BMG: ePA soll „zentrales Zugangstor“ werden 24.06.2026 12:32 Uhr
Wie läuft es mit der ePA? Welche Erfolge gibt es bereits und wo muss nachgesteuert werden? Darüber diskutierten gestern Vertreter der Politik und der Gematik beim Parlamentarischen Abend der E-Rezept-Enthusiasten.
Man habe bereits 130 Millionen hochgeladene Dokumente, die in der ePA verfügbar seien, erklärte Brenya Adjei von der Gematik. Das zeige, dass die ePA genutzt werde und dass Daten vorlägen. Geplante Features wie die Volltextsuche würden diese Dokumente auch künftig durchsuchbar machen. Auch für die Patientinnen und Patienten müsse ein Anreiz zur Nutzung entstehen. Bald wolle man den Medikationsplan und die Push-Nachrichten in den Apps der Krankenkassen etablieren.
„Wir sind gut unterwegs, wir wollen noch mehr machen“, betonte auch Philipp Müller, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium (BMG). „Wir wollen uns bewusst Ziele setzen und klare KPIs.“ Unter anderem habe das BMG sich das Ziel gesetzt, 20 Millionen Nutzer zu haben. Er selbst sei ein „Heavy User“, die ePA sei eigentlich ein „geniales Tool“, weil sie Neugierde und Bequemlichkeit bediene.
Patientensteuerung über die ePA
Mit einem digitalen Versorgungseinstieg wolle man zudem die Vorarbeit für das Primärversorgungssystem etablieren. Die ePA solle „ein Zugangstor für die Versorgung“ sein, dazu müsse sie weiterentwickelt werden, erklärte er.
Er stelle sich das künftig so vor: Patient Max Mustermann habe abends Bauchschmerzen und wolle nicht in die Notversorgung. Er mache die ePA-App seiner Kasse auf und werde dann durch ein KI-gestütztes Tool durch eine Ersteinschätzung geführt und dann in die richtige Versorgung gesteuert, zum Beispiel in die telemedizinische Versorgung. Der dann zugeschaltete Arzt habe Zugang zur ePA – mit Zustimmung des Patienten –, sehe, dass er ein Chroniker sei und ein Medikament zu hoch dosiert sei. Er empfehle Bettruhe und am nächsten Morgen den Hausarzt aufzusuchen. Der Hausarzt könne am nächsten Tag ebenfalls alles einsehen.
Das Ziel sei, möglichst personalisiert auf den Patienten einzugehen. Durch die Datennutzung solle die bestmögliche sowie präventive Versorgung gelingen. „Alles nur mit Einwilligung des Patienten natürlich. Das wird auch in Zukunft so bleiben“, betonte Müller.
ePA müsse für Leistungserbringer funktionieren
Die allermeisten Menschen würden den Mehrwert der ePA erkennen. Das große Opt-out sei nicht passiert, sondern bewege sich prozentual im erwarteten Bereich – trotz der eigentlich „datenskeptischen Deutschen“. „Auch die 80-Jährige kapiert es“, ist Matthias Mieves (SPD) überzeugt. Denn auch wenn sie die ePA selbst nicht nutze, könne der Arzt sie besser betreuen, wenn bessere Informationen zur Verfügung stünden.
„Der erste Schritt muss sein, dass die ePA für die Menschen hervorragend funktioniert, die im System damit arbeiten – sei es in der Apotheke oder in der Arztpraxis“, so Mieves. Das werde dann auch ein positiver Multiplikator. Schritt für Schritt müsse man sich dann auch damit befassen, wie die ePA auch für jeden Bürger einen Mehrwert habe. Dabei gehe es auch um Anwendungsfelder, von denen auch Menschen profitieren, die nicht krank seien, beispielsweise den digitalen Impfpass, denn der sei für die gesamte Gesellschaft relevant.
Mehr Tempo
„Ich glaube, wir sind in einer schwierigen Phase der Digitalisierung“, so Janosch Dahmen (Grüne). Beim E-Rezept habe man eine große Erfolgsgeschichte erlebt, für die ePA ließe sich das nicht so fortsetzen. Deutschland stehe vor der Aufgabe, in einer Geschwindigkeit voranzukommen, die mit Drittanbietersystemen schritthalten könne. So, dass das Mehrwerterleben der Leistungserbringer und Patienten so schnell besser werde, dass sie dem öffentlich-rechtlichen System genug vertrauen und nicht in die Angebote von Drittanbietern flüchten.
Der Best-Case sei aktuell eher, dass die ePA im Alltag nicht störe. Viele Leistungserbringer bräuchten noch dringend Schnittstellen, um überhaupt auf die ePA zugreifen zu können. Der Rettungsdienst oder Leitstellen seien komplett abgeschnitten. Dabei bräuchten diese Gruppen dringend Zugriff darauf, „das funktioniert aber nicht mit einem Connector“, erklärte er. „Ich glaube, wir sind viel zu langsam, um da mithalten zu können“, erklärte er.
„Wir würden uns auch wünschen, dass die Dinge schneller laufen“, erklärte Müller. Es werde im ersten Schritt eine Impfübersicht geben, der Impfpass werde noch dauern. „Wir sehen das aber, das ist ein Unterfangen, das uns mehr als eine Legislatur kosten wird.“ Man habe perspektivisch zudem das Ziel, in die Cloud-Infrastruktur zu gehen, erklärte er.
„Wir stehen am Anfang“, erklärte Adjei. Es sei wichtig, einen positiven und realistischen Blick auf das Thema zu werfen. Das sei ein Transformationsprojekt. Man müsse nicht nur Technik bauen, sondern Prozesse bauen und sich mit den Teilnehmern koordinieren. Es gehe um die Transformation des Gesundheitswesens, da müsse man Schritt für Schritt gehen.
KI-Anwendungen
Die Architektur der ePA 3.0 gebe bereits die Möglichkeit, KI-Modelle zu betreiben, und das in einer sicheren Umgebung, betonte Christian Klose, Vorstandsmitglied der E-Rezept-Enthusiasten. Es scheitere nicht an der Technik, es müsse mehr ermöglicht werden, insbesondere für KI-Anwendungen. Hier wäre wichtig, dass klar wäre, wie es operativ umgesetzt werden müsse. Außerdem brauche man dringend ein einfaches Identifizierungsverfahren. „Wie soll der Versicherte denn zustimmen, wenn er keinen Zugriff hat?“, fragte er.
Er glaube nicht, dass die EUDI-Wallet hier Abhilfe schaffen werde. Bisher sollten auch Apotheken identifizieren. „Das wäre für mich weiterhin der Pfad“, erklärte er. Gerade ältere Menschen würden ihrer Apotheke vertrauen.
„Grundsätzlich haben wir stärkere Hoffnung auf die EUDI-Wallet“, so Müller. Man wolle weg von der Karte und hin zu digitalen Identitäten.
Mieves baue auf eine digitale Identifizierungsmöglichkeit. Diese müsse im ganzen Land über viele Bereiche hinweg nutzbar sein. Zudem brauche es eine einheitliche Bezahllösung, die auch deutschlandweit funktioniere.
Schwere Sicherheitsbedenken
Dahmen sagte, es herrsche noch Unsicherheit bei den Ärzten hinsichtlich der Vollständigkeit der Daten. KI könne zwar bei der Auswertung und beim Durchsuchen helfen, aber für die Versorgerseite wichtige Daten würden noch fehlen, wie strukturelle Labordaten und Bilddaten. Er habe Sorge, dass die Versorger sich auf anderem Wege organisieren, wenn hier nicht schnell nachgebessert werde.
Außerdem gebe es noch schwerwiegende Sicherheitsbedenken: „Wir haben echt eine Sicherheitslücke in der Struktur“, betonte Dahmen, denn es gebe unterhalb der Einrichtungsebene keine Übersicht, wer auf eine ePA zugegriffen habe. Das sei in den Erfolgsländern anders, dort wissen die Leute, dass ein Zugriff auf die Daten personenidentifizierbar ist. Hier gebe es zwar harte Sanktionen, aber keine Personenidentifizierbarkeit. „Dieses strukturelle Versprechen lösen wir nicht ein, und wir können glücklich sein, dass das viele nicht gecheckt haben“, erklärte Dahmen.
Das sei nicht die Aufgabe der TI, sondern der jeweiligen Einrichtung, argumentierte Klose.