Schweiz

Homöopathie-Schaufenster in der Kritik Maria Hendrischke, 22.10.2016 16:20 Uhr

Berlin - 

Die Rathaus-Apotheke im schweizerischen Winterthur stellt in einem Schaufenster homöopathische Wirkstoffe aus. Fotos von drei Pflanzen mit ihren homöopathischen Indikationen werden gezeigt. Alle drei sind giftig, zum Teil sogar hochgiftig. Ein Toxikologe findet die Dekoration bedenklich: Passanten könnten falsche Schlüsse ziehen.

Die Zeitung Landbote berichtete über das Schaufenster der Rathaus-Apotheke. Apothekenbetriebsleiterin Sara Gnehm ist von der plötzlichen Aufmerksamkeit der Presse überrascht. „Wir hatten die gleiche Dekoration schon einmal, vor etwa einem halben Jahr“, berichtet sie. Damals habe es dazu keine Kritik gegeben.

Das Schaufenster der Rathaus-Apotheke zeigt ein Bild von Homöopathie-Pionier Samuel Hannemann. Daneben hängen Fotos von drei Pflanzen: Tollkirsche, Blauer Eisenhut und Herzsame, auch Ballonrebe genannt. Unter den Fotos werden die Anwendungsgebiete der Pflanzen in der Homöopathie gelistet. Alle Gewächse wirken toxisch: Die Ballonrebe ist leicht giftig. Bei der Tollkirsche etwa sind die Wurzeln, Blätter und Früchte ungenießbar. Der Blaue Eisenhut ist so giftig; dass schon zwei Gramm der Wurzel tödlich sein sollen. Einen Hinweis auf die toxische Wirkung der Pflanzen gibt es im Schaufenster nicht.

Seit zwei Wochen seien in der Auslage der Rathaus-Apotheke wieder die Heilpflanzenfotos ausgestellt, so Gnehm. Eine Reporterin des Landboten habe sie kürzlich darauf angesprochen: Sie wollte wissen, ob die Bilder Passanten und Kunden dazu bringen könnten, die Pflanzen bei entsprechenden Beschwerden direkt zu essen, statt homöopathisch anzuwenden.

Gnehm teilt diese Bedenken nicht. Auf den Bildern werde klar auf eine Verwendung in der Homöopathie hingewiesen. Zudem zeigten neben der Rathaus-Apotheke Museen und Zeitschriften Fotos teilweise giftiger Pflanzen. Die Bilder führten auch nicht dazu, dass die Besucher oder Leser diese Pflanzen einfach so essen würden. „Wir haben diese drei Pflanzen ausgewählt, weil es besonders schöne Pflanzen sind, die in der Homöopathie erfolgreich eingesetzt werden.“

Professor Dr. Michael Arand vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Zürich ist skeptisch. Er sagte dem Landboten, dass sich Passanten möglicherweise nur den Zusammenhang „Blauer Eisenhut heilt Grippe“ merkten. Dass das auf homöopathische Dosierungen bezogen sei, werde nicht erinnert. Manchen sei womöglich gar nicht klar, was eine homöopathische Dosis sei. Diese falschen Schlüsse könnten zu Vergiftungen führen, warnt Arand.

Gnehm wird die kritisierte Dekoration nicht ändern. Turnusgemäß wird das Fenster zum 31. Oktober neu gestaltet.