Lieferengpässe

Venlafaxin: Kleine Panne, großer Ausfall Alexandra Negt, 21.01.2020 10:05 Uhr

Ähnlich sieht es bei Hennig Arzneimittel aus: Angesichts des überschaubaren Marktanteils beim Wirkstoff Venlafaxin wird der Warenbestand grundsätzlich gering gehalten. „Aufgrund der Vorlaufzeit und anderer organisatorischer Faktoren innerhalb der Produktion bricht eine Planung bei einem mittelständischen Unternehmen schnell auseinander, wenn einzelne Firmen mit hohem Marktanteil ausfallen“, erklärt Dr. Tom Waldmüller, Leiter Rx-Marketing. Auch in Flörsheim zeichnete sich ab, dass die Umstellung auf Securpharm ein Kraftakt werden würde. „Wir bei Hennig haben eine passend zum Securpharm-Start eine neue Halle zur Konfektionierung errichtet. Alleine die Verpackungslinie wurde um drei bis vier Meter erweitert, um alle Bedruckungen und das Siegel anzubringen.“

Bei Stada führt man die aktuellen Lieferengpässe auf die bekannte Problematik der seit Jahren andauernden Reduzierung und somit Konzentration von Wirkstoffherstellern zurück. „Um die Lieferfähigkeit zu gewährleisten, kommt bei uns eine so genannte 2nd-Source-Strategie zum Einsatz. Diese hat zum Ziel, für alle wichtigen Wirkstoffe mindestens zwei qualifizierte Lieferquellen zu haben“, so eine Sprecherin.

Die Lieferprobleme bei Venlafaxin betreffen alle Generikahersteller. Auch Direktbezüge sind nur eingeschränkt möglich. In den sozialen Medien ist das Antidepressivum täglich ein Thema: Apotheken berichten freudig über den Erhalt weniger Packungen oder rufen ganz offen ein Gesuch aus.

Das Problem ist keineswegs nur theoretischer Natur: 2018 wurden laut Arzneiverordnungsreport rund 200 Millionen definierte Tagesdosen (DDD) Venlafaxin verordnet; damit liegt der Wirkstoff unter den SSNRI weit vor Duloxetin (80 Millionen DDD) und Milnacipran (3 Millionen DDD). Häufiger eingesetzt werden nur Wirkstoffe aus der Gruppe der SSRI (690 Millionen DDD), darunter Citalopram (260 Millionen DDD), Sertralin (170 Millionen DDD) und Escitalopram (135 Millionen DDD). Trizyklischen Antidrepressiva wie Amitriptylin und Opipramol kommen auf 240 Millionen DDD, Mirtazapin auf 185 Millionen DDD. Anders ausgedrückt: Mit 2,2 Millionen Verordnungen liegt Venlafaxin auf Platz 52 der 100 verordnungsstärksten Wirksstoffe – vor Wirkstoffen wie Fentanyl, Betamethason und Escitalopram, die alsversorgungsrelevant gelistet sind.

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