Videosprechstunden: Preis holt KV an Bord 09.10.2026 13:26 Uhr
Bei der assistierten Telemedizin (aTM) braucht es neben der Technik vor allem Ärztinnen und Ärzte. Doch auch drei Monate nach dem Startschuss sind Apotheken auf Anbieter angewiesen, die ihnen eine Anbindung an eine gewisse Zahl an Praxen ermöglichen. Jetzt hat der Apothekerverband Nordrhein (AVNR) mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVNO) eine Kooperation abgeschlossen.
Künftig soll es für Patientinnen und Patienten möglich sein, in den Apotheken über die bewährte digitale Infrastruktur der KV ärztliche Online-Videosprechstunden in Anspruch zu nehmen. Gestern fand dazu eine erste gemeinsame Auftaktveranstaltung statt.
In Nordrhein gibt es bereits seit Längerem Videosprechstunden, allerdings nur außerhalb der Öffnungszeiten. Anfangs gab es Angebot für den pädiatrischen Bereich, mittlerweile wurde es ausgeweitet. Durch die Kooperation mit den Apotheken soll das Thema in die Breite getragen werden.
Jede Apotheke kann sofort starten, das Ganze funktioniert kostenlos über die 116 117. Eine besondere technische Austattung über die allgemeinen Vorgaben hinaus ist nicht erforderlich.
„Gemeinsam können wir ein Zeichen für vernetzte Versorgung setzen“, sagte Nina Hammes, Geschäftsführerin/Justitiarin der KV Nordrhein, in ihrer Begrüßung zur Auftaktveranstaltung. „Die Kompetenz der KV Nordrhein liegt in der Einbettung der Telemedizin in einen gesteuerten Versorgungspfad. Entscheidend ist nicht die reine Videosprechstunde, sondern die Organisation der Versorgung dahinter“, so Hammes.
Oliver Reucher, Geschäftsführer der Gesundheitsmanagement-Gesellschaft der KV Nordrhein, verdeutlichte in seinem Vortrag, wie die Online-Videosprechstunde im ärztlichen Bereitschaftsdienst über das digitale System der KV funktioniert. Die seit 2022 bewährten bestehenden Strukturen ermöglichten einen durchgängigen Versorgungspfad über die Apotheke. „Gemeinsam können wir die digitale Versorgung in Nordrhein konsequent weiterentwickeln.“
Thomas Preis, AVNR-Vorsitzender und Abda-Präsident, machte deutlich, dass es mit den Möglichkeiten der aTM in der Apotheke gerade jetzt angesichts überlasteter Versorgungsstrukturen, mangelnder Vernetzung und Fehlsteuerung von Patienten wichtig sei, in heilberuflicher Kooperation mit der Ärzteschaft die Patientenversorgung weiterzuentwickeln und zu verbessern. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein eine bundesweit beispielgebende Kooperation für sektorenübergreifende Zusammenarbeit gestartet haben“, sagte Preis.
In einem nächsten Schritt soll die praktische Umsetzung mit der Beteiligung zahlreicher Apotheken im Rahmen eines Pilotprojektes erfolgen.