Elektronische Patientenakte

Handling zu kompliziert: ePA ist „chronisch erfolglos“ 30.10.2026 14:00 Uhr

Berlin - 

Obwohl die elektronische Patientenakte (ePA) bereits seit 18 Monaten am Start ist und sich hoher Bekanntheit in der Bevölkerung erfreut, wird sie trotzdem kaum genutzt, bemängelt der Branchenverband Pharma Deutschland. „Das Handling ist kompliziert und der Mehrwert gering“, so die Kritik.

„Unsere Umfragen zeigen, dass die elektronische Patientenakte bereits vor einem Jahr so bekannt war wie heute. Die Zahl der Nutzenden ist in diesem Zeitraum aber kaum gestiegen und die ePA bleibt hinter den Erwartungen zurück“, konstatiert Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann.

„Wir können nicht erwarten, dass sich das ändert, solange weder für Krankenkassen noch für Leistungserbringer Anreize bestehen, die ePA weiterzuentwickeln und in die Versorgung einzubinden. Dieser Konstruktionsfehler muss behoben werden. Es reicht nicht, darauf zu vertrauen, dass die Digitalisierung in Deutschland von selbst vorankommt“, so Brakmann weiter.

Für Krankenkassen, Arztpraxen und Apotheken gebe es keine ausreichenden Anreize, die ePA voranzutreiben, und auch Versicherte hätten kaum Mehrwert durch die Akte. Eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Verbands zeigt: Die flächendeckende ePA-Nutzung bleibe aus. Demnach sei die ePA zwar weithin bekannt, werde aber nur von 23,5 Prozent der Befragten genutzt. „Eine Entwicklung, die sich seit der Einführung vor eineinhalb Jahren nur schleppend verbessert hat“, resümiert Pharma Deutschland.

Gesundheits-Apps konkurrierten derweil auf dem freien Markt mit praktischen Funktionen, die ePA fehle dieser Innovationsdruck jedoch. Terminerinnerungen, Dokumente, Impfinformationen – hier überall fehle es noch bei der ePA, während sich beispielsweise das E-Rezept als Digitalisierungsmaßnahme beweisen konnte.

„Ich bin überzeugt: Bereits nach kurzer Zeit wird die ePA im Versorgungsalltag in Deutschland nicht mehr wegzudenken sein“, erklärte der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum Start der ePA; auch die Kassenchefs sahen enormes Potenzial, sofern alle gleichermaßen an einem Strang ziehen würden.