Hüffenhardt

DocMorris-Automat im Bürgermeister-Wahlkampf

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Berlin -

Über den Hüffenhardter Arzneimittelautomaten von DocMorris wird nicht nur vor den Gerichten gestritten. Jetzt spielt die Maschine auch im lokalen Wahlkampf womöglich eine entscheidende Rolle. Am Sonntag wird in der kleinen baden-württembergischen Gemeinde ein neuer Bürgermeister gewählt. Amtsinhaber Walter Neff muss um seinen Posten kämpfen. Denn Herausforder Armin Hagedorn von der Bürgerinitiative „Windkraft“ hat das Apothekenthema für sich entdeckt.

Seit Kurzem kursieren in Hüffenhardt Gerüchte und Spekulationen: Gab es vor dem Einstieg von DocMorris doch einen ernsthaften Interessenten für die Weiterführung der Apotheke? Herausforderer Hagedorn wirf Neff vor, dies durch seinen Pakt mit DocMorris verhindert zu haben.

Laut einem Bericht der Heilbronner Stimme hatte Neff bei einer Wahlkampfveranstaltung seine frühere Aussage zum Apotheken-Dilemma bekräftigt: „Aber leider gab es keinen Bewerber, der die Räumlichkeiten nutzen wollte.“ Im Anschluss habe sich der Hüffenhardter Bürger Alexander Artner an die Zeitung mit einer neuen, bislang unbekannten Version gewendet: Nach seinen Angaben habe er mit Bürgermeister Neff über die Übernahme der Apothekenräume gesprochen. Artners Vater, der eine Apotheke in Heilbronn führen soll, habe in Hüffenhardt eine Filiale betreiben wollen. Artner betonte gegenüber der Zeitung, er habe Neff gesagt, dass man die Apotheke übernehmen würde.

Als Voraussetzung habe Artner von Neff den politischen Willen für eine Kooperation mit dem Wohn- und Pflegezentrum in Hüffenhardt eingefordert. Nur mit diesem Abnehmer wäre es möglich, die Apotheke mit einer schwarzen Null zu führen, so die Zeitung. Diesen politischen Willen habe es aber nicht gegeben.

Neff bestätigt einen Kontakt zu Artner. Dieser habe aber lange vor der Zusammenarbeit mit DocMorris stattgefunden. Er habe natürlich keine Garantie für eine Kooperation abgeben können. Außerdem sei es nie zu einem Gespräch mit Artners Vater gekommen. Neff kennt noch nicht einmal den Namen der Apotheke, die Artners Vater gehören soll. In Heilbronn und Umgebung ist kein Apotheker mit diesem Namen bekannt.

In der Heilbronner Stimme wehrte sich Neff: „Die Unterstützung von meiner Seite war da.“ Er wäre heilfroh gewesen, wenn es einen Apotheker gegeben hätte. Nur: Wer das Heim am Ende tatsächlich beliefert, „steht nicht in meiner Macht“. Es habe aber seitens des Heims die Aussage gegeben, dass man mit einem örtlichen Apotheker zusammenarbeiten könne.

Neff vermutet, dass die Geschichte jetzt in der Endphase des Wahlkampfes seinem Herausforderer nutzten soll. Im Raum steht die Frage, warum Neff den Gemeinderat nicht über den Kontakt zu Artner informiert hat. Für Neff ist das ein „ganz undurchsichtiges Spiel“. Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben deshalb den Gemeinderat nicht über Artner informiert, weil es „nichts Konkretes“ gewesen sei. „Dann ist man ganz vorsichtig.“ Neff vermutet, dass die Umsatzzahlen am Ende nicht stimmten und deshalb aus seiner Sicht die Interessenten das Vorhaben nicht mehr verfolgten. Laut Heilbronner Stimme können sich Artner und sein Vater weiterhin vorstellen, eine Apotheke im Ort zu betreiben. Beide sind für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

„Seit einem Jahr ist die Apotheke geschlossen. Niemand hat sich dafür interessiert“, sagte Neff im Februar 2016. Es habe für die Nachfolge von Apotheker Reinhold Fuchs nur wenige Bewerber gegeben, so Neff. Zu einem Abschluss sei es leider nicht gekommen. Auch Landesapothekerkammer und -verband hätten sich nicht für Hüffenhardt interessiert, beklagte Neff. Zudem hatte Neff stets betont, einem interessierten Apotheker den Vorzug gegenüber DocMorris einzuräumen, falls sich noch jemand melden sollte.

Die Brunnen-Apotheke versorgte über 30 Jahre lang nicht nur die 2000 Einwohner Hüffenhardts und eine angrenzende Gemeinde mit nochmals 1500 Menschen. Das 135 Plätze umfassende Wohn- und Pflegeheim der Gemeinde gehörte ebenfalls zur Stammkundschaft. Als DocMorris auf ihn zugekommen sei, habe er die Chance ergriffen, rechtfertigte der Bürgermeister die Kooperation mit der Versandapotheke.

DocMorris hatte am 19. April 2017 in seinen Abgabeautomaten eröffnet. Zwar ließ das Regierungspräsidium Karlsruhe das Terminal nach nur 48 Stunden wieder schließen. Zunächst konnte die OTC-Abgabe weiterlaufen. Inzwischen wurde der Automat zivilrechtlich komplett verboten. Gegen die Verbotsverfügung des Regierungspräsidiums klagt DocMorris vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe.

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