E-Rezept soll Rechenzentren überflüssig machen

„Pioniere“ gesucht: Direktabrechnung für 1000 Apotheken APOTHEKE ADHOC, 01.06.2021 15:00 Uhr

  • Automatisierte Abgabe, automatisierter Geldeingang? Scanacs will die Direktabrechnung von E-Rezepten mit einem Pilotporjekt in der Praxis erproben. Foto: Klinikum rechts der Isar

Berlin - Scanacs befindet sich nach eigenen Angaben auf der Zielgeraden zur Einführung der Direktabrechnung von E-Rezepten. Das Dresdner Unternehmen sucht derzeit 1000 Apotheken, mit denen es das neue Verfahren in einem Pilotprojekt erproben will. Wenn alles gut läuft, kann es schon im Juli losgehen.

Noch in diesem Jahr sollen die ersten Apotheken über die Software von Scanacs in Echtzeit mit den Krankenkassen abrechnen können. Bereits seit Langem trommelt das Unternehmen für die neue Möglichkeit, die Apothekenrechenzentren zu umgehen. „Spätestens mit der Einführung des E-Rezepts sind Apotheken in der Lage, die Abrechnung mit Krankenkassen selbst durchzuführen, denn technisch stellt das keine Hürde mehr dar“, erklärten die Dresdner erst im März in einem Whitepaper.

Für die Apotheken soll die Direktabrechnung zahlreiche Vorteile bringen: So verbessere sich durch den schnellen Erhalt des Geldes die Liquidität der Apotheke, der Prozess sei transparenter und letztlich sei er auch sicherer, da er das Retaxrisiko verringere. Künftig soll er auch mit der Verordnungsvorprüfung von Scanacs kombinierbar sein. Außerdem mache es die Apotheken unabhängiger: Ein Insolvenzrisiko Dritter habe laut Scanacs keinen Einfluss mehr auf die Abrechnung – ein Wink in Richtung AvP-Pleite. Die Logik: Fällt ein Rechenzentrum aus, kann die Apotheke einfach über Scanacs abrechnen. Denn es sei bereits möglich, alle Rezepte bei allen Kassen über das Tool abzurechnen.

Die Apotheken könnten das allerdings auch mit einzelnen Verordnungen oder aber bestimmten Produktgruppen tun. So könne man beispielsweise Hochpreiser prinzipiell direkt abrechnen, um auf die hohen Summen nicht warten zu müssen. Herstellerrabatte sowie Nacht- und Notdienstfonds (NNF) können laut Scancs ebenfalls über das Portal abgewickelt werden.

Das zugehörige Verfahren hat Scanacs nach eigenen Angaben gemeinsam mit Apotheken und Krankenkassen seit 2016 entwickelt. Das Bundesversicherungsamt habe die Anwendung geprüft und positiv bewertet. Nun soll sie ausgerollt werden, und zwar in einem ersten Schritt mit 1000 sogenannten „Abrechnungs-Pionieren“. Apotheken können sich bereits registrieren und sollen dann ein Startangebot mit engmaschiger Begleitung erhalten. Die Begleitung ist dabei nicht nur ein Serviceangebot, sondern solle vor allem dazu dienen, die Erkenntnisse der ersten Anwender in die Feinjustierung des Produkts einfließen zu lassen, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage.

Die finale Preisgestaltung werde dann auch auf Grundlage dieser Erkenntnisse festgelegt. Für die Teilnehmer des Pilotprojekts wird demnach noch individuell verhandelt. Ziel sei aber eine komplett transparente Preisgestaltung mit einem Preis pro Rezeptzeile ohne Kappungsgrenze. Eine Vorhersage, bis wann die 1000 Teilnehmer gefunden sein sollen, es in der Breite losgehen kann und wann das Angebot endgültig für alle Apotheken zugänglich ist, will Scanacs auf Anfrage noch nicht abgeben. Das hänge von zu vielen Faktoren ab. Allerdings gehe man davon aus, dass sich bereits Apotheken für das Angebot entscheiden, die Teil der E-Rezept-Modellregion in Berlin/Brandneburg sind – und die ersten Direktabrechnungen noch im dritten Quartal durchgeführt werden.

Bereits seit 2019 bietet Scanacs einen digitalen Service an, mit dem direkt in der Software noch während des Kassiervorgangs in Echtzeit festgestellt werden kann, ob der Patient zuzahlungspflichtig ist oder nicht. Die Versichertendaten zu diesem Dienst stammen laut Scanacs direkt von den Krankenkassen. Die Übermittlung in die Apotheke ermöglicht dabei die Zusammenarbeit mit Prisma Datensysteme, Anbieter des Apothekenwarenwirtschaftssystems Aposoft und Tochterunternehmen des Rechenzentrums NARZ. Zuletzt hatte Scanacs in den Vor-Ort-Apotheken etwas an Ruf eingebüßt, nachdem das Unternehmen eine Kooperation mit der Zur-Rose-Tochter eHealth Tec verkündete. Hintergrund ist deren Einbindung in den Bau der E-Rezept-Infrastruktur – von diesen Einsichten will Scancs nun bei der Direktabrechnung profitieren.