Randale in Frankreich: Zahlreiche Apotheken betroffen 22.10.2026 15:22 Uhr
Bei den Ausschreitungen in Frankreich wurden auch zahlreiche Apotheken attackiert, geplündert, zerstört. Inhaberinnen und Inhaber berichteten unter Schock, was ihnen widerfahren ist. Die Berufsorganisationen fordern finanzielle Hilfe.
Erstürmt und ausgeräumt wurde etwa die Apotheke Beaurepaire in der Rue Beaurepaire im 10. Arrondissement von Paris. Der traditionsreiche Betrieb war nicht nur ein Schmuckstück, sondern auch bekannt für seine Kosmetika der Marke Galbrun.
Unter Tränen zeigt Inhaberin Audelia Sitbon in einem Video ihren völlig zerstörten Betrieb. „Mir fehlen die Worte, ich weiß es nicht. Schauen Sie, schauen Sie nur. Alles ist hin. Alles ist beschmutzt, alles ist zertrümmert. Oben ist alles verbrannt. Wenn man sein Lebenswerk in so einem Zustand sieht – wie soll man da reagieren?“
Als sie die Polizei gerufen habe, habe es geheißen, man könne nicht eingreifen. Erst 23 Uhr – sechs Stunden nach Beginn der Attacke – kam ein Mann, um Platten zur Sicherung anzubringen. Aber er sagte laut Sitbon, er könne nicht einmal hineingehen: Es seien immer noch Leute da.
Hochpreiser im Kühlschrank verbrannt
„Ich habe einen Patienten, der eine Behandlung im Wert von 13.000 Euro benötigt – die Medikamente lagen in meinem Kühlschrank. Der Kühlschrank, den sie verbrannt, zertrümmert und aufgerissen haben... Der Patient wartet auf sein Medikament. Da hängen Schicksale dran, Menschen, die auf ihre Medikamente angewiesen sind. Menschen, um die wir uns kümmern, denen wir helfen.“
Ein Mann kommt hinzu, tröstet sie und stellt sich als Gerichtsvollzieher vor. „Benötigen Sie eine offizielle Bestandsaufnahme des Schadens?“
„Ich bin völlig ratlos“, sagt Sitbon im Video. „Ich weiß gar nicht, was ich tun soll. Ich bin Mutter von drei Kindern. Als ich diese Apotheke übernahm, war ich mit meinem zweiten Kind schwanger – im siebten Monat. Zwei Wochen nach der Entbindung habe ich schon wieder gearbeitet. Ich habe mein ganzes Leben in diese Apotheke gesteckt. Mein ganzes Geld. Mein ganzes Leben. Ich habe dort Patienten geholfen, ich habe dort Menschen geholfen. Ich habe mein Bestes gegeben, für die Leute da zu sein, und dann muss ich mitansehen – ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll, das sind doch keine Menschen mehr, das sind Tiere!“
„Mir fehlen einfach die Worte“
Sie verstehe ja, wenn jemand stehlen wolle. „Aber die Kronleuchter abreißen? Die Klimaanlage kaputtschlagen? Meinen Roboter zertrümmern? Mir fehlen einfach die Worte, ich weiß nicht mehr weiter.“
So wie ihr geht es vielen Kolleginnen und Kollegen im ganzen Land. Dutzende Apotheken wurden von Randalierern verwüstet, geplündert oder in Brand gesetzt. In Marseille wurde die „La Grande Pharmacie du Centre Bourse“ am zentralen Einkaufszentrum komplett geplündert: Randalierer zerstörten die Einrichtung, stahlen Computer sowie den Tresor mit Betäubungsmitteln. Auch aus Bordeaux, Nizza und Nantes gab es Bilder von eingeschlagenen Apothekenfenstern.
Hilfe für betroffene Pharmazeut:innen
Die Kammer kennt bislang rund 30 Fälle, auch ein medizinisch-biologisches Labor soll betroffen sein. Aus Sorge um die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen wurde ein Netzwerk von Beratern und sogenannten „Sicherheitsbeauftragten“ aufgebaut, um den angegriffenen Kolleg:innen, die Hilfe und Unterstützung wünschen, beizustehen.
Inhaberinnen und Inhaber, die finanzielle Schwierigkeiten haben, können sich an den Ausschuss für gegenseitige Hilfe und Solidarität wenden. Die Pensionskasse unterstützt geschädigte Apothekerinnen und Apotheker.
Der Apothekerverband USPO nahm an einer Dringlichkeitssitzung mit Mittelstandsminister Serge Papin teil und forderte die Umsetzung mehrerer Unterstützungsmaßnahmen für Apotheker, die von den Protesten betroffen waren. Dazu gehören verlängerte Fristen für die Einreichung von Leistungsanträgen, die schnellstmögliche Bearbeitung und Regulierung von Leistungsanträgen durch die Versicherungen, Vorauszahlungen durch die Krankenkassen sowie die Bereitstellung von Mediatoren durch die Regierung in jedem Département zur Erleichterung der Leistungsabwicklung. Außerdem sollen die Sozialversicherungsbeiträge für Apotheken gesenkt werden, die mehrere Tage geschlossen waren.
„Da Apotheken aufgrund des Umgangs mit risikoreichen Gesundheitsprodukten nicht mit anderen Unternehmen vergleichbar sind, ist ein besonders guter Schutz unerlässlich. Vandalismus an Apotheken darf nicht ungestraft bleiben“, so die USPO. Sie bezeichnete die Ausschreitungen als „barbarische Akte“.