Gegen eGK-Irrsinn in der Pflege: Ehex & Optadata kooperieren 02.10.2026 14:48 Uhr
Mit einer eigenen Lösung für die E-Rezept-Übermittlung in der ambulanten Pflege wollen die Anbieter Ehex und Optadata überzeugen. Ziel sei es, Rezeptanforderungen, die Ausstellung in der Praxis und die Übergabe an die Apotheke digital und nachvollziehbar zu verbinden, heißt es von Ehex.
Dadurch sollen manuelle Abstimmungen und Botenwege reduziert werden. Der Testlauf zusammen mit einem ambulanten Pflegedienst, einer Arztpraxis und einer Apotheke stehe noch bevor. Bisher werden Rezepte in der ambulanten Pflege häufig telefonisch oder per Fax angefordert. Dazu müssen die elektronischen Gesundheitskarten (eGK) nachträglich in den Arztpraxen vorgelegt werden, wodurch zusätzlicher Aufwand entsteht.
Wie sehr das die Akteure belastet, zeigt die Kritik, die kürzlich medial für Aufsehen sorgte. Der Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sagte: „Den Irrsinn, Pflegekräfte stundenlang in Arztpraxen warten oder Versichertenkarten herumfahren zu lassen, kann sich Deutschland schlicht nicht mehr leisten.“ Bis zu 2,4 Millionen Stunden könnten demnach eingespart werden, würden die Prozesse hier sinnvoll digitalisiert.
Mit ihrem neuen Weg für die Rezeptübermittlung wollen Ehex und Optadata Abhilfe schaffen. Bei der Anforderung des E-Rezepts übermitteln die Pflegefachkräfte die Daten strukturiert an die behandelnde Praxis. Nach der Prüfung und Freigabe in der Arztpraxis könne dann der E-Rezept-Token per KIM (Kommunikation im Medizinwesen) übergeben werden.
Beteiligte könnten somit den Bearbeitungsstatus immer über die benutzerfreundliche Bedienoberfläche der Webanwendung nachvollziehen. Beim anstehenden Testlauf werden unter anderem auf die Durchlaufzeiten, potenziell vermiedene Botenfahrten, die Akzeptanz im Pflegealltag sowie das Zusammenspiel mit unterschiedlichen Praxis- und Apothekensystemen betrachtet.
Die Lösung orientiert sich dabei an bestehenden Strukturen: Pflegeeinrichtungen werden über ein TI-Gateway an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden, genutzt werden KIM sowie FHIR-basierte Daten. Praxen und Apotheken nutzen ihre üblichen AVS und PVS. Zukünftig könne auch PoPP (Proof of Patient Presence) eingebunden werden.
Während sich Anbieter Ehex um die Entwicklung der Plattform sowie die TI-Anbindung kümmert, laufe die Erprobung im neuen Pflegemanagement-Tool der Optadata.
„Die aktuelle Diskussion zeigt sehr deutlich, dass es nicht genügt, einzelne Bestandteile eines analogen Prozesses zu digitalisieren. Entscheidend ist die gesamte Prozesskette. Genau dort setzen wir an: Wir wollen Pflege, Arztpraxis und Apotheke digital verbinden, ohne für jede beteiligte Organisation neue Insellösungen zu schaffen“, so Ehex-Geschäftsführer Frédéric Naujokat.
„Digitalisierung darf analoge Bürokratie nicht digital dekorieren. Sie muss sie überflüssig machen. Dafür dürfen wir nicht den nächsten einzelnen Arbeitsschritt digitalisieren, sondern müssen Versorgung durchgängig digital denken. Die Rezeptübermittlung ist ein konkretes Beispiel dafür, wie dieser Anspruch in die Praxis übersetzt werden kann“, ergänzt Andreas Fischer, Geschäftsführer der Optadata.