Semaglutid: Generika-Riesen gehen in Stellung 26.05.2026 12:32 Uhr
Für Novo Nordisk stehen dramatische Zeiten bevor, denn Ozempic und Wegovy durchleben gerade in mehreren Ländern den Patentablauf oder stehen kurz bevor. Und damit winkt auch Generikaherstellern der Einstieg in diesen riesigen Geschäftsbereich. Einer der bedeutendsten Märkte: Indien. Während bisher mehrere Tausend Rupien pro Monat ausgegeben werden mussten (etwa 90 bis 180 US-Dollar), liegen die nun auf den Markt gebrachten Generika bei etwa 15 Dollar pro Monat. Sollten die Generikahersteller noch von Fertigpens auf Fertigspritzen umsteigen, könnten die Kosten sogar auf unter 100 Dollar pro Patient und Jahr gesenkt werden, heißt es von Experten. Damit sei die Behandlung nun auch der breiten Bevölkerung möglich.
Mehr als 40 einheimische Hersteller waren vorbereitet und standen mit ihren Generika zum 20. März bereit, darunter Größen wie Sun Pharma, Dr. Reddy‘s, Zydus oder Glenmark. Der Konkurrenzkampf war somit direkt zum Start enorm. Und das nicht nur wegen der allgemeinen Stärke der dortigen Pharmaindustrie, sondern auch, weil der Markt für günstige und einfach zu bekommene Lösungen riesig ist: 90 Millionen Menschen leiden in Indien an Diabetes sowie weitere 136 Millionen an Prädiabetes. Auch Übergewicht bei ungesunder Ernährung und veraltetem Wohlstandsbild ist ein großes Thema, 80 Millionen Inder:innen gelten als adipös.
Riesiger Markt in Indien
Viele Inder:innen leiden zudem vor allem unter dem als besonders gesundheitsschädlich eingestuften Bauchfett. „Kurz gesagt: Arme Menschen haben deutlich weniger Zugang zu hochwertiger Ernährung und viel häufiger Zugang zu industriell hergestellten Lebensmitteln mit sehr hohem Zucker- und Salzgehalt. Indien hat, wie viele andere Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, eine alternde Bevölkerung, und immer mehr Menschen erkranken an Typ-2-Diabetes“, zitiert der WDR eine indische Anwältin und Expertin für öffentliche Gesundheitssysteme.
Jetzt wird die Therapie auch breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich. Ähnlich sieht es in China aus. In Europa und den USA ist die Lage noch anders: Hier läuft der Patentschutz aufgrund ergänzender Schutzmechanismen zum Marktexklusivitätsstatus noch bis zum 19. März 2031 in Europa und in den USA bis zum 5. Dezember 2031.
Auch in Kanada ist der Patentschutz Anfang 2026 erloschen, die Generikaeinführungen beginnen daher auch hier. Mehrere Unternehmen, darunter Sandoz, Apotex, Teva, Taro, Vimy Pharma, Hims & Hers und Biocon, haben Anträge eingereicht, generische Versionen von Semaglutid auf den Markt zu bringen. Der Blick nach Indien liefert bereits einen Vorgeschmack darauf, welche Dynamik auch hier mit dem Auslaufen der Semaglutid-Patente zu erwarten ist. Erste Genehmigungen wurden bereits Anfang Mai erteilt.
„Testgelände“ für Start in Europa und USA
„Ich bin seit 35 Jahren im Generikageschäft und habe noch nie ein Produkt erlebt, bei dem die Marktgröße so gut wie unbekannt ist, wenn man die Preisdynamik ändert“, so Sandoz-CEO Richard Saynor. Als erster Anbieter bekam Dr. Reddy‘s grünes Licht von den kanadischen Aufsichtsbehörden für ein Semaglutid-Generikum, Apotex folgte wenige Tage später.
Saynor kündigte für dieses Jahr für Kanada und Brasilien ein Sandoz-Produkt an. Diese Märkte seien Testgelände, bevor der Markt 2031 durch den Patentauslauf in Europa und den USA richtig Fahrt aufnehme. Man wolle testen, wie sich die Märkte entwickeln, wie in verschiedenen Patientensegmente unterschiedliche Produkte gewünscht werden und auch wie die einzelnen Länder reagieren.
Analysten prognostizieren Sandoz für dieses Jahr mit Semaglutid-Generika einen Umsatz von 32 Millionen Dollar, 2035 könnten es bereits 743 Millionen Dollar sein. Saynor selbst wollte lieber keine Prognose abgeben. Experten gehen davon aus, dass der Wettbewerb unter den Herstellern erst richtig laufe, wenn auch in den USA und Europa Generika an den Start gehen. Der Markt könnte dann ein Umsatzvolumen von 100 Milliarden Dollar überschreiten.