Großbritannien

Apotheker wollen ihr Ansehen verbessern Franziska Gerhardt, 14.08.2014 18:04 Uhr

„Who do you think we are?“: In Großbritannien läuft derzeit eine Kampagne, die die Öffentlichkeit über die Leistungen von Apothekern informieren soll. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Nicht nur in Deutschland wollen Apotheker mit Kampagnen ihr Image aufpolieren: In Großbritannien läuft derzeit die Aktion „Who do you think we are?“, mit der die Öffentlichkeit über die Dienstleistungen von Apothekern informiert werden soll. Auch im Fernsehen taucht das Thema auf: Der Auftritt des Chefs der Phoenix-Apothekenkette Rowlands in der Show „Undercover Boss“ hat allerdings gemischte Reaktionen hervorgerufen. Kenny Black hatte sich für eine TV-Sendung auf Channel 4 inkognito in sein eigenes Unternehmen eingeschlichen.

Manche Apotheker lobten die Sendung, weil dadurch das Thema Apotheke in den Mainstream-Medien aufgetaucht war. Andere kritisierten, der Arbeitsalltag von Apothekern sei nicht richtig dargestellt worden.

Black selbst äußerte sich nach seinem Inkognito-Besuch schockiert darüber, dass in einer Filiale in Clacton 15 Prozent der Präparate ausverkauft waren. Auch das geforderte Arbeitstempo von Mitarbeitern in einem Lager in Portsmouth, die 120 Packungen pro Stunde aus den Regalen räumten, überraschte ihn. Black war außerdem nicht damit einverstanden, dass in einer Rowlands-Apotheke in Cleckheaton Porzellandekorationen verkauft wurden.

Rob Darracott, Vorstand der Apotheker-Interessenvertretung „Pharmacy Voice“, lobte die Show, berichtete das Branchenmagazin C+D. Es sei das erste Mal gewesen, dass ein TV-Programm sich so ausführlich mit dem Thema befasst habe. Wenn sich dadurch mehr Menschen für Apotheken interessieren würden, habe die Sendung schon ihren Sinn gehabt. Robbie Turner, Chef der öffentlichen Apotheken in West Yorkshire, sagte dagegen, er sei enttäuscht von der Sendung. Die Rolle des Apothekers als engagierter Heilberufler für das Wohl des Patienten sei nicht erwähnt worden.

„Pharmacy Voice“ betreibt derzeit eine Kampagne, die die Öffentlichkeit besser über die Dienstleistungen von Apothekern informieren und das Ansehen von Apothekern in der Öffentlichkeit verbessern soll. Nach Umfragen des britischen Meinungsforschungsinstituts YouGov, die vor und während der Kampagne durchgeführt wurden, gibt es erste Erfolge: So wussten vor der Kampagne nur 44 Prozent der Befragten, dass Apotheker bei der Rauchentwöhnung helfen können, später waren es 62 Prozent. Das Wissen darüber, dass Apotheker Kunden über gesunde Ernährung beraten, stieg von 31 auf 48 Prozent. Befragt wurden mehr als 2000 Personen.

Nach Angabe von „Pharmacy Voice“ ist das Apothekenwesen in Großbritannien die drittgrößte Berufssparte im Gesundheitssektor nach Medizin und Pflege. Trotzdem wüssten viele Menschen nicht, wer Apotheker seien, was sie genau täten und welche Leistungen sie anzubieten hätten.

Der nationale Gesundheitsdienst NHS hatte sich vor einigen Monaten ebenfalls mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit gewandt, in der Patienten ermutigt wurden, in die Apotheke zu gehen.