Versandapotheken

Rezeptabo für DocMorris und Apotal

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Berlin -

Seitdem Rx-Boni verboten sind, haben vor allem ausländische Versandapotheken ein Rx-Problem – der Rezeptanteil fällt. DocMorris versucht noch mit allen Mitteln, mit immer neuen Boni rosa Aufträge hinter die Grenze zu holen, scheitert damit aber regelmäßig vor Gericht. Jetzt verfolgt die Versandapotheke eine neue Strategie: Über die Berliner Firma Medabo lassen sich DocMorris sowie Konkurrent Apotal Folgerezepte besorgen. Pikant: Medabo-Geschäftsführer Dr. Daniel Lewinski ist ein von den Apothekerorganisationen ausgezeichneter Kollege.

Die Idee bei Medabo ist nicht neu: Wie bei Ordermed bestellen Patienten ihre Folgerezepte online, die Firma schickt den Auftrag an die Arztpraxis – zusammen mit einem Freiumschlag, der an DocMorris oder Apotal adressiert ist. Kunden können vorab zwischen den beiden „Partnerapotheken“ wählen. Der Dienst ist für die Patienten kostenfrei.

Bezahlt wird der Service von den Versandapotheken. DocMorris und Apotal geben Medabo einen Teil ihres Rezepthonorars ab. Details zu dem Konditionsmodell werden nicht verraten. Die Vergütung soll aber unabhängig von den verordneten Arzneimitteln sein.

Die Vorteile laut Medabo: „Kein Weg zum Arzt, kein Weg zur Apotheke.“ Auch der zweite Gang zur Apotheke – falls die Medikamente nicht vorrätig seien – könne gespart werden, außerdem würden die Arztpraxen entlastet, heißt es.

Anders als bei DrEd gilt das Angebot nur für Folgerezepte, „für welche kein erneuter Arztkontakt notwendig ist“. Für Neuverordnungen oder Kontrolltermine müssten die Patienten nach wie vor persönlich beim Arzt vorstellig werden, heißt es bei Medabo. Die Bestellung könne zudem nur bei einem behandelnden Arzt erfolgen, der bisher die Verschreibung ausgestellt habe.

Bei DocMorris wird der Service „Folgerezepte online bestellen – bequem, zeitsparend, sicher“ so beworben: „Ein Rezept bekommt man nur vom Arzt. Wir finden, das ist gut so. Aber wenn Sie regelmäßig das gleiche Medikament brauchen, müssen Sie nicht immer persönlich zum Arzt laufen.“

Bei Apotal (Bad Apotheke, Bad Rothenfelde) ist man vorsichtig optimistisch, was den neuen Service betrifft. Entscheidend sei, dass die Ärzte mitspielten, heißt es. Sollte sich das Angebot durchsetzen, sei man immerhin schon mit dabei. Beteiligt an der neuen Firma ist Apotal aber nicht.

Dass die Ärzte Rezepte ausstellen, ohne den Patienten gesehen zu haben, ist aus Sicht der Beteiligten offenbar kein Problem. Da der Service laut Medabo „für das Folgerezept 'zwischendurch'“ gedacht ist, sollten auch längere Lieferzeiten in der Regel kein Problem sein – Folgerezepte könnten schließlich im Voraus bestellt werden.

Zwischen Bestellung und Lieferung liegen laut Medabo in der Regel drei bis fünf Tage. „In Einzelfällen kann es zu längeren Lieferzeiten kommen, zum Beispiel wenn der Arzt das Rezept verspätet verschickt oder ein Medikament nicht sofort lieferbar ist“, heißt es.

Lewinski war selbst bislang nicht zu erreichen. Der Apotheker hat in Bonn unter Professor Dr. Harald Schweim promoviert. Titel seiner Dissertation aus dem Jahr 2009: „Maßnahmen zur Risikodeteketierung und Risikominimierung in Apotheken“. Die Arbeit wurde von der Berliner Apothekerkammer gefördert und unterstützt. Die Praxisstudie wurde im Rahmen des Pilotprojekts „Qualitätszirkel“ der Kammer durchgeführt.

Später wurde die Doktorarbeit sogar von der „Förderinitiative Pharmazeutische Betreuung“ (FI) ausgezeichnet. Der Verein mit Sitz im Apothekerhaus in der Berliner Jägerstraße kürt seit 2007 jährlich hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der pharmazeutischen Betreuung. 2009 gewann Lewinski den zweiten Preis.

Die Förderinitiative ist als Verein formal unabhängig, gehört aber letztlich zur ABDA-Familie: Vorstandsvorsitzender ist Ronald Schreiber, Präsident der Apothekerkammer Thüringen, seine Vertreterin ist Baden-Württembergs Kammervize Karin Graf.

Im Vorstand sitzen außerdem als Schatzmeisterin Dr. Christiane Eckert-Lill vom Geschäftsbereich Pharmazie der ABDA, die Mitinhaberin der Hamburger Adler-Apotheke, Sabine Gnekow, und Sabine Skwara von GlaxoSmithKline.

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