Gemischte Bilanz

Ein Jahr ePA: Warken vs. Pharma Deutschland 15.01.2026 17:07 Uhr

Berlin - 

Seit einem Jahr gibt es die elektronische Patientenakte (ePA) nun in der Breite, zunächst nur in den TI-Modellregionen, später dann in ganz Deutschland für alle GKV-Versicherten. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zieht eine positive Bilanz, während Branchenverband Pharma Deutschland die Ziele der ePA noch nicht als erreicht ansieht.

„Mittlerweile ist die elektronische Patientenakte Teil des Alltags unseres Gesundheitssystems. Leistungserbringer, medizinisches Personal sowie Patientinnen und Patienten profitieren von mehr Transparenz und der besseren Verfügbarkeit von medizinisch relevanten Informationen“, so Warken gegenüber der „Rheinischen Post“.

ePA wird ständig weiterentwickelt

Seit Oktober müssen Praxen und Kliniken die ePA füllen, E-Rezepte laufen automatisch rein. Zudem können Versicherte – sofern sie sich um Zugriff gekümmert haben – ihre Gesundheitsdaten einsehen. Auch können sieselbst Dokumente hochladen oder Zugriffsrechte für Ärzt:innen verwalten. „Unerwünschte Wechselwirkungen von Arzneimitteln und Mehrfachuntersuchungen können vermieden werden“, erklärt Warken.

Zudem werde die ePA stetig weiterentwickelt. „Die elektronische Patientenakte soll für alle noch nutzerfreundlicher, sicherer und alltagstauglicher werden“, so Warken weiter. „Im Mittelpunkt stehen dabei mehr relevante Daten, eine bessere Vernetzung und spürbare Entlastungen im Versorgungsalltag, zum Beispiel durch den elektronischen Medikationsplan und relevante Zusatzinformationen zur Arzneimitteltherapiesicherheit oder strukturierte Labordaten.“

Nicht alles läuft rund

Bemängelt wird an der ePA hingegen häufig die Instabilität der einzelnen Komponenten. Hier will das Bundesgesundheitsministerium (BMG) demnächst mit einem Digitalgesetz gegensteuern. Das soll mehr Stabilität in die Telematikinfrastruktur (TI) bringen.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Tatsache, dass es für Versicherte gar nicht so einfach ist, Zugang zu ihrer Akte zu bekommen. Das bemängelt auch Pharma Deutschland. Eine bei Civey vom Verband in Auftrag gegebene Befragung unter Versicherten habe gezeigt: Rund 80 Prozent der Menschen kennen die ePA, aber nur 20 Prozent haben sie bislang genutzt. Bei den Patient:innen kämen die Vorteile der ePA somit nicht direkt an.

Vor allem junge Erwachsene nutzen die ePA

Bisher nutzten vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren ihre ePA. Etwa jede:r Vierte (29 Prozent) habe Zugriff. Überdurchschnittlich aktiv seien zudem Ostdeutsche mit 24 Prozent gegenüber knapp 18 Prozent im Westen. Außerdem nutzen Männer die Akte mit 22 Prozent häufiger als Frauen mit 15 Prozent. „Die ePA ist technisch da, aber im Alltag noch nicht angekommen“, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.

„Solange nur eine Minderheit die ePA aktiv nutzt, verschenken wir Chancen: für bessere Diagnosen, sicherere Arzneimitteltherapien und eine Medizin, die wirklich aus den Erfahrungen von Millionen Patientinnen und Patienten lernt.“

Wenn die ePA stärker genutzt würde, würden die Menschen am Ende auch mehr von innovativen Arzneimitteln – durch die pseudonymisierte ePA-Daten-Forschung – oder maßgeschneiderten Versorgungsangeboten profitieren. Potenzial habe die ePA: Bei strukturierten ePA-Daten müssten Krankengeschichten nicht immer wieder wiederholt werden, alle Leistungserbringer hätten denselben Informationsstand.