Kassen: Niedrigeres Fixum für wirtschaftlich starke Apotheken 23.02.2026 08:14 Uhr
Nachbesserungsbedarf an den aktuellen Plänen für die Apothekenreform sehen nicht nur die Apotheker:innen: Dass die im Koalitionsvertrag festgehaltenen 9,50 Euro Fixum weiterhin nicht in Sicht sind, bemängeln auch die Gesundheitsminister:innen der Länder. Anders wiederum beurteilt der GKV-Spitzenverband die Lage. Hier erteilt man der Erhöhung des Fixums eine klare Absage. Und auch die Grünen-Politikerin Paula Piechotta hält es für „nicht vermittelbar“, das Fixum jetzt mit der Gießkanne anzuheben.
Über ihre Abstimmung im Bundesrat versuchten die Gesundheitsminister:innen, Anpassungen im Gesetzentwurf zu erreichen, doch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) beharrt beispielsweise auf der PTA-Vertretung, und auch für eine Anhebung des Fixums sieht man derzeit angesichts der Kassenfinanzen keinen Spielraum.
Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Stefanie Stoff-Ahnis, kommentierte gegenüber „Web.de News“: „Bei der derzeitigen Situation der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wäre es gar nicht darstellbar und nicht zielführend, das Geld der Beitragszahlenden mit der Gießkanne über alle Apotheken im Land zu verteilen.“ Stadt- und Landapotheken müssten zudem differenziert betrachtet werden.
Variablen Anteil der Vergütung deckeln
Laut Stoff-Ahnis würden von einer Erhöhung des Fixums vor allem Apotheken in Ballungsräumen profitieren, die ohnehin wirtschaftlich stark seien. Man müsse daher „besonders die Apotheken in strukturschwachen Regionen in den Blick nehmen, in denen nicht so viele Rezepte eingelöst werden“. Es brauche eine differenzierte und faire leistungsgerechte Neuausrichtung der Apothekenvergütung. Dafür müsse es „möglich sein, das Packungsfixum für wirtschaftlich starke Apotheken im Vergleich zur aktuellen Höhe abzusenken“, so Stoff-Ahnis.
„Und zweitens muss der variable Anteil der Apothekenvergütung, so wie bereits heute bei der Großhandelsvergütung der Fall, gedeckelt werden. Dafür müssen im weiteren Gesetzgebungsverfahren die Voraussetzungen geschaffen werden“, heißt es von der Kassenvertreterin.
Wählern wäre höheres Fixum „nicht vermittelbar“
Piechotta sprach sich angesichts der knappen Finanzen der Krankenkassen für eine gezielte Absicherung von notleidenden Apotheken aus. „Es ist nicht vermittelbar, wenn Arbeitnehmer mit niedrigen Einkommen in einer Zeit steigender Preise und Unsicherheit für höhere Apothekenvergütungen bezahlen sollen“, sagte Piechotta.
Für eine differenzierte Betrachtung ist auch sie: „Die kleine Landapotheke, die die Grundversorgung sichert, steht vor ganz anderen Herausforderungen als Apotheken in Städten mit hoher Apothekendichte, wo sehr oft zwischen zwei Apotheken nur eine Haltestelle liegt. Gleichzeitig sind die Einkommensunterschiede zwischen Apothekern enorm: Da die Vergütung der Apotheker sich auch prozentual am Medikamentenpreis berechnet, sind vor allem dort die Einnahmen hoch, wo viele Patienten mit besonders teuren Rezepten ein- und ausgehen: Patienten mit Krebsinfusionen, Bluter-Erkrankungen oder auch Immuntherapien. Insbesondere Apotheken, neben Ärzten mit Spezialisierung auf diese Themen, haben hier große Einnahmen, während Apotheken, die vor allem billige Blutdruckmedikamente & Co. abgeben, oft geringe Einnahmen haben.“
Die Fachpolitiker dürften nun in Anbetracht der Kassenfinanzen „keinen Gesetzentwurf durchgehen lassen, der einfach mit der Gießkanne mehr Versichertengeld auf alle Apotheken verteilt, sondern es müssen gezielt die notleidenden Apotheken abgesichert werden“, so Piechotta. Dass die pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) ausgebaut werden, befürwortet die Grünen-Politikerin.
Ärger über CDU berechtigt
Den Frust auf die CDU könne sie nachvollziehen: „Gleichzeitig kann man den Zorn der Apotheker verstehen, denen im Wahlkampf von der CDU eine Milliarde mehr versprochen wurde für die Festvergütungen, das sogenannte Fixum. Das war einmal mehr ein unehrliches Wahlkampf-Versprechen, das die Union jetzt nicht erfüllen kann und damit das Vertrauen in die demokratischen Parteien beschädigt.“ Bereits im Wahlkampf der CDU seien die Kassenfinanzen offensichtlich gewesen.