Verimi: „Pionier für digitale Identitäten“ gibt auf 03.08.2026 14:17 Uhr
Der Markt für digitale Identitäten wächst in Europa, auch aufgrund europäischer Verordnungen wie eIDAS für elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste sowie aufgrund von Plänen für digitale Wallets, die in der EU durchgesetzt werden sollen. Doch genau diese Vorhaben mit ihren Gesetzeshürden können den verschiedenen Anbietern auf dem Markt auch das Leben schwer machen. Das Unternehmen Verimi, das sich selbst als „Pionier für digitale Identitäten in Deutschland“ versteht, gibt nun auf.
Mitte Juli teilte die Berliner Firma mit, „den Geschäftsbetrieb des Unternehmens zum Ende des Jahres 2026 einzustellen“. Grund für diese strategische Entscheidung sei eine veränderte Bewertung aufgrund der Marktentwicklung. Die eigenen Erfolgsaussichten im Markt für digitale Identitätslösungen in Europa hätten sich verschoben.
Beispielsweise sei Verimi Pionier im Bereich der ID‑Wallets für digitale Identitätsdaten in Deutschland gewesen, in der digitalen Brieftasche können Nutzer:innen zum Beispiel ihren Personalausweis hinterlegen, um sich bei Banken oder Versicherungen einfach zu identifizieren. Auch Ident-Verfahren und digitale Unterschriften gehören ins Portfolio.
Mit aktuell rund 80 Mitarbeitenden in Berlin habe man zuletzt „profitabel“ gearbeitet. „Einflussfaktoren für die Entscheidung waren neue europäische Rahmenbedingungen für den Umgang mit digitalen Identitätsdaten, zum Beispiel durch die Novellierung der eIDAS-Verordnung und die europaweiten Standards im Finanzsektor durch AMLR“, heißt es nun vom Unternehmen. Das Team selbst treffe keine Schuld.
Partner von T-Systems
„Oberstes Ziel ist nun, für die betroffenen Mitarbeitenden neue Perspektiven sowie sozialverträgliche Lösungen zu finden. Bestehende Leistungen für Kunden, Partner und Nutzer werden noch bis Dezember 2026 fortgeführt“, so Verimi. Zu den Partnern gehört unter anderem T-Systems, die wiederum für die Barmer im Jahr 2022 und die AOK 2024 die Zuschläge für die Arbeit an der GesundheitsID gewonnen hat.
„Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht. Sie ist insbesondere mit Blick auf das engagierte Team in Berlin äußerst schmerzhaft, angesichts der neuen strategischen Rahmenbedingungen jedoch der richtige Weg“, so Stefan Imme, Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Verimi. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verimi haben über mehr als acht Jahre hinweg exzellente Arbeit geleistet und mit großem Einsatz, hoher Innovationskraft und Effizienz als digitale Pioniere ein einzigartiges Produkt im deutschen Markt etabliert. Dafür gebührt ihnen unser tief empfundener Dank.“
2018 ist Verimi als sogenanntes Multi‑Joint‑Venture einiger Unternehmen aus der deutschen Wirtschaft gegründet worden. Als Gesellschafter tauchen unter anderem die Allianz, Axel Springer, die Bundesdruckerei, Daimler, Deutsche Bahn, Deutsche Bank, Telekom, Lufthansa, Samsung sowie Volkswagen Financial Services auf. 2024 erreichte das Unternehmen den Break-even, nachdem die Süddeutsche Zeitung (SZ) noch im Jahr davor vom „Absturz eines Vorzeigeprojekts“ berichtet hatte.
Nichtsdestotrotz feierte man sich zusammen mit T-Systems auf der Bühne der Digital Health Conference 2023 für die neuen Möglichkeiten aufgrund der digitalen Identitäten. In der Zwischenzeit gab es Kritik wegen einer nicht kommunizierten Datenpanne sowie eines unsicheren digitalen Identifizierungsverfahrens.