Säuglingsernährung

Nahrungsmittelallergien durch Kuhmilch? APOTHEKE ADHOC, 24.01.2020 11:55 Uhr

  • Besser keine Kuhmilch: Im Alter von zwei Jahren wiesen mehr als 30 Prozent der Kinder, die in frühen Lebenstagen die tierische Milch erhalten hatten, eine Sensibilisierung auf Kuhmilcheiweiß auf. Foto: Patrik Jech/shutterstock.com

Berlin - Immer wieder stehen verschiedene Nahrungsmittel im Verdacht, die Entwicklung von Unverträglichkeiten begünstigen zu können. Eine japanische Studie zeigt nun, dass die Zufütterung von Kuhmilch in den ersten Lebenstagen von Säuglingen einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von späteren Nahrungsmittelallergien haben könnte.

Die richtige Ernährung von Säuglingen stellt Eltern, Ärzte und Hebammen oft vor Herausforderungen: Während viele die reine Fütterung mit Muttermilch bevorzugen, kommt für andere Säuglinge nur hypoallergene Nahrung oder Spezialnahrungen in Frage. Je nach Problematik kann auch der Einsatz von tierischer Milch – wie beispielsweise Kuhmilch – in Erwägung gezogen werden. In Japan ist dies eine weit verbreitete Praxis. Doch Experten diskutieren die frühe Aufnahme von Kuhmilch als einen möglichen Auslöser für Nahrungsmittelllergien.

Ein Team der Medizinischen Universität Jikei in Tokio beschäftigte sich daher mit dem Thema und führte eine Studie durch. Für die Untersuchungen wurden 312 Neugeborene in zwei Gruppen aufgeteilt – alle Kinder hatten aufgrund einer familiären Prädisposition ein erhöhtes Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. Die eine Gruppe erhielt zusätzlich zur Muttermilch in den ersten drei Lebenstagen etwas Kuhmilch – die verabreichte Menge lag bei weniger als fünf Milliliter pro Tag. Die andere Gruppe verzichtete komplett auf den Einsatz von Kuhmilch, bei Bedarf konnte jedoch eine Ersatzkost gefüttert werden.

Die Kinder wurden in den nächsten Jahren weiter beobachtet: Primärer Endpunkt war eine Sensibilisierung auf Kuhmilcheiweiß im Alter von zwei Jahren. Diese war definiert als eine IgE-Konzentration von 0,35 Allergen-Einheiten pro Milliliter. In der Gruppe ohne Kuhmilch-Fütterung traf dies auf 24 Säuglinge zu – das entspricht knapp 17 Prozent. Bei den Kindern, die in den ersten drei Lebenstagen Kuhmilch erhalten hatten, waren es mehr als 32 Prozent. Vier der nicht exponierten Kinder und 20 der exponierten Kinder entwickelten schließlich eine Nahrungsmittelallergie. Anaphylaktische Reaktionen waren bei einem Kind gegenüber 13 Kindern aufgetreten.

Die Forscher empfehlen aufgrund ihrer Studienergebnisse, dass Kinder mit einer familiären Prädisposition in ihren frühen Lebenstagen keine Kuhmilch erhalten sollten. Nicht nur die Ergebnisse der Studie weisen auf den Zusammenhang hin: Eine Post-Hoc-Analyse ergab zudem, dass das Risiko einer Sensibilisierung auch in den Wochen danach um so geringer war, je später Kuhmilch zugefüttert wurde. Andere Studien zeigten in der Vergangenheit jedoch, dass auch eine zu späte Gewöhnung an Kuhmilchproteine das Risiko für Nahrungsmittelallergien erhöhen kann. Der richtige Zeitpunkt wird daher immer wieder diskutiert.

Neben der Ernährung spielen vermutlich auch andere Faktoren eine Rolle bei der Entstehung von Unverträglichkeiten und Allergien. So konnte eine andere Studie vor kurzem den Zusammenhang zwischen der frühen Antibiotikagabe und der Entwicklung von Allergien im Kindesalter herstellen: Die Forscher gehen davon aus, dass die durch Antibiotika entstehenden Darmflora-Störungen die Entwicklung von Allergien begünstigen können. Eine frühe Antibiotika-Therapie könne den Ergebnissen zufolge vor allem zu Asthma und allergischer Rhinitis führen. Dies sei vor allem der Fall, wenn mit mehreren Antibiotikaklassen behandelt werde.

Anhand der Nachbeobachtungszeit und der weiteren Analysen, konnten die Forscher für alle Antibiotikaklassen ein signifikant erhöhtes Auftreten von allergischen Erkrankungen ausmachen. Bei der Therapie mit mehreren Antibiotikaklassen sei das Risiko daher extrem erhöht. Am wenigsten führten Sulfonamide in der Studie zu allergischen Folgeerkrankungen. Bei der Verordnung von zusätzlichen Antibiotikaklassen war das Auftreten aller allergischen Erkrankungen erhöht: Dies gilt sowohl für Nahrungsmittelallergien, Anaphylaxie, Asthma, atopische Dermatitis, allergische Rhinitis, allergische Konjunktivitis sowie Kontaktdermatitis.