„Die Inflation muss ausgeglichen werden“ 27.02.2026 15:13 Uhr
Wegen ihrer Tiraden gegen die Anhebung des Fixums wollte Dr. Stephan Pilsinger (CDU) der Grünen-Abgeordneten Paula Piechotta schon ins Wort fallen. Aber dafür war bei der 1. Lesung zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) keine Zeit. Doch während seiner eigenen Rede kam er dann auf die Notwendigkeit zu sprechen.
„Wären Sie damit einverstanden, wenn die Ärzte seit 2013 keine Gehaltserhöhung bekommen hätten, und das bei einer Inflation von 30 Prozent“, wollte Pilsinger von Piechotta wissen. Es sei absurd, die Notwendigkeit zu negieren. Seit 2013 habe jede fünfte Apotheke geschlossen, man sei auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 50 Jahren. Das hänge zusammen mit dem stagnierenden Fixum. „Die Inflation muss ausgeglichen werden.“
Den Vorwurf, man gehe mit der Gießkanne vor, wies er zurück. Im Koalitionsvertrag habe man verabredet, dass das Fixum auf 9,50 Euro erhöht wird und bei Apotheken im ländlichen Raum auf bis zu 11 Euro. „Wir gehen durchaus sehr differenziert vor.“
Versandhandel kontrollieren
Auch was die Temperaturkontrolle im Versandhandel angehe, gebe es dringend Handlungsbedarf: Neulich sei eine Patientin bei ihm in der Praxis gewesen, die ihr Medikament bei einer ausländischen Versandapotheke bestellt hatte. Der Postbote habe das Paket in eine Abholbox gepackt, die sie zunächst aber nicht aufbekommen habe. Irgendwann nach einem besonders heißen Wochenende habe sie dann ihr Arzneimittel erhalten und sich fragte, ob es denn noch wirksam sei.
„Dass so etwas geht, ist ein Skandal“, so Pilsinger. „Wir als Union werden jetzt dafür sorgen, dass ausländische Versandapotheken genauso behandelt werden wie deutsche.“
Anders als Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kam er auf das Thema PTA-Vertretung zu sprechen. Es gebe die berechtigte Sorge, dass hier Drogerieketten wie dm und Rossmann die Tür geöffnet werde. „Das wird es mit uns als Union nicht geben, so wie es eine Arztpraxis ohne Arzt nicht geben kann.“
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Union, Simone Borchardt, lobte die Apotheken als niederschwelligsten Zugang im Gesundheitswesen. „Das werden wir bewahren, ausbauen und weiterentwickeln.“ Für sie ist klar: „Es darf keine Apotheke mehr vom Markt verschwinden.“ Daher wolle man die Strukturen stärken.
Apotheken hätten Belastungen, die der Versandhandel nicht habe. Hier wolle man nachjustieren.
Auch sie räumte ein, dass das Fixum seit Jahren nicht angepasst wurde, während die Kosten deutlich gestiegen seien. „Wir nehmen unsere Verpflichtung für die Apotheken sehr ernst. Wir werden das Gesetz im parlamentarischen Verfahren richtig umsetzen.“
Denn: „Der Apothekerberuf ist ein toller Beruf, wir brauchen Sie alle!“