OTC-Medikamente

Phytodolor: Bayer kann wieder liefern APOTHEKE ADHOC, 22.02.2017 15:17 Uhr

Berlin - 

Laif war nicht das einzige ehemalige Steigerwald-Präparat, bei dem Bayer zuletzt Lieferengpässe hatte. Auch das pflanzliche Schmerzmittel Phytodolor war zuletzt defekt. Seit 14. Februar kann der Konzern nach eigenen Angaben wieder Ware zur Verfügung stellen. Apotheken können das Arzneimittel über den Großhandel bestellen.

Grund für den kurzzeitigen Lieferengpass war laut Bayer eine unzureichende Rohstoffqualität. „Pflanzliche Arzneimittel sind in erster Linie abhängig vom natürlichen Rohstoff“, so eine Sprecherin. Als Hersteller habe man bestimmte Qualitätsstandards, denen ein Rohstoff nicht immer genüge.

Phytodolor ist ein ethanolischer Auszug aus Eschenrinde, Zitterpappelrinde und echtem Goldrutenkraut. Die Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd. Das apothekenpflichtige Arzneimittel wird bei akuten und subakuten rheumatischen Erkrankungen angewendet und stellt eine pflanzliche Alternative zu den gängigen Schmerzmitteln dar.

Aufgrund des Alkoholgehalts sollte Phytodolor nicht bei Schwangeren, Kindern und Patienten mit Vorerkrankungen eingesetzt werden. Dazu gehören zum Beispiel Alkohol- und Leberkranke sowie Epileptiker. Patienten sollten trotz der guten Verträglichkeit auf die Alkoholzufuhr durch das Präparat hingewiesen werden. Bei einer Tagesdosis von 120 Tropfen pro Tag werden über 2 g Alkohol aufgenommen. Folglich ist auch eine Einschränkung der Verkehrstüchtigkeit zu erwarten. Die Wirkung anderer Medikamente kann durch Alkohol verstärkt oder beeinträchtigt werden.

Im vergangenen Jahr hatte Bayer fast durchweg Probleme, sein Johanniskraut-Präparat Laif 900 zur Verfügung zu stellen. In vielen Apotheken führte das Präparat die Liste der Lieferengpässe an, bei der verschreibungspflichtigen Variante hatten Patienten mitunter bereits drei Rezepte eingereicht, ohne eine Packung bekommen zu haben.

Grund für die Lieferengpässe waren laut Bayer Probleme mit der Qualität des Rohstoffs, der in verschiedenen Ländern eingekauft werde. Besitze das pflanzliche Rohmaterial zu wenig Wirkstoff, könne der Extrakt nicht die gewünschte Qualität erreichen, so der Sprecher. Fertige Präparate hätten so gleich nach der Produktion wieder in die Vernichtung gehen müssen. Zu einer möglichen Verunreinigung seiner auch aus Wildsammlung gewonnenen Droge wollte sich Bayer nicht konkret äußern.

Außerdem gab es Probleme mit aufgequollenen oder aufgeplatzten Tabletten. Der Konzern verwies auf die chemische Eigenschaft der verwendeten Rohstoffe, wodurch die Filmtabletten „gegenüber Feuchtigkeit empfindlich“ seien. Um dies künftig zu verhindern, habe man bereits „Maßnahmen zur Minimierung der Feuchteempfindlichkeit“ eingeleitet. Eine neue Formulierung wurde im vierten Quartal vorgestellt.