Forsa-Umfrage zu eMP

Medikationsplan: Nicht alle Patienten für Apotheken-Einblick 14.07.2026 12:43 Uhr

Berlin - 

Laut einer aktuellen Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes wird die Möglichkeit, die bisher schriftlich geführten Medikationspläne mit Hinweisen zur Dosierung und Einnahme der Medikamente künftig in der elektronischen Patientenakte (ePA) zu speichern, überwiegend positiv gesehen: 90 Prozent der Befragten finden demnach die neue Option sehr gut oder eher gut, nur 5 Prozent bewerten diese weniger gut oder gar nicht gut. Die Zustimmung, den möglichen Einblick von Apothekerinnen und Apothekern in die eigenen Medikamente und deren Dosierung zuzulassen, liegt bei rund 80 Prozent.

Insbesondere der bessere Überblick für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte über die Medikation und ihr Einblick in verordnete Medikamente und Dosierungen sei mit rund 90 Prozent Zustimmung laut der Umfrage positiv bewertet worden. Weniger Zustimmung gibt es dagegen mit 80 Prozent für den möglichen Einblick von Apothekerinnen und Apothekern in die eigenen Medikamente und deren Dosierung. Vergleichsweise gute Bewertungen erhalten die Unterstützung bei der Vermeidung von gefährlichen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten (88 Prozent) sowie der gute Überblick über die eigenen Medikamente durch den elektronischen Medikationsplan (eMP) in der ePA (86 Prozent). 85 Prozent der Befragten stimmen zudem der Aussage zu, dass der eMP die Sicherheit erhöhen kann, wenn pflegende Angehörige bei der Medikamenteneinnahme helfen.

„Wichtige Ergänzung“

„Der elektronische Medikationsplan ist eine wichtige Ergänzung und wird den Nutzwert der elektronischen Patientenakte für die Versicherten ganz entscheidend erhöhen“, betont die AOK-Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann. Schon die automatisch aus dem E-Rezept heraus befüllte Medikationsliste in der ePA sorge nach den bisherigen Rückmeldungen aus der Praxis für einen großen Mehrwert, weil sie allen behandelnden Ärztinnen und Ärzten einen Überblick über die verschriebene Medikation ermögliche.

„Dies wird mit dem Medikationsplan noch um die Möglichkeit zum Eintragen von nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten sowie durch Informationen zur Dosierung und Hinweise zur Einnahme ergänzt.“ Allerdings befinde sich der digital gestützte Medikationsprozess zunächst noch in der Pilotierungsphase, so Reimann. „Bis alle Software-Systeme der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte den elektronischen Medikationsplan unterstützen, wird es noch bis zum Herbst dauern. In vielen Fällen braucht es also noch etwas Geduld, bis der neue Service genutzt werden kann.“

Ab heute werde im Rahmen einer Pilotierungsphase der neue eMP in der ePA Schritt für Schritt in die Versorgung eingeführt. Der Start bei den Leistungserbringern erfolge in mehreren Modellregionen und soll bis zum Herbst abgeschlossen sein.

Ein Drittel mit Mehrfachmedikation

Anspruch auf das Anlegen eines eMP oder eines entsprechenden Dokuments auf Papier haben alle Patientinnen und Patienten, die mindestens drei ärztlich verordnete Medikamente einnehmen. Laut einer aktuellen Forsa-Befragung gelte das für etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) der befragten gesetzlich Versicherten. Nach eigenen Angaben haben davon knapp zwei Drittel (62 Prozent) bereits einen Medikationsplan in Papierform erhalten. Mit zunehmendem Alter steige der Anteil der Personen mit Mehrfachmedikation stark an: So nehmen von den Befragten, die 60 Jahre oder älter sind, bereits knapp zwei Drittel (60 Prozent) drei oder mehr ärztlich verordnete Medikamente ein. In dieser Altersgruppe ist auch der Anteil derjenigen, die bereits einen schriftlichen Medikationsplan erhalten haben, mit 73 Prozent am höchsten.

Innerhalb der ePA sollen Versicherte künftig auch ihren Widerspruch gegen das Anlegen eines eMP dokumentieren können. Von dieser Möglichkeit macht laut der Befragung aber nur ein sehr kleiner Anteil Gebrauch. Mit „Ja“ habe hier nur 1 Prozent der Befragten geantwortet, die nicht bereits grundsätzlich der ePA widersprochen haben.

Informationsstand zur ePA

Der Informationsstand beim Thema ePA habe sich seit der letzten Befragung im August und September 2025 kaum verändert: Während sich 2025 noch 45 Prozent der Befragten sehr gut oder eher gut über die ePA informiert fühlten, habe sich dieser Anteil in der aktuellen Befragung mit 47 Prozent nur leicht verbessert. Im Gegenzug sei der Anteil derer, die sich weniger gut oder gar nicht gut informiert fühlen, von 54 auf 51 Prozent gesunken.

ePA kaum Thema bei Arztbesuchen

Zudem zeigt die Befragung, dass die ePA trotz der seit dem 1. Oktober 2025 geltenden Verpflichtung zur Befüllung durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte weiterhin kaum ein Thema beim Arztbesuch ist: Vier Fünftel (81 Prozent) der Menschen mit einem Arztbesuch im laufenden Jahr geben an, dass die ePA in der Arztpraxis bisher kein Thema war. Der Anteil sei damit seit der letzten Befragung nur um 3 Prozent gesunken.

Gleichzeitig ist der Anteil derer, die vom Arzt, der Ärztin oder Praxisangestellten auf das Thema angesprochen wurden, von 9 auf 12 Prozent gestiegen. 7 Prozent haben das Thema selbst angesprochen, das ist nur 1 Prozent mehr als in der Vorgänger-Befragung aus dem Sommer 2025. „Diese Ergebnisse sind ernüchternd, zumal wir bereits umfassende Informationen zur ePA anbieten und unsere Versicherten aktiv über die Patientenakte informiert haben. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Implementierung und Nutzung der elektronischen Patientenakte kein Sprint, sondern ein Marathon ist“, so Reimann. Entscheidend werde sein, die ePA stärker mit konkreten Mehrwerten für die Versicherten zu verbinden und den Zugang weiter zu vereinfachen.

Neues Identifikationsverfahren

Die AOK habe bereits mit einem neuen, rein digitalen Identifizierungsverfahren über die Nect-Wallet-App ihren Versicherten zuletzt den Zugang zur ePA erleichtert. „Wenn digitale Identitäten auch über die Gesundheitsversorgung hinaus im Rahmen weiterer Anwendungen genutzt werden können, kann die Bereitschaft zur Anwendung deutlich steigen“, betont Reimann. Die geplante europäische EUDI-Wallet könne hier ab 2027 eine wichtige Rolle spielen und zusätzliche Anreize zur Nutzung schaffen.

Für die repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des AOK-Bundesverbandes wurden vom 13. bis zum 27. April 2026 insgesamt 8522 gesetzlich Krankenversicherte ab 18 Jahren befragt. Es handelt sich um eine Kombination aus einer telefonischen Befragung und einer Online-Erhebung. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei 1,8 Prozentpunkten nach oben oder unten.