssen uns sehr viel rechtfertigen“ 21.04.2026 15:05 Uhr
Große Preisdifferenzen, angebliche Verfügbarkeit von Engpasspräparaten und nicht zuletzt Rx-Rabatte: Veronique Wierczimok kritisiert den zunehmenden Rechtfertigungsdruck aus PKA-Sicht: „Ich finde persönlich, dass viele Kunden die Apotheken vor Ort mit den Online-Apotheken vergleichen und dass wir uns aktuell wieder vermehrt und sehr viel rechtfertigen müssen.“
Insbesondere während und nach dem Apothekenprotesttag im März sei ihr die harsche kundenseitige Kritik wieder vermehrt aufgefallen. Die Situation der Apotheken vor Ort sei durch diese Aktion stärker in den Fokus gerückt. Das geschehe nicht nur vor Ort, sondern vor allem auch online. „Unter vielen Social-Media-Beiträgen wurden Apotheken stark kritisiert, weil sie zu teuer seien. Wir müssen uns nicht wundern, wenn wir bald alle ‚aussterben‘.“
Versender locken derweil mit Angeboten, die Vor-Ort-Apotheken nicht leisten können – oder dürfen. Zuletzt hatte DocMorris – als Reaktion auf das Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) – einen 100-Prozent-Sofortrabatt auf Kassenrezepte bekanntgegeben.
Belieferung nicht schnell genug
Anderen Aufgaben würden sich die Versender hingegen entziehen. „Leider vergessen die Leute, die uns kritisieren, dass wir auch oft in der Nacht für unsere Kundinnen und Kunden da sind“, bemängelt Wierczimok und spielt damit auf die ständige Verfügbarkeit von Apotheken im Notdienst an.
Zwar versuche ihr Apothekenteam immer die schnellste und verträglichste Lösung in der Beschaffung zu finden – aber nicht für jede Kundschaft sei das genug. „Auch wenn wir Rezepte aus der Arztpraxis abholen, geht manchen Kunden die Belieferung nicht schnell genug.“
Apotheken als Sündenbock
Der Eindruck der PKA: Viele Menschen wüssten nach wie vor nicht, wie viel Organisation in der Arzneimittelbeschaffung stecke. „Die Apotheken werden für viele Dinge, die schieflaufen, als Sündenbock dargestellt, obwohl wir Unmögliches möglich machen.“ D
er Versandhandel telefoniere nicht täglich Nichtverfügbarkeiten hinterher oder kümmere sich um Austauschmedikamente und neue Rezepte bei Problemen.
„Leider vergeht einem manchmal der Spaß daran, wenn man sich viel Negatives von den Kunden im Bezug auf Preise anhören darf!“ Ihren Beruf empfinde Wierczimok jedoch nach wie vor als bedeutsam und essenziell.