Folgen des US-Austritts

WHO-Chef: „Der Austritt ist ein Verlust für die Welt“ 22.01.2026 08:28 Uhr

Genf - 

US-Präsident Donald Trump hat vor einem Jahr als eine seiner ersten Amtshandlungen den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfügt. Nach einer Vereinbarung zwischen den USA und der WHO wird der Austritt ein Jahr nach Einreichung der Kündigung – also heute – wirksam. Theoretisch ist zwar eine in der Vereinbarung genannte Bedingung für den Austritt gar nicht erfüllt. Die USA hätten ihre bisherigen Beiträge voll zahlen müssen, was nicht geschehen ist. Aber die WHO hat keine Handhabe, um das Geld einzufordern oder den Austritt zu verweigern.

„Ich hoffe, dass die USA ihre Entscheidung überdenken und wieder der WHO beitreten werden“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erneut in Genf. Es gebe nur Verlierer: „Der Austritt ist ein Verlust für die USA und auch ein Verlust für den Rest der Welt.“ Unter anderem hat die WHO Frühwarnsysteme für Ausbrüche von potenziell gefährlichen Krankheiten. Sie koordiniert auch die Komposition der Grippe-Impfstoffe für die kommende Saison, nach Analyse der weltweit zirkulierenden Erreger. An beidem nehmen die USA nicht mehr teil. Der Rest der Welt muss auf wichtige amerikanische Expertise verzichten.

Trump warf der WHO unter anderem Versagen in der Coronapandemie und Reformmangel vor. Zudem beugte sich die WHO nach seiner Ansicht politischem Druck aus China. Diese Woche bezeichnete er die Organisation als korrupt. Auch Argentinien hat im vergangenen Jahr seinen Austritt erklärt.

Die USA zahlten nach Trumps Amtsantritt weder den noch ausstehenden Mitgliedsbeitrag für 2024 noch für 2025, zusammen rund 280 Millionen Dollar (rund 240 Millionen Euro). Das Außenministerium äußerte sich auf Anfrage dazu nicht. Dem US-Sender NPR Woche teilte es vergangene Woche mit, es gebe kein weiteres Geld. Die US-Steuerzahler hätten wegen des WHO-Versagens schon zu hohe Kosten durch die Coronapandemie gehabt.

Die USA waren über Jahre der mit Abstand größte Beitragszahler. Sie haben stets ein Vielfaches des festgesetzten Mitgliedsbeitrags zusätzlich freiwillig gezahlt und oft mehr als 15 Prozent des Budgets bestritten.

Notgedrungen hat die WHO ein strammes Sparprogramm aufgelegt. Die Mitarbeiterzahl schrumpft bis Mitte des Jahres um rund ein Fünftel auf etwa 7300, verglichen mit Anfang 2025. Das Budget wurde in ähnlichem Umfang gekürzt. „Aber bei dem US-Rückzug geht es nicht um Geld“, sagte Tedros. „Es geht um Kooperation und Solidarität.“