Phytopharmaka

Sedativa zwischen Drogerie und Apotheke Désirée Kietzmann, 17.03.2011 10:12 Uhr

Berlin - 

Im Mai werden die Kombinationen Baldrian/Passionsblume und Baldrian/Melisse aus der Apothekenpflicht entlassen. Obwohl pflanzliche Sedativa bereits seit Jahren in Drogerien und Supermärkten verkauft werden, hoffen die Hersteller frei verkäuflicher Arzneimittel auf ein gutes Geschäft. Denn in den Apotheken schrumpft der Markt seit Jahren. Neben GlaxoSmithKline (GSK) geht auch Klosterfrau mit einem neuen Produkt an den Start.

Pünktlich zum 1. Mai will Klosterfrau ein Kombipräparat mit Baldrian und Passionsblume auf den Markt bringen. Die Zulassung für das Produkt „Passidrian“ hat der Kölner Hersteller bereits in der Tasche. Das Arzneimittel enthält die Extrakte der beiden Arzneipflanzen in zwei getrennten Tabletten.

„Passidrian soll sowohl in der Apotheke als auch im Mass Market eingeführt werden“, teilte der Hersteller auf Nachfrage mit. Ob das Produkt in der Apotheke tatsächlich eine Rolle spielen wird, bleibt abzuwarten. Klosterfrau fährt traditionell zweigleisig: In der Apotheke wird das Baldrian-Produkt Sedonium vertrieben, im Mass Market gibt es unter der Dachmarke Nervenruh freiverkäufliche Baldrian- und Hopfen-Produkte. Allerdings verkaufen auch einige Apotheken die Serie: Mit „Nervenruh Baldrian Forte 600“ erwirtschaftete Klosterfrau alleine in den Apotheken im vergangenen Jahr rund 800.000 Euro.


Vielleicht hoffen die Hersteller auf neuen Schwung - und einen Imagegewinn für ihre Präparate. Denn zumindest in der Apotheke hat das Geschäft mit pflanzlichen Sedativa in den vergangenen fünf Jahren rund ein Drittel verloren und liegt nach Zahlen aus dem Markt derzeit bei 26,5 Millionen Euro zu Herstellerabgabepreisen. Dagegen haben homöopathische Beruhigungsmittel zugelegt.

Unangefochtene Nummer 1 unter den pflanzlichen Mitteln ist Baldriparan (Pfizer) mit rund 11 Millionen Euro - und soll es nach dem Willen des Herstellers bleiben. Die Einführung einer Kombination mit Passionsblume für den Mass Market steht für Pfizer nicht zur Diskussion: „Im Zuge der gesetzlichen Änderungen ist weder eine Erweiterung des Produktportfolios noch der Gang in andere Vertriebskanäle vorgesehen“, sagte ein Pfizer-Sprecher.

Auch für Hersteller, die bereits entsprechende Kombinationen auf dem Markt haben, steht eine Öffnung in Richtung Mass Market nicht zur Debatte: Steigerwald und Hevert wollen mit Phytonoctu beziehungsweise Valeriana (beide Baldrian/Melisse/Passionsblume) nicht in die Drogerie. Merck, Apotheker Walter Bouhon und Dr. Mann Pharma bleiben mit Kytta, Moradorm S beziehungsweise Vivinox Day (alle Baldrian/Hopfen/Passionsblume) ebenfalls der Apotheke treu.