Erkältungs-Tipp

Tot oder lebendig – Viren vs. Bakterien Alexandra Negt, 23.01.2020 15:07 Uhr

  • Bakterien können mit Antibiotika behandelt werden – je nach Stamm kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Gegen manche Viren gibt es Virustatika – viele dieser Keime sind so wandelbar, dass es keine wirksamen Medikamente gibt.

Berlin - Die meisten Infektionen im Körper werden entweder durch Viren oder Bakterien ausgelöst. Viren sind ohne Wirt nicht lebensfähig – Bakterien schon. Per Definition sind Viren daher keine Lebewesen. Beide Keime lösen im Körper ähnliche Symptome aus, sind doch sehr verschieden. Dieser Erkältungs-Tipp zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Eine Gegenüberstellung von Viren und Bakterien als Download gibt es hier.

Unterschiede Viren und Bakterien

Bakterien sind um ein Vielfaches größer als Viren. Viren sind in ihrem Aufbau einfacher. Bakterien können sich selbst durch Zellteilung vermehren – Viren brauchen dafür einen Wirt, den sie zur Reproduktion veranlassen. Bakterien sind Lebewesen – Viren sind es, da sie keinen eigenen Stoffwechsel aufweisen, nicht. Das bedeutet, sie können sich nicht eigenständig vermehren. Bakterien können mit Antibiotika behandelt werden – je nach Stamm kommen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz. Gegen manche Viren gibt es Virostatika – viele dieser Keime sind so wandelbar, dass es keine wirksamen Medikamente gibt.

Kurzportrait

  • Typ
    • Viren: Partikel
    • Bakterien: Einzeller
  • Größe
    • Viren: 20 bis 300 nm
    • Bakterien: 0,5 bis 10 µm
  • Stoffwechsel
    • Viren: kein eigener Stoffwechsel
    • Bakterien: eigener Stoffwechsel
  • Vermehrung:
    • Viren: Reproduktion durch Befallen von Fremdzellen
    • Bakterien: meist Zellteilung

Viren

Bei einem Virus handelt es sich um einen kleinen Partikel (20 bis 300 nm). Viren bestehen aus einer Eiweißhülle und der Erbsubstanz. Als Nukleinsäuren kann sowohl DNA als auch RNA dienen, sprich es gibt DNA-Viren und RNA-Viren. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel. Sie können sich nur in Lebewesen vermehren.

Viren besitzen kein Zytoplasma, keine Ribosomen und keine Mitochondrien. Sie können somit keine Proteine herstellen, keine Energie umwandeln und sich auch nicht selbst vermehren.

Erscheinungsformen

  • Nukleinsäure (Virus in den Zellen eines Wirtes)
  • Virion (einzelnes Virus-Teilchen, außerhalb einer Zelle)
  • Virusoid (Viren, deren Lebenszyklus von Helferviren abhängt ist, beispielsweise Hepatitis-D-Virus)

Vermehrung

Das Virus selbst braucht virusspezifische Zellen zur Fortpflanzung. Vereinfacht beginnt der Lebenszyklus eines Virus, wenn es sich an eine Wirtszelle anheftet und das Erbmaterial ins Zellinnere bringt. Diese repliziert anschließend das virale Genom – neue Viruspartikel entstehen (Virionen). Die Freisetzung erfolgt unter anderem durch Lyse der Zellmembran. Die Auswirkungen des Virus auf die Wirtszelle wird zytopathischer Effekt genannt.

Beispiele

  • Rhinoviren, Adenoviren: Schnupfen, Erkältungen
  • Influenzaviren: Grippe, Vogelgrippe
  • Herpesviren: Herpes, Windpocken, Gürtelrose
  • Retroviren: AIDS, Leukämie
  • Papillomaviren: Gebärmutterhalskrebs
  • Coronaviren: Gastroenteritis, SARS
  • Paramyxoviren: Masern, Mumps, Krupp
  • Picornaviren: Kinderlähmung
  • Rabiesviren: Tollwut

Bakterien

Bakterien sind einzellige Mikroorganismen ohne Zellkern ­– die sogenannten Prokaryonten bilden eine der drei Domänen der Lebewesen. Die komprimierte DNA liegt nicht in einem abgegrenzten Zellkern vor, sondern schwimmt im Zytoplasma – das Nukleoid besitzt alle Gene nur in einfacher Ausführung. Der Ausfall eines Gens kann nicht kompensiert werden und bietet somit einen therapeutischen Ansatzpunkt (bakteriostatische Antibiotika). Die Proteinbiosynthese erfolgt an den bakteriellen Ribosomen. Die Vermehrung erfolgt durch Spaltung (Zellteilung). Bakterien sind nicht in einzelne Zellorganellen aufgeteilt.

Bakterien können aufgrund ihrer komplexen Zellwände nach ihrem Verhalten in der Gram-Färbung unterteilt werden – es gibt grampositive (Zellwand mit hohem Petidoglykangehalt, Blaufärbung) und gramnegative Bakterien (Zellwand mit geringem Peptidolglykangehalt, Rotfärbung). Diese Anfärbung erfolgt mittels Kristallviolett oder Lugol'scher Lösung mit Iod und Kaliumiodid. Eine Gegenfärbung erfolgt mit roter Fuchsin-haltiger Lösung.

Erscheinungsformen nach Morphologie

  • Stäbchenförmige Bakterien (Stäbchenbakterien)
  • Kugelförmige Bakterien (Kokken)
    • Haufenkokken
    • Kettenkokken
    • Sarcinen
    • Tetrakokken
    • Diplokokken
  • Fadenförmige Bakterien
  • Spirillenförmige Bakterien
  • Kommabakterien

Erscheinungsformen nach Sauerstoffverbrauch

  • aerob: sauerstoffverbrauchende Bakterien
  • anaerob: Im sauerstofffreien Milieu überlebensfähig
  • mikroaerophil: Bakterien, die geringe Sauerstoffkonzentrationen bevorzugen
  • aerotolerant: Bakterien, die Sauerstoff tolerieren

Beispiele von Gattungen und ausgelösten Krankheiten

  • Bacillus: Milzbrand, Lebensmittelvergiftungen
  • Campylobacter: Magen-Darm-Erkrankungen
  • Chlamydia: Ornithose (atypische Lungenentzündung)
  • Clostridium: Tetanus, Lebensmittelvergiftung, Bauchfellentzündung
  • Enterococcus: Nosokomialinfektionen, Harnwegsinfektionen
  • Escherichia: Reisediarrhoe
  • Helicobacter: Gastritis
  • Pseudomonas: Lungenentzündung, Harnewegsinfekte
  • Salmonella: Salmonellen-Erkrankung mit starkem Durchfall, Typhus
  • Streptococcus: Karies, Hirnhautentzündung, Lungenentzündung