Lucas: „PTA sollten Kammermitglieder werden“ 19.02.2026 14:49 Uhr
In diesem Punkt waren sich Dr. Ina Lucas und Anja Zierath schnell einig: In der aktuellen Version ist die PTA-Vertretung komplett sinnlos. Was es brauche, sei ein klares Konzept, welche Aufgaben in Zukunft in der Apotheke liegen sollten und welche davon im Sinne der Arzneimittelsicherheit und des Leitungsvorbehalts an wen im Team delegiert werden können. Aufbauend darauf brauche es gezielte Fortbildungen für alle Berufsgruppen in der Apotheke. Doch gerade bei den PTA ist aktuell niemand für die Schulungsangebote verantwortlich, wie Zierath scharf kritisiert. Lucas hat einen Vorschlag, um das zukünftig zu ändern: PTA sollten in die Kammern eingegliedert werden.
Aller Kritik zum Trotz will Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) an ihrer PTA-Vertretung festhalten – allerdings in abgespeckter Form. So weit abgespeckt, dass nicht nur die Abda-Vize, sondern auch die Vorsitzende des BVpta den aktuellen Vorschlag klar ablehnen.
„Der allerletzte Stand ist auch für uns nicht tragbar“, erklärt Zierath heute bei APOTHEKE LIVE. Ohne Weiterqualifizierung, Regelung und klare Einschränkungen sei der Vorschlag nicht tragbar – „nicht weil eine PTA das nicht könnte, sondern weil die PTA angestellt ist und geschützt werden muss“, erklärt sie. Der aktuelle Vorschlag sei weniger eine Weiterqualifikation des Berufes, sondern erinnere stark an den Vorschlag von Karl Lauterbach: „Kleine billige Apothekerin – man erprobt das jetzt so wie im Theater; die stellen sich ja offenbar vor, wir machen das für das gleiche Geld“, kritisierte Zierath.
„Mehr- und Fremdbesitz sind im deutschen Recht komplett ausgeschlossen; der Apotheker darf sich Assistenzberufen bedienen, dazu zählten auch die PTA“, erklärte Lucas. Aufgrund eines Mangels an Apothekern habe man in der Politik jetzt den Ansatz: „Den ziehen wir jetzt mit rein, dann ist das Problem gelöst.“ Doch so funktioniere das nicht. „Es kann nicht sein, dass das Apothekenteam hier einer Spaltung unterzogen wird“, so Lucas.
„Wir brauchen eine Perspektive, genauso wie für den Apothekerberuf auch für den PTA-Beruf“, erklärte Lucas. Die Gesundheitsbranche stehe vor veränderten Rahmenbedingungen, einem neuen Versorgungsdruck und gleichzeitig einem Fachkräftemangel. „Wir verantworten die Arzneimittelversorgung, wir sollten uns die neuen Anforderungen in der Apotheke gemeinsam mit PTA und PKA anschauen: Welche Aufgaben stehen an, was müssen wir tun, und dann abgrenzen: Was ist Apothekerbereich, was ist PTA?“ Sie sehe die PTA verstärkt unter dem Aspekt der Primärversorgung; zum Beispiel seien Impfen und pDL Themen, über die man reden könne. „PTAs brauchen Perspektive und wir brauchen alle Hände – aber der Leitungsvorbehalt muss beim Apotheker bleiben“, so Lucas.
PTA als Kammermitglieder
Sowohl Lucas als auch Zierath beschrieben, dass es nur sehr wenige PTA gebe, die aktuell ein Fortbildungszertifikat hätten. Laut Zierath ist dies ein „sehr kleiner Prozentsatz“. Gründe dafür seien häufig nicht Desinteresse, sondern dass das Angebot für PTA nicht ausreichend vorhanden sei. PTA würden bei vielen Veranstaltungen erst gar nicht von den Kammern mitgedacht und angesprochen, kritisiert sie: „Wir können ja nicht die nächsten 20 Jahre noch sagen: ‚Naja, es gibt halt keine Zuständigkeit, dann ist das halt so.‘ Das geht so nicht. Wir brauchen eine Zuständigkeit, und zwar eine einheitliche.“
Lucas erklärte: „PTA sind keine Kammermitglieder. Ich bin Kammerpräsidentin und ich muss meine Mittel so verwenden, dass sie meinen Mitgliedern zugutekommen. Das sind die Apotheker und nicht die PTA.“ Das sollte sich aus ihrer Sicht ändern: „In meiner idealen Welt würden wir anfangen, die PTA als Kammermitglieder anzubinden – mit allem, was dazugehört. Dann kann man auch Berufsrechtsdebatten führen“, meinte Lucas.
Auch in der aktuellen Vertretungsdebatte zeige sich das Problem: Wenn Apotheker Fragen haben, rufen sie in der Kammer an. „Eine PTA dürfte mich nicht anrufen, weil sie kein Mitglied ist. Und dann darf ich ihr keine Auskunft geben. Das ist doch alles wild.“
„Das ist auch unser Wunsch, dass letztlich die PTA einfach besser mit eingegliedert wird, weil wir all die Jahre immer so ein bisschen hinten runtergefallen sind“, so Zierath. Es bringe schließlich überhaupt nichts, wenn jeder sein eigenes Ding mache. Viele PTA würden aus der Apotheke in andere Bereiche abwandern; laut Verbandsumfragen fehle oft die Perspektive.
Welche Aufgaben übernehmen PTA zukünftig?
„Welche Aufgaben sind in der Zukunft zu erbringen und wer kann das – das muss der Anfang sein. Bevor es um neue Berufsfelder und Ausbildungen geht, müssen erst diese Hausaufgaben gemacht werden“, betonte Lucas.
Zierath sieht die PTA verstärkt eigenständig in der Rezeptur: „In der Rezeptur könnte es mehr Freiheit geben, ein Vier-Augen-Prinzip auch von PTA zu PTA. Auch Betäubungsmittel sind Arzneimittel, und das Vier-Augen-Prinzip lernen wir in der Ausbildung“, erklärte sie. Auch neue Tätigkeiten könnten die PTA übernehmen: „Sind es die pDL, auch raus aus der Apotheke? Zum Beispiel, wenn nach der Erklärung in der Apotheke ich als PTA nach Hause zum Patienten gehe und die Versorgung überprüfe, also Housecaring.“
„Ich glaube, das ist utopisch, dafür haben wir das Personal nicht“, wandte Lucas ein. Zukünftig müsse die Ressource Mensch ganz zielgerichtet eingesetzt werden. Es müsse gelten: Digital vor ambulant vor stationär. Dazu müsse eine digitale Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. Wenn die elektronische Patientenakte (ePA) vorhanden sei, könne man alles schnell einsehen und nachvollziehen. „Notfallversorgung braucht eine klare Koordination im System, das ganze Apothekenteam muss sich mit dem digitalen System zurechtfinden.“ PTA könnten beim Impfen und Monitoring helfen – „ich glaube, wir werden die Debatte führen, dass PTA auch impfen. Das ist für mich ‚the way to go‘, aber PTA können noch viel mehr: Arzneimittelberatung organisieren, individuelle Therapien begleiten.“
Die Apotheke müsse ein Therapiekompetenzzentrum werden. „Und da, glaube ich, ist die PTA ganz vorne mit dabei“. Allerdings gebe es auch klar Bereiche, die immer einen Apotheker bräuchten: „In dem Moment, wo wir etwas in Verkehr bringen und wo eben ein Haftungsthema mit dranhängt, sollte ein Apotheker in Kenntnis sein von dem, was passiert ist.“
Aber: „Wir sollten nicht versuchen, das gegeneinander auszuspielen, sondern wir sollten versuchen, wirklich Perspektiven zu entwickeln.“