APOTHEKE LIVE: Hirschhausen im Talk

„Gegen virtuellen Betrug hilft echte Aufklärung“ 01.09.2026 12:21 Uhr

Gefälschte Ärzte-Videos, tatsächlich verkaufte „Wundermittel“, Phishing-Mails und manipulierte Rechnungen: KI-gestützter Betrug ist längst im Gesundheitswesen angekommen. Wie groß die Gefahr für Patient:innen und Apotheken ist, diskutierte APOTHEKE LIVE powered by APOTHEKE ADHOC und Apotheken Umschau am Montagabend mit Dr. Eckart von Hirschhausen, Dr. Emilie Strzoda und weiteren Experten.

Wie real die Gefahr ist, schilderten Hirschhausen und die Ärztin und Med-Influencerin Dr. Emilie Strzoda aus eigener Erfahrung. Beide wurden bereits Opfer von Deepfakes. Dabei bleibt es nicht bei gefälschter Werbung: Hinter den Videos stehen reale Verkaufsangebote für dubiose Produkte und vermeintliche Medikamente. Besonders gefährlich wird es, wenn Betroffenen dabei geraten wird, ihre reguläre Medikation abzusetzen. Hirschhausen hat die Strukturen hinter dem Betrug bereits in seiner ARD-Dokumentation „Hirschhausen und die Deepfake-Mafia“ untersucht und unterstützt gemeinsam mit der Apotheken Umschau die Kampagne #stopmedfakes.

„Durch die ARD-Dokumentation ist mir erst klar geworden, wie täglich Menschen in Deutschland mit gefälschten Anzeigen und betrügerischen Heilsversprechen in die Irre geführt werden – und wie Vertrauen, das ich über 30 Jahre als Arzt und Gesundheitskommunikator aufgebaut habe, millionenfach missbraucht wird“, sagt Hirschhausen. „Gegen virtuellen Betrug hilft nur echte Aufklärung, und dafür haben die Apotheken vor Ort eine wichtige Rolle und Chance.“

Auch Apotheken geraten selbst ins Visier. Matthias Kunze-Düker von den Concept-Aptheken berichtete über konkrete Betrugsversuche, Martin Weidemann von der Treuhand Hannover über betriebliche Schutzmaßnahmen. Rechtsanwalt Dr. Morton Douglas ordnete ein, welche Möglichkeiten Betroffene bei Identitätsmissbrauch haben.

Die Diskussion machte zugleich deutlich: Den einen Trick, mit dem sich jeder Betrugsversuch sofort erkennen lässt, gibt es nicht. Umso wichtiger ist es, außergewöhnliche Heilversprechen oder überraschende Empfehlungen vermeintlich bekannter Influencer:innen oder auch Heilberufler:innen im Netz über unabhängige Quellen zu prüfen. Wer unsicher ist, findet auf der Medfake-Informationsseite der Apotheken Umschau konkrete Warnsignale und Hintergründe – oder sollte direkt bei Ärzt:innen oder in der Vor-Ort-Apotheke nachfragen.

Aufklärung allein wird das Problem jedoch nicht lösen. Auch Gesetzgeber und Plattformbetreiber sind gefordert: Gefälschte Gesundheitswerbung verbreitet sich in Echtzeit, während Lösch- und Meldeverfahren oft zu langsam greifen. Gefordert werden unter anderem eine konsequentere Anwendung bestehender Plattformregeln und klarere Vorgaben für Gesundheitswerbung, die mit der Autorität von Ärzt:innen arbeitet.

Hinweis für die Redaktionen:

Die vollständige Sendung „Medfake: Gefahr für Patienten, Falle für Apotheken“ finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Kampagne #stopmedfakes finden Sie bei der Apotheken Umschau.

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