BRUSTKREBSRISIKO VERMINDERN

Orales Diabetes Medikament senkt Brustkrebsrisiko 18.04.2016 09:02 Uhr

Brustkrebs zählt in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen unter Frauen. Allein im
Jahr 2014 wurde bei 75.200 Frauen ein invasives Mammakarzinom diagnostiziert. Bei rund 6.500 Frauen war ein duktales Karzinom in-situ (Vorstufe des Brustkrebs) feststellbar. Für 17.000 der
Patientinnen endete die maligne (bösartige) Entartung der Brustdrüse sogar tödlich. Das orale Diabetikum Metformin soll Einfluss auf die Brustdichte nehmen und eine rechtzeitige Diagnose begünstigen.

Brustdichte - eigenständiger Risikofaktor für Brustkrebs

Die mammographische Brustdichte erschwert die diagnostische Früherkennung. Dabei handelt es sich um eine, aufgrund einer zellulären Veränderung entstehende, Gewebeverdichtung, die sich insbesondere im Bereich der Drüsengänge manifestiert (sogenannte Mastopathie).

Die Brustdichte als eigenständiger Risikofaktor ist hinsichtlich einer
Krebserkrankung klinisch von großer Bedeutung. So kann eine hohe Brustdichte das Risiko einer Brustkrebserkrankung um das fünffache steigern. Bereits ein mittlerer Dichtebereich kann die Identifizierung eines kleinen Karzinoms erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. Auf die Brustdichte kann Metformin einen positiven Einfluss nehmen.

Orales Diabetes Medikament senkt Brustkrebsrisiko
Im Hinblick auf eine erhöhte Brustdichte konnte bereits 2012 die positive Wirkung des Diabetes Medikaments Metformin auf die Entstehung von Mammakarzinomen in einer repräsentativen amerikanischen Studie nachgewiesen werden. In der retrospektiven Studie der Mayo Clinic in Rochester (New York) wurden 68.019 Frauen im Alter von 50 bis 75 untersucht. 11.290 Frauen wiesen eine Diabetes-Erkrankung auf. Zu Beginn der Untersuchung wurden etwa 20 Prozent der Diabetikerinnen mit Metformin behandelt, hier wurde der Anteil im Laufe der Studie auf 55 Prozent erhöht.

Bei 754 Studienteilnehmern konnte während Beobachtungsphase ein duktales Karzinom in situ diagnostiziert werden. Weitere 3.273 Frauen erkrankten an einem invasiven Mammakarzinom. Interessanterweise gab es bezüglich der Inzidenz von Brustkrebs kaum Unterschiede zwischen den Frauen mit oder ohne Diabetes. Allerdings konnte festgestellt werden, dass das Brustkrebsrisiko bei Frauen, die mit Metformin therapiert wurden deutlich niedriger einzustufen war.

Mit anderen Antidiabetika beziehungsweise Insulin konnte dieses Ergebnis jedoch nicht erzielt werden. Vielmehr stieg sogar das Brustkrebsrisiko in den meisten Fällen sogar leicht, da sich die Brustdichte teilweise mehr als verdoppelte. Somit konnte anhand der Studie eine positive Wirkung von Metformin auf das Brustkrebsrisiko eruiert werden. Laut der Studie lässt sich das Brustkrebsrisiko um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Andere Studien, wie die der University of Copenhagen, bestätigten
das Untersuchungsergebnis der amerikanischen Wissenschaftler. Allerdings sind sich die Forscher bisher noch nicht einig, ob das Medikament die Krebszellenzelle direkt beeinflusst.

Trotz steigender Neuerkrankungen, weniger Sterbefälle
Trotz der vermehrten Fallzahl von Brustkrebs-Neuerkrankungen, ist die Zahl der Sterbefälle rückläufig. In Deutschland liegt die sogenannte 5-Jahres-Überlebensrate bei etwa 83 bis 87 Prozent. Das liegt vor allem an der sich stetig weiterentwickelnden Krebsforschung. Durch eine verbesserte Früherkennung, neue Therapiekonzepte sowie intensivierte interdisziplinäre Betreuungsformen ist es gelungen die Heilungsrate deutlich anzuheben.

Aktuell erkrankt jede achte Frau an Brustkrebs. Jüngere Frauen sind nur selten betroffen. Ab einem Alter von 40 beziehungsweise 50 Jahren steigt das Krebsrisiko deutlich, während eine Neuerkrankung bei Personen über 70 nur sehr selten auftritt.

Metformin – Antidiabetikum mit vielfältiger Indikation
Metformin wird für Diabetes Behandlung sowohl für Erwachsene als auch Kinder verschrieben. Das Medikament gehört zu der Gruppe der oralen Antidiabetika. Durch die spezielle Wirkstoffzusammensetzung (Metforminhydrochlorid)
hemmt es die Atmungskette der Mitochondrien und die ATP Synthese, wodurch schlussendlich weniger Glukose abgegeben wird.

Schon früher konnte bei verschiedenen Versuchsreihen ein Schutzeffekt zum Beispiel bei Herzerkrankungen und einigen Krebsarten festgestellt werden. Außerdem soll sich das Präparat positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken und das Wachstum bei Kindern anregen. Weitere Untersuchungen weisen zudem auf ein verlangsamtes Tumorwachstum bei Bauchspeicheldrüsenkrebs hin.

Verantwortlich für den Inhalt Markus Müller