Medios gibt Aschaffenburg auf 29.06.2026 15:33 Uhr
Nach der Schließung gibt Medios das Sterillabor in Aschaffenburg auf und konsolidiert die patientenindividuelle Herstellung an den übrigen Standorten des deutschlandweiten Netzwerks. Die Produktion wurde bereits verlagert, die Versorgung von Apotheken und Kliniken ist laut Firmenangaben gewährleistet.
Auf Aschaffenburg entfielen laut Medios zuletzt rund 10 Prozent des Herstellvolumens der deutschen Herstellbetriebe der Gruppe. Von der Maßnahme sind 32 Mitarbeitende betroffen, mit denen Medios nach eigenen Angaben einen fairen Ausgleich anstrebt.
Das Geschäft mit patientenindividuellen Zubereitungen steht laut Medios unter anhaltendem Margendruck – insbesondere durch preisregulatorische Anpassungen, denen man jetzt mit Maßnahmen zu Effizienzsteigerungen entgegentrete.
Medios betreibt in Deutschland für diesen Markt ein Netzwerk aus bislang sechs GMP-Herstellbetrieben für patientenindividuelle Therapien. Der Standort Aschaffenburg operierte bei einer rückläufigen Auslastung zuletzt mit einer unterdurchschnittlichen Rentabilität. Vor diesem Hintergrund war laut Unternehmen ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb nicht länger gegeben.
Aktuell am Standort notwendige bauliche Sanierungsmaßnahmen hätten sich beschleunigend auf die Umsetzung des Beschlusses ausgewirkt. Die Standortschließung stehe im Kontext des Operational-Excellence-Programms des Unternehmens mit dem Ziel einer nachhaltigen Stärkung der Profitabilität.
„Mit Blick auf die Versorgungssicherheit unserer Kunden sowie die Auslastung aller Standorte optimieren wir jetzt das erfolgreiche Konzept der regionalen Präsenz und entwickeln es konsequent weiter. Mit Mannheim und Stuttgart stehen zwei leistungsfähige Medios-Standorte in Süddeutschland zur Verfügung, sodass die Versorgungssicherheit aufrechterhalten wird“, so CEO Thomas Meier.
Netzwerk übernommen
Medios hatte den Standort 2021 im Verbund mit insgesamt fünf Sterillaboren übernommen, die zuvor zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengefasst worden waren:
- cas central compounding Baden-Württemberg (Herstellbetrieb)
- Rhein Main Compounding (Herstellbetrieb)
- Rheinische Compounding (Herstellbetrieb)
- Onko Service (Herstellbetrieb)
- Logopharma (Großhandel)
- hvd medical (Parallelimport)
- Fortuna Herstellung (Herstellbetrieb/Großhandel)
Durch den Zusammenschluss wuchs das Partnernetzwerk von Medios von 550 auf rund 600 spezialisierte Apotheken.
Fresenius-Erbe
Einige Jahre zuvor hatte Fresenius Kabi sein Zytogeschäft verkauft. Die fünf Compounding-Standorte aus dem Verbund CFL („Compounding for life“) gehörten danach einer neu gegründeten Firma des Mannheimer Apothekers Michael Schill, Inhaber der Fortuna-Apotheken in Mannheim und Heidelberg.
Onko Service aus Osnabrück war aus der Apotheke an der Hase von Doris Frerichs hervorgegangen, Henke Pharma aus Aschaffenburg gehörte zuvor Apotheker Werner Henke. Die Inhaber der Merlin-Apotheken in Bonn, Ruth Gebhardt und Dr. Frank Ullrich, hatten ihr Zentrum Geframed 2009 an den britischen Spezialisten Martindale verkauft, der aber schon zwei Jahre später das Handtuch warf. Seit der Übernahme durch Fresenius firmierte der Herstellbetrieb unter dem Namen Rheinische Compounding. Die baden-württembergische cas central compounding schließlich ging auf die Esslinger Obertor-Apotheke von Andreas Scheuerle zurück.