weed.de Umfrage: Lange Leidenswege, wenig Information 15.07.2026 08:36 Uhr
Eine Online-Befragung der Telemedizin- und Wissensplattform weed.de zeigt lange Wege bis zur ersten ärztlichen Cannabis-Verschreibung. Unter 535 Teilnehmenden nannten 71 Prozent die Suche nach einer aufgeschlossenen Ärztin oder einem aufgeschlossenen Arzt als größte Verzögerung. Mangelndes Wissen über die Therapieoption folgte mit 29 Prozent, die Annahme, Cannabis komme nur bei schweren Erkrankungen infrage, mit 26 Prozent.
Auch Apotheken spielten bei der ersten Information zur Möglichkeit einer Therapie mit medizinischem Cannabis bislang nur eine kleine Rolle: Lediglich 2 Prozent der Befragten gaben an, durch eine Apotheke von der Therapieoption erfahren zu haben. 43 Prozent recherchierten selbst im Internet, 31 Prozent erhielten Hinweise aus Familie oder Freundeskreis. Von ärztlicher oder therapeutischer Seite wurden nur 8 Prozent aufmerksam gemacht. Die Ergebnisse verweisen damit auf Informationslücken entlang des Versorgungswegs.
Bei 45 Prozent bestanden die Hauptbeschwerden länger als fünf Jahre, bevor sie erstmals eine Verschreibung erhielten; bei 28 Prozent sogar länger als zehn Jahre. Nur 3 Prozent berichteten von weniger als sechs Monaten. 70 Prozent gaben an, sich zuvor selbst mit Cannabis behandelt zu haben. Unter den Befragten mit Selbstmedikation dauerte diese bei 45 Prozent länger als fünf Jahre.
Cannabis war für die meisten nicht der erste Behandlungsversuch: Drei Viertel hatten zuvor konventionelle verschreibungspflichtige Medikamente ausprobiert, 42 Prozent Physiotherapie und 34 Prozent Psychotherapie. Mehr als die Hälfte nannte mindestens zwei frühere Behandlungsformen. Als häufigste primäre Beschwerden wurden chronische Schmerzen mit 39 Prozent und Schlafstörungen mit 35 Prozent angegeben.
„Wer keinen legalen Zugang zu medizinischem Cannabis findet, verharrt oft über Jahre in der Selbstmedikation, ohne ärztliche Begleitung und mit erheblichen Gesundheitsrisiken“, sagt Dr. Sebastian Marincolo, Director of Strategic Content & Editorial bei weed.de.
Die anonyme Befragung wurde im März 2026 über den weed.de-Newsletter durchgeführt. 78 Prozent der Teilnehmenden berichteten von einer aktuellen, 9 Prozent von einer früheren und 13 Prozent von keiner bisherigen Verschreibung. Die freiwillige, selbstselektierte Stichprobe beruht auf Selbstauskünften, ist nicht klinisch validiert und nicht bevölkerungsrepräsentativ. Sie beschreibt Erfahrungen der Befragten, nicht Wirksamkeit oder individuelle Eignung. Ausführliche Ergebnisse und Grafiken stehen auf weed.de bereit.