USA

Ministerium untersucht Supermarkt-Praxen Patrick Hollstein, 30.08.2007 14:39 Uhr

Berlin - 

Das US-Gesundheitsministerium will die so genannten In-Store-Kliniken von Supermarkt- und Apothekenketten wie Wal-Mart, Walgreens und CVS genauer unter die Lupe nehmen. Bereits im Juni hatte der Ärzteverband AMA in einer entsprechenden Resolution die Behörden aufgefordert zu klären, ob die Verknüpfung von Verordnung und Belieferung von Arzneimitteln zu Interessenkonflikten führt.

Bereits in der Vergangenheit hatten die Mediziner außerdem wiederholt auf Fälle aufmerksam gemacht, in denen Patienten beinahe oder tatsächlich zu Schaden gekommen waren, weil sie Krankheiten, die sich im Nachhinein als schwerwiegend herausstellten, anstatt bei ihrem Arzt in einer In-Store-Klinik behandeln lassen hatten. In den Supermarkt-Praxen, die nur Anlaufstelle für Patienten mit kleineren Befindlichkeitsstörungen sein sollen, arbeiten speziell ausgebildete Krankenschwestern und Arzthelfer.

Bei den Patienten kommen die In-Store-Kliniken gut an. Landesweit gibt es rund 500 solcher Gesundheitszentren; Angaben der Klinikbetreiber zufolge machen bislang 7 Prozent der Amerikaner von dem Angebot Gebrauch. Vor allem Patienten, die keine Krankenversicherung haben oder in Gebieten mit Ärztemangel leben, nutzen die Gelegenheit, sich beim Einkauf in Supermarkt oder Apotheke behandeln zu lassen. Die Konzerne investieren viel Geld in die Eröffnung neuer Praxen beziehungsweise die Übernahme entsprechender Anbieter. Die zu CVS zählende Minute Clinic betreibt 200 Filialen und will die Zahl bis zum Jahresende verdoppeln; Wal-Mart hat rund 80 Praxen.

Kritiker warnen, dass die In-Store-Kliniken ein Ergebnis des krankenden US-Gesundheitswesen sind, das dauerhaft an den Zuständen nichts ändern wird. US-Ärztegruppen rechnen damit, dass 2020 rund 200.000 Mediziner fehlen werden. Laut PriceWaterhouseCoopers lebt bereits heute jeder fünfte US-Amerikaner in einem Gebiet mit ausgewiesenem Hausärztemangel. Auch bei den Apothekern sagen Gesundheitsexperten für die nächsten Jahre Personalengpässe voraus.