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Apotheke verwechselt Lipanthyl und Litalir APOTHEKE ADHOC, 28.11.2017 17:06 Uhr

Berlin - 

In einer Zürcher Apotheke wurde ein Medikament verwechselt: Statt dem Cholesterin-Senker Lipanthyl erhielt der Kunde das Krebsmedikament Litalir. Nur weil er aufmerksam war, entging er einer gesundheitlichen Katastrophe.

Das TV-Magazin „Kassensturz“ berichtet heute Abend um 21.05 Uhr auf SRF1 über den Fall. Der Apothekenbesuch wird Mohammad Semsarkhiabani und seiner Ehefrau lange in Erinnerung bleiben. Sie geht mit dem Rezept zur Apotheke und bemerkt nicht, dass die Mitarbeiter ihr ein falsches Arzneimittel ausgehändigt haben.

Ihr Mann hingegen hält erstaunt inne. Den Namen des Medikaments kennt er nämlich gar nicht. Als er prüfend den Beipackzettel liest, stellt er fest, dass es sich um ein Arzneimittel gegen Krebs handelt. Und auf der Packung klebt ein Etikett mit dem Namen eines anderen Patienten.

Die Namen der beiden ähneln sich. Semsarkhiabani ist entsetzt über die gravierende Verwechslung. Hätte er das Medikament versehentlich eingenommen, hätte er einen Leberschaden oder Schlimmeres erleiden können. Die Apothekenkette Topwell, zu der die betroffene Nord-Apotheke in Zürich gehört, versucht gegenüber dem SRF-Magazin „Kassensturz“ eine Erklärung. Die beiden Medikamente seien für zwei unterschiedliche Personen reserviert gewesen, die sowohl einen ähnlichen Produkt- als auch Familiennamen aufwiesen.

Die Nord-Apotheke erklärt: „Der personifizierte Abholschein wurde nicht ordnungsgemäß mit dem reservierten Medikament und dem korrekten Patientennamen verglichen.“ Die Apotheke entschuldigte sich beim Betroffenen für den Fehler. In „Kassensturz“ kommt auch Enea Martinelli, Chefapotheker der Spitäler Frutigen, Meiringen und Interlaken, zu Wort: „Wir hatten gerade letzte Woche einen Fall. Wir gaben jemandem eine zu hohe Dosierung eines Medikaments. Das ist kein gravierender Fall, trotzdem haben wir mit der Person Konakt aufgenommen und das Medikament selbstverständlich ausgetauscht.“

Vier-Augen-Prinzip, mehrfache Kontrollsysteme, aufmerksame Mitarbeiter – und trotzdem passieren auch in Apotheken Verwechslungen, manche mit tödlichem Ausgang. In „Kassensturz“ präsentiert Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverbandes Schweizerischer Patientenstellen, Arztrezepte, die unleserlich sind und sagt: „Hier haben Sie keine Ahnung, um welches Medikament es geht. Sie haben keine Ahnung, in welcher Dosierung, welcher Form die Medikamente verabreicht werden müssen. Sie können nichts daraus lesen. Das geht nicht.“

Sie fordert, Arztrezepte künftig nur noch per Computer zu schreiben. „Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen. Ein Rezept muss klar verständlich geschrieben sein.“ Der Berufsverband der Schweizer Ärzte (FMH) ist gegen diesen Vorschlag und antwortet umgehend: „Sollte ein Rezept für einen Apotheker schlecht lesbar sein, kann er jederzeit beim verschreibenden Arzt rückfragen.“