Merckle-Imperium

Finanzinvestoren winken bei Ratiopharm ab APOTHEKE ADHOC, 10.12.2009 10:33 Uhr

Berlin - 

Im Bieterprozess zum Kauf des Generikaherstellers Ratiopharm lichten sich die Reihen: Wie die Nachrichtenagenturen Dow Jones und Reuters unter Berufung auf Finanzkreise berichten, befindet sich nur noch eine einzige Beteiligungsgesellschaft im Rennen. „Den Zuschlag wird wohl ein strategischer Investor erhalten“, zitiert Reuters einen Banker.

Nur die schwedische Investgruppe EQT soll noch im Rennen sein. EQT gehört zum Imperium der Industriellenfamilie Wallenberg, eine der wohlhabendsten und einflussreichsten Dynastien in Schweden und unter anderem Großaktionärin des Pharmakonzerns AstraZeneca. Erst vor kurzem hatte die Wallenberg-Beteiligungsgesellschaft Investor den Zuschlag für ein kleineres Apotheken-Cluster in Schweden erhalten.

Nach einem Bericht der britischen Financial Times (FT) soll EQT beim aktuellen Bieterverfahren mit dem ehemaligen Ratiopharm-Chef Claudio Albrecht zusammenarbeiten. Albrecht gehört zu jenen Topmanagern des Generikakonzerns, die 2005 infolge der Berichterstattung des sterns über aggressive Vertriebspraktiken den Hut hatten nehmen müssen.

Auch andere Finanzinvestoren hatten sich laut FT für ihre Gebote Sachverstand aus der Branche geholt: Permira arbeitete demnach mit Hank Klakurka, dem ehemaligen Chef der Generikasparte von Merck (heute Mylan dura), zusammen. Das Konsortium Advent/Goldman Sachs ließ sich laut FT von Bernhard Hampl beraten, früher bei Hexal/Sandoz, seit November in den USA in Fresenius-Diensten.

Beide Private-Equity-Gruppen sowie TPG und KKR seien aus der Auktion ausgeschieden, sagten laut Dow Jones am Mittwoch mehrere Personen mit entsprechenden Informationen.

Neben EQT seien aber noch strategische Interessenten im Rennen: Weiterhin wollten die Pharmakonzerne Pfizer, Sanofi-Aventis sowie die Generikakonzerne Teva, Actavis, Mylan, Watson und die chinesische Sinopharm den deutschen Generikahersteller übernehmen, sagten die Personen weiter.

Die Gebote sollen bei rund 2,5 Milliarden Euro liegen; dies sei den Beteiligungsgesellschaften zu viel gewesen, so die Informanten. Den Verkaufsprozess begleiten die Commerzbank und die Royal Bank of Scotland. Die zur Merckle-Gruppe gehörende VEM Vermögensverwaltung will den Verkauf von Deutschlands zweitgrößtem Generikahersteller im ersten Quartal 2010 abschließen. Laut Kreisen soll die nächste Runde mit weniger Bietern Anfang des kommenden Jahres starten.