Westfalen-Lippe

Laumann besucht Overwiening-Apotheke APOTHEKE ADHOC, 30.07.2019 16:51 Uhr

  • Apothekenbesuch: NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) lässt sich von Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening die Bürokratie mit Rabattverträgen erläutern. Foto: AKWL/Sokolowski

Berlin - Dass Kammerpräsidentin Gabriele Overwiening ein kurzen Draht zu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat, ist hinlänglich bekannt. Auch zu NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bestehen gute Kontakte. Jetzt besuchten Laumann und die CDU-Landtagsabgeordnete Heike Wermer die Ludgeri-Apotheke, die Overwiening gemeinsam mit ihrem Ehemann führt.

Die Kammerpräsidentin forderte von Laumann eine kontinuierliche Unterstützung der Apotheken vor Ort, damit die Arzneimittelversorgung auch zukünftig in der Fläche erhalten bleibt. „Gerade wenn der Arzt geht, müssen wir dafür sorgen, dass die Apotheke für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort erhalten bleibt“, so Overwiening. Laumann sieht das Problem: „Die große Gefahr für die Versorgung ist, dass kein Arzt mehr vor Ort ist, der die Arzneimittel verordnet, mit welchen die Apotheken versorgen können.“ Und etwas relativierend fügte er hinzu: „Trotz aller Klagen und Probleme haben wir immer noch eine ziemlich gute und sichere Versorgung mit Medikamenten – auch im ländlichen Raum.“ Overwiening stimmte ihm da zu.

Über die Bürokratie in den Apotheken wurde am Beispiel der Rabattverträge gesprochen. Overwiening kritisierte dabei den Aufwand, den das pharmazeutische Personal mittlerweile damit hat, eine einfache Verordnung einzulösen, wenn beispielsweise ein Patient von heute auf morgen ein neues Blutdruckmittel bekommt, obwohl der Arzt einen anderen Markennamen aufs Rezept geschrieben hat. Overwiening und Laumann waren sich einig, dass Wirkstoffverordnungen ein probates Mittel dagegen wären. „Dafür kriege ich keine Mehrheit“, wandte der CDU-Politiker allerdings postwendend ein.

Auch die anhaltenden Lieferengpässen waren ein Thema: Overwiening und Apothekerin Anke Vöcking hatten eine Liste ausgedruckt mit rund 300 Medikamenten, die sie zuletzt nicht direkt an die Kunden ausgeben konnten. Als dramatisch bezeichnete Overwiening die Lage allgemein zwar nicht: In einigen Fällen könne der Kunde Wartezeit in Kauf nehmen, in anderen könne die Apotheke ein Medikament eines anderen Herstellers herausgeben. „Aber die Leute sind irritiert. Wir nehmen uns dann viel Zeit für die Beratung“, sagte Anke Vöcking laut den Westfälischen Nachrichten (WN), die mit vor Ort waren. Denn so einfach sei eine Umstellung nicht immer: Ein Schmerzmedikament mit einer Wirkstoffgröße von 800 mit verzögernder Wirkung könne nicht in jedem Fall und einfach durch zwei 400er-Tabletten ersetzt werden. Vor allem bei Antibiotika, Psychopharmaka und Schilddrüsenpräparaten bringe das viele Probleme mit sich.

Ein anderer Grund für auftretende Engpässe sei, dass Medikamente aus Deutschland abfließen, weil der Verkauf ins Ausland für die Hersteller lukrativer sei. Aber auch die Abhängigkeit von ausländischen Wirkstoffherstellern trage einen großen Teil dazu bei. Wenn ein Wirkstoff nur noch in einer Fabrik in Asien hergestellt wird und es dort zu Qualitätsproblemen komme, gebe es manche Medikamente für Monate nicht mehr auf dem Markt. „Das ist eine Folge des stetig gewachsenen Kostendrucks“, so Overwiening.

Was könnte die Politik da machen? Dass der Umgang der Politik mit der Pharmaindustrie nicht immer ganz einfach ist, räumte der NRW-Gesundheitsminister ein. Was die Vorbereitung staatlicherseits auf Pandemien, wie etwa vor Jahren die Vogelgrippe angehe, wurde er deutlich: „Da werden wir erpresst.“ Die Bevorratung sei den Herstellern teuer bezahlt worden. „Und dann kommen die Hersteller von Spritzennadeln und sagen, ohne diese könne ja auch der Stoff nicht verabreicht werden. Das ist nicht so einfach“, so Laumann. Die Impfstoffe gegen die Vogelgrippe seien ja nicht gebraucht worden. Sie hätten für viel Geld vernichtet werden müssen. Andererseits habe auch der Staat Interesse daran, dass die Pharmahersteller weiterhin wertvolle Forschungsarbeiten leisteten und innovative Medikamente entwickelten. „Das ist ein Vabanquespiel“, fasst er zusammen.

Beeindruckt zeigten sich der Minister und die Abgeordnete von der Herstellung von Kapseln in der Rezeptur. „Hier stellen wir Arzneimittel in Dosierungen – häufig für kleine Kinder – her, deren Produktion sich für die Industrie nicht lohnt“, so Overwiening. Am Ende steht für den Aufwand für Prüfung, Herstellung und Dokumentation ein Honorar von zehn Euro pro Stunde. Dazu erhielt der Minister noch ein kleines Geschenk: PTA Britta Krude stellte eigens für ihn „Ministerkapseln“ mit Vitamin C her. „Die brauch‘ ich nicht“, sagte Laumann, aber Wertschätzung für die aufwändig in Handarbeit hergestellte Individualrezeptur gab es dennoch: „Sie leisten einen wichtigen Job.“