Pressekonferenz

Merkel: Einschränkungen können „ein Wellenbrecher” sein dpa, 02.11.2020 14:45 Uhr

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands appelliert, die nun greifenden Kontaktbeschränkungen gegen die Corona-Pandemie zu befolgen. (Archiv-Bild) Foto: photocosmos1/shutterstock

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat an alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands appelliert, die nun greifenden Kontaktbeschränkungen gegen die Corona-Pandemie zu befolgen. „Ob diese große gemeinsame Kraftanstrengung etwas bringt im Monat November, das hängt nicht nur von den Regeln ab, sondern auch davon, ob diese Regeln befolgt werden”, sagte Merkel heute vor Journalisten in Berlin. Jede und jeder habe es in der Hand, ob es einen Wendepunkt in der Pandemie gebe.

Deutschlandweit habe es zuletzt im Schnitt 127,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gegeben. „Wie müssen in die Region von 50 kommen”, sagte Merkel. „Das ist das Ziel.” Dann könnten die Beschränkungen in dieser zweiten Welle ein „Wellenbrecher” sein. Derzeit könnten die Gesundheitsämter die Kontakte der Infizierten nicht nachverfolgen. Dies solle aber wieder möglich sein. Sehr viel mehr als 50 Infizierte pro 100.000 Einwohner könnten die Gesundheitsämter nicht schaffen.

Die Kontakte zu minimieren, wo immer möglich, sei daher nötig. „Zu Hause sollen sich so wenige Menschen wie möglich treffen”, betonte Merkel. Im öffentlichen Raum sollten sich Angehörige von nur zwei Hausständen treffen, bekräftigte Merkel. Mit Blick darauf, dass es im November keine Kulturveranstaltungen und Gastronomie-Besuche geben soll, räumte Merkel ein, dies bedeute Verzicht auf vieles, „was das Leben schön macht”.

Sehr viele Menschen reagierten mit Verständnis, sagte Merkel. „Aber es gibt auch Zweifel, Skepsis, Ablehnung.” Sie verstehe, dass viele Menschen enttäuscht seien, dass die Pandemie so lange anhalte. „Der Herbst ist jetzt mit großer Wucht gekommen.” Das Licht am Ende des Tunnels sei noch ziemlich weit entfernt. Jedoch gelte: „Das Virus bestraft Halbherzigkeit.” Es sei so etwas wie eine Naturkatastrophe, mit der Politik und Gesellschaft umgehen müssten.

Für die Zeit nach dem vierwöchigen Teil-Lockdown will sich die Bundesregierung noch nicht festlegen. „Ich möchte heute über den 30. November noch nicht spekulieren”, sagte Merkel. Sollten sich viele Menschen auch im privaten Bereich an die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie halten, dann schaffe dies die Voraussetzung für einen „erträglichen Dezember” mit mehr Freiräumen. Sollte sich bis zu ihrem nächsten Gespräch mit den Ministerpräsidenten aber herausstellen, dass die neuen Maßnahmen noch nicht ausreichend seien, um die Zahl der Neuinfektionen stark zu reduzieren, seien womöglich aber auch zusätzliche Maßnahmen notwendig.

Entscheidend sei hier die sogenannte 7-Tage-Inzidenz – also wie viele Menschen sich innerhalb einer Woche pro 100 000 Einwohner neu infizieren. Aktuell liege dieser Wert bei 127,8, „wir müssen wieder runter in den Bereich von unter 50”, sagte Merkel. Denn erst dann seien die Gesundheitsämter wieder in der Lage, Infektionsketten umfassend nachzuverfolgen und dann auch zu durchbrechen.