„Wirtschaftliche Situation ziemlich gut“

Kassen: Mitarbeiterrekord in Apotheken! 27.02.2026 09:37 Uhr

Berlin - 

Die Kassen lehnen eine Anhebung des Fixums ab – und ihre Argumente werden immer schräger. Der GKV-Spitzenverband weist jetzt auf den Mitarbeiterrekord in den Apotheken hin.

Die Kassen sehen offenbar gar keine Notwendigkeit für eine Anhebung des Fixums. Denn von dem oft beschworenen Ausbluten der Apotheken kann aus ihrer Sicht wohl keine Rede sein: „Trotz der Konkurrenz durch die Versandapotheken arbeiten so viele Menschen wie noch nie in den Apotheken und auch deren Umsatz steigt schon allein aufgrund der steigenden Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen Jahr für Jahr.“

Stoff-Ahnis rechnet vor: „Die Anzahl der Mitarbeitenden in Apotheken ist von 139.000 im Jahr 2005 auf 162.000 im Jahr 2024 angestiegen. Die Versorgung durch Apotheken ist nicht weniger geworden, sondern hat sich durch die Entscheidung der Apothekeninhaber auf weniger Standorte konzentriert.“

Außerdem profitierten die Apotheken von den Kostensteigerungen im Arzneimittelbereich: „Da ein Teil der Apothekenvergütung an den Medikamentenpreisen hängt, steigt auch die Vergütung der Apotheken laufend an. Bei genauer Betrachtung ist die wirtschaftliche Situation der Apothekeneigentümer insgesamt ziemlich gut.“

Positiv sei, dass Apotheken mehr Freiraum bei der Organisation des Betriebs erhalten sollen. „Flexiblere Vorgaben zur Gründung von Filial- und Zweigapotheken und zum Betreiben einer Apotheke, wie Vertretungsmöglichkeiten durch erfahrene pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten (PTA), haben aus unserer Sicht das Potenzial, die Versorgung der Patientinnen und Patienten im ganzen Land zu verbessern. Hier ist aber noch deutlich Luft nach oben, denn sowohl für die Apotheken als auch für das Berufsbild der PTA bietet es große Chancen, wenn deren Kompetenzen erweitert werden.“

Kassen für differenzierte Honorierung

„Es ist gut und richtig, dass die Politik die Apothekenstrukturen reformieren möchte“, so Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes. Aber eine „Gießkannenförderung aus Beitragsgeldern“ dürfe es nicht geben.

„Richtigerweise ist eine pauschale Erhöhung der Apothekenvergütung kein Bestandteil des aktuellen Gesetzentwurfes. Bei der derzeitigen Situation der gesetzlichen Krankenversicherung wäre es gar nicht darstellbar und nicht zielführend, das Geld der Beitragszahlenden mit der Gießkanne über alle Apotheken im Land zu verteilen“, so Stoff-Ahnis. Zudem würden aus ihrer Sicht von einer pauschalen Vergütungserhöhung pro Packung besonders die Apotheken in Ballungsräumen profitieren, die von besonders vielen Menschen frequentiert werden und die damit ohnehin wirtschaftlich stark seien. „Aber wir müssen eben besonders diejenigen Apotheken in strukturschwachen Regionen in den Blick nehmen, in denen nicht so viele Rezepte eingelöst werden.“

Damit die Menschen in der Stadt und auf dem Land auch in Zukunft gleichermaßen gut versorgt seien, brauche es vielmehr eine differenzierte Vergütung. „Denn es macht einen großen Unterschied, ob täglich mehrere hundert Menschen in einer Apotheke im Hamburger Hauptbahnhof oder nur ein Bruchteil davon in der Apotheke in der Uckermark ihr Rezept einlösen. Für eine faire leistungsgerechte Neuausrichtung der Apothekenvergütung muss es erstens möglich sein, das Packungsfixum für wirtschaftlich starke Apotheken im Vergleich zur aktuellen Höhe abzusenken. Und zweitens muss der variable Anteil der Apothekenvergütung, so wie bereits heute bei der Großhandelsvergütung der Fall, gedeckelt werden. Dafür müssen im weiteren Gesetzgebungsverfahren die Voraussetzungen geschaffen werden.“