Hitzeschutz: Deutschland bleibt unvorbereitet 22.10.2026 11:35 Uhr
Temperaturen über 40 Grad, so viele Hitzetote wie noch nie und dennoch setzt Deutschland nach Meinung von Expert:innen zukünftigen Rekordtemperaturen zu wenig entgegen. Die Titelgeschichte „Planlos gegen die Hitze“ der aktuellen Apotheken Umschau zeigt die gesundheitlichen Folgen, Lücken im Hitzeschutz und mögliche wirksame Schutzmaßnahmen.
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind 2026 bis zum 23. August rund 16.300 Menschen in Deutschland aufgrund von Hitze gestorben. „Eigentlich kann man bei extremer Hitze niemanden von einem Risiko freisprechen“, sagt Prof. Dr. Viktoria Bogner-Flatz, Chefärztin der Notaufnahme am Klinikum Ebersberg in der aktuellen Apotheken Umschau (Ausgabe 10B/2026). Besonders belastend sind mehrere heiße Tage in Folge und Nächte mit mehr als 20 Grad, die keine Erholung bieten. Der Körper versucht dann dauerhaft, Wärme abzugeben. Irgendwann kann der Kreislauf überlastet sein.
Gefährlich wird Hitze nicht erst bei einem Hitzschlag: Flüssigkeits- und Sauerstoffmangel, Salzverlust und eine überhöhte Körperkerntemperatur können Organe dauerhaft schädigen. Besonders gefährdet sind unter anderem ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, Kinder und Menschen, die bei Hitze im Freien arbeiten.
Auch das Gesundheitssystem gerät an seine Grenzen. Eine Umfrage unter 329 Notaufnahmen zeigte während der Hitzewelle Ende Juni ein teils massiv erhöhtes Patientenaufkommen, Versorgungsengpässe und längere Wartezeiten. Gleichzeitig fehlt es in vielen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen an Kühlung. Eine Nachrüstung scheitert laut Deutschem Krankenhausinstitut meist an den finanziellen Mitteln.
In Städten erschweren wärmespeichernde Baumaterialien, versiegelte Böden und dichte Bebauung die Abkühlung. Pflanzen, Gewässer, Frischluftschneisen und Schatten können helfen. „Damit Hitzevorsorge gelingt, muss man sie bei neuen Bauprojekten von Anfang an mitdenken“, sagt die Geographin und Stadtplanerin Professorin Dr. Petra Hartz.
Jetzt wäre die Zeit, umzudenken und zu handeln
Während Frankreich seit 2004 ein nationales Hitzeschutzkonzept hat, fehlen in Deutschland bundesweite Standards. Hitzeschutz ist Sache der Länder und Gemeinden. Die aber können vielerorts die Kosten nicht stemmen.
Im Interview fordert der Arzt und Bundestagsabgeordnete Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen): „Hitzeschutz muss eine nationale Aufgabe sein.“ Besonders dringlich sei der Schutz gefährdeter Menschen. „Dass Supermärkte und Einkaufszentren klimatisiert sind, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern aber nicht, ist ein Skandal.“ Wagner fordert Förderprogramme für Klimaanlagen im Gesundheitswesen.
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