Großbritannien

Parlamentsgruppe für Apotheken Yvette Meißner, 30.12.2009 11:33 Uhr

Berlin - 

In Deutschland gibt es einen Apotheker im Bundestag, doch der sitzt im Wirtschafts- und nicht im Gesundheitsausschuss. Im britischen Parlament gibt es gleich eine ganze Arbeitsgruppe, die sich ausschließlich um die Belange der Pharmazeuten kümmert. Ihr erklärtes Ziel ist es, das Bewusstsein für den Beruf des Apothekers zu stärken und für dessen Beitrag zur Gesundheit der Nation zu werben.

Etwa 120 Abgeordnete sowohl aus Unter- als auch Oberhaus haben sich in der parteienübergreifenden All Party Pharmacy Group (APPG) zusammengeschlossen und machen, wenn auch unregelmäßig und informell, Lobbyarbeit für Apotheken. Allerdings gibt es nur eine Apothekerin unter den Mitgliedern, sie kümmert sich um die Finanzen.

In diesem Jahr kann die APPG auf ihr zehnjähriges Bestehen und einige realisierte Projekte zurückblicken. Schon kurz nach der Gründung konnte der erste Erfolg verbucht werden: Im Jahr 2000 billigte das Parlament die Abgabe von Notfall-Kontrazeptiva auch ohne ärztliche Verordnung. Seit 2001 können Frauen über 16 Jahren die „Pille danach“ direkt in der Apotheke erwerben.

Der Zusammenschluss ist nicht nur einer der größten, sondern auch einer der aktivsten im Abgeordnetenhaus. Die Erfolge gehen nicht zuletzt auf die breite Unterstützung durch Apothekerkammer und -verbände zurück. Das Beratungsunternehmen Luther Pendragon - unter anderem auch für Baxter und Alliance Boots tätig - initiierte die Gründung und steht seither für administrative Zwecke zur Seite. Dazu zählen eigenen Angaben zufolge auch die Pflege der Webseite, Korrespondenz und das Erstellen von Berichten. Auch neue Themen können die Berater in die Gruppe tragen.

Zwar wird die Arbeit der APPG vor allem durch die Standesorganisationen der Apothekeninhaber geprägt - und das sind zur Hälfte die großen Apothekenketten. In letzter Zeit habe sich die Gruppe aber auch den Interessen der angestellten Apotheker gewidmet, erklärte ein Branchenvertreter gegenüber APOTHEKE ADHOC. Als Beispiel nannte er die Erfolge bei der Entkriminalisierung von Abgabefehlern.

Im britischen Parlament gibt es mehr als 500 solcher parteienübergreifenden Gruppierungen. Im Gegensatz zu einberufenen Kommissionen werden sie je nach Interessen der Abgeordneten gebildet und wieder aufgelöst. Sie tagen zu bestimmten Themen und informieren das Parlament darüber. So gibt es zum Beispiel eine Gruppe zur Männergesundheit oder für die Belange der pharmazeutischen Industrie, von Anglern oder verschiedener Staaten.