Detmold

Phoenix-Fahrer verliert BtM-Lieferung Torsten Bless, 27.06.2017 15:09 Uhr

BtM auf Abwegen: Ein Phoenix-Fahrer hatte Medikamente verloren; Passanten brachten sie zurück. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Aufregung in Detmold: Die Polizei meldete am Montag den Diebstahl von zehn Ampullen einer Medikamentenlösung. Sie seien bei der Anlieferung an die Apotheke entwendet worden. Ihr Konsum könne „zu lebensbedrohlichen Zuständen führen“. Heute ist das BtM-Päckchen wohlbehalten in der Apotheke aufgetaucht. Der Fahrer von Phoenix hatte die Arzneimittel beim Transport verloren – ein ehrlicher Finder hatte sie abgegeben.

Am Montag gegen 15.45 Uhr sei in der Meierstraße im Stadtzentrum ein DIN A5-Umschlag von der Transportbox eines Medikamentengroßhändlers „entwendet“ worden, teilte die Polizei Detmold mit. Im Kuvert seien zehn Ampullen mit jeweils 10 mg einer Lösung verpackt gewesen. Die Lieferung sei für eine Apotheke in der Innenstadt bestimmt gewesen.

Der Fahrer habe den Umschlag auf der obersten Transportbox seiner Sackkarre festgeklemmt. So habe „ein versehentlicher Verlust ausgeschlossen“ werden können, so die Polizei. Um welches Medikament es sich handelte, wurde nicht verraten. Nur soviel: Bei unsachgemäßen Gebrauch drohe Lebensgefahr. Darum sollten die Medikamente bei Auffindung bei Polizei, Feuerwehr oder einer Apotheke abgegeben werden.

Schon am nächsten Morgen tauchten die Arzneimittel vollzählig und unversehrt an ihrem eigentlichen Bestimmungsort auf. Es sei kein Diebstahl gewesen, sagt die betroffene Apothekerin, die namentlich nicht genannt werden will. Der Fahrer des Großhändlers Phoenix habe den Umschlag vermutlich verloren. Er sei die Straße mehrmals auf- und abgegangen, habe die Ware zu seinem Schrecken aber nicht mehr finden können.

Stattdessen gaben Passanten die Medikamente in einem Geschäft in der Nachbarschaft ab. Der Laden meldete sich erst am heutigen Morgen bei der Apothekerin. „Das ist sehr bedauerlich“, so die Pharmazeutin. Inzwischen hatte Phoenix nämlich bereits eine Strafanzeige wegen Diebstahls gestellt.

Immer wieder kommen auf dem Transport Medikamente abhanden. Vor drei Jahren musste Trans-o-flex den Diebstahl von hunderten Präparaten bekannt machen. In das Lager der Tochterfirma Thermomed in Neuss war in der Nacht zu Himmelfahrt eingebrochen worden. Entwendet wurden OTC-Präparate wie Dolormin und Olynth genauso wie Rx-Medikamente wie Eylea, Caelyx, Januvia und Remicade. Selbst Diagnostika und Therapeutika von Alk Abelló wurden entwendet, darunter mehrere Individualrezepturen. Vor zwei Jahren wurden beim Logistiker Esparma in Sülzetal südlich von Magdeburg mehrere Packungen Sildenafil Aristo entwendet.

BtM sind ein beliebtes Ziel von Diebstählen in der Apotheke. Sehr regelmäßig liest man in der Lokalpresse von Einbrüchen in Apotheken. 13 Prozent der Beteiligten einer APOSCOPE-Umfrage haben dies in ihrer Apotheke schon erlebt. Neben dem Bargeld haben es die Einbrecher häufig auf die Opiate abgesehen. Deshalb werden regelmäßig ganze Safes aus Apotheken geklaut. Knapp 6 Prozent der Betroffenen erhielten in den vergangenen zwei Jahren sogar mehrfach nächtlichen Besuch. Weil sich die Apotheken mittlerweile besser vor Einbrüchen schützen, bleibt es oft beim Versuch.