Anhörung des US-Immunologen Anthony Fauci

Corona: Erneute Debatte zum Ursprung des Virus 30.07.2026 15:10 Uhr

Washington - 

Nach der Veröffentlichung von Tagebucheinträgen des durch die Corona-Pandemie auch international bekannt gewordenen US-Immunologen Professor Dr. Anthony Fauci ist in den USA die Debatte zum Ursprung des Virus wieder aufgeflammt. In einer Anhörung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten versuchten vor allem republikanische Senatoren, Fauci Antworten zu entlocken. Fauci hingegen berief sich auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung und machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Der fünfte Zusatzartikel sieht vor, dass niemand sich selbst belasten muss.

Fauci war von 1984 bis 2022 Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Während der Corona-Pandemie war er einer der Experten in der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses unter US-Präsident Donald Trump. Später war er medizinischer Chefberater von Ex-US-Präsident Joe Biden und beriet in seiner Karriere damit insgesamt sieben Präsidenten.

Im Kampf gegen das Coronavirus wurde er schnell zu einer zentralen Figur und scheute auch die Konfrontation mit Trump nicht. Manche Menschen, darunter auch ranghohe Republikaner, machten Fauci bald zum Schuldigen für alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die ihnen lästig waren. Der Wissenschaftler sah sich zunehmend Anfeindungen ausgesetzt.

Auch Jahre nach Pandemie Stoff für Verschwörungstheoretiker

Der republikanische Senator Rand Paul hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ursprung des Coronavirus zu ermitteln. Im vergangenen Jahr ließ der Vorsitzende des Senatsausschusses für Innere Sicherheit dazu Personen aus 14 US-Behörden vorladen. Mit Fauci erschien am Mittwoch nun eine der prominentesten Figuren während der Pandemie vor dem Ausschuss.

Der demokratische Senator Richard Blumenthal warf Paul in der Anhörung vor, „dass das laufende Verfahren lediglich ein Versuch ist, Dr. Fauci eines strafrechtlichen Fehlverhaltens zu bezichtigen“. Dies sei nicht der legitime Zweck von Ausschussanhörungen.

Paul ist seit Jahren davon überzeugt, dass Fauci die Theorie eines natürlichen Ursprungs des Virus verbreitet hat und damit versuchen wollte zu verschleiern, dass das Virus eigentlich aus einem Labor in der chinesischen Metropole Wuhan kam. Auch US-Präsident Trump glaubt, dass der Wissenschaftler „stets versuchte, China zu beschützen“.

Widersprüchliche Tagebucheinträge

Kurz vor Faucis Anhörung hatte Paul Auszüge aus Tagebucheinträgen von Fauci veröffentlicht. Laut „Wall Street Journal“ schrieb der Immunologe darin etwa im Januar 2020 über chinesische Märkte: „Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war.“ Im darauffolgenden Jahr beklagte Fauci dann, dass „radikale Rechte“ behaupteten, dass er absichtlich das Virus entwickelt habe, um es dann in die Welt zu setzen.

Im Mai 2021 schrieb er: „Ich habe immer gesagt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist und von einem Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Angesichts der vielen Spekulationen über ein mögliches Laborleck in den letzten Tagen habe ich jedoch betont, dass niemand, mich eingeschlossen, sich hundertprozentig sicher über den Ursprung ist, und fordere daher eine gründliche Untersuchung.“

Mittlerweile neue Einschätzungen

Nach Beginn der zweiten Amtszeit von Trump änderte die US-Regierung im Frühjahr vergangenen Jahren ihre Einschätzung zum Ursprung des Coronavirus: Das Weiße Haus stützte mit einer neuen Webseite die Labortheorie. Zuvor hatte der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, die Einschätzung seiner Behörde dahingehend geändert. Die CIA schätze, wenn auch mit geringer Sicherheit, dass ein forschungsbedingter Ursprung der Covid-19-Pandemie wahrscheinlicher sei als ein natürlicher Ursprung. Im Dezember 2024 hatte ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses einen Bericht vorgelegt, in dem ebenfalls die Labortheorie gestützt wird.