BVDAK-Kooperationsgipfel

IhreApotheken vs. Pro AvO Alexander Müller, 12.02.2020 15:44 Uhr

München - Plattformen im Vergleich – beim Kooperationsgipfel des BVDAK traf Peter Menk für die Initiative Pro Avo auf Dr. Jan-Florian Schlapfner für IhreApotheken. Ein Vergleich ist freillich nicht einfach, weil Pro Avo seine Lösung erst im Laufe des Jahres vorstellen will, während der Zukunftspakt Noweda/Burda seit April 2019 am Start ist. Beide haben ihre Gründe dafür – sind sich aber in vielen Punkten erstaunlich einig.

Pro AvO-Geschäftsführer Menk kündigte an, dass der Launch der eigenen Plattform noch 2020 erfolgen soll. Die Fokussierung liege dabei eindeutig auf dem Endkunden, nicht auf der Apotheke. Um erfolgreich zu sein, müsse das Angebot besser, schneller und moderner sein als die Konkurrenz. „Das wird nicht jedem Apotheker schmecken, aber wir müssen den Endkunden überzeugen“, so Menk. Und der sei heute anspruchsvoll: Wenn drei Klicks zusätzlich nötig sind, sei der Kunde weg. In der Initiative Pro AvO haben sich Noventi, der Wort & Bild Verlag, BD Rowa, Gehe und Sanacorp zusammengeschlossen.

Noweda/Burda sind mit IhreApotheken.de schon einen Schritt weiter. 7000 Apotheken sind im Zukunftspakt verbunden, weitere 3000 nutzen die Plattform. Die Kunden können hier bereits ihre Arzneimittel vorbestellen. Sofern die Apotheke dies anbietet, kann hier auch der Botendienst ausgewählt werden. „Wir haben schon hunderte Verbesserungen durchgeführt. Ende 2020 werden wir ganz wo anders stehen. Wir müssen schnell vom Kunden lernen“, so Schlapfner.

Schrittweise werden das Angebot von IhreApotheken und die Infrastruktur ausgebaut: So wurde bei der Verbrauchergesundheitsseite Netdoktor.de jetzt ein Widget zur Seite ia.de integriert. Sucht der Kunde bei Google nach Kopfschmerzen, besteht aufgrund der großen Reichweite von Netdoktor eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er auf der Seite landet. Und weil Netdoktor auch Teil des Zukunftspakts ist, kann von hier aus direkt auf IhreApotheken verlinkt werden. Sobald Pro AvO mit seiner Lösung am Start ist, ist eine entsprechende Lösung auf der Seite der Apothekenumschau möglich und wahrscheinlich.

Während der Zukunftspakt das Ziel verfolgt, im laufenden Betrieb das System kontinuierlich zu verbessern, will Pro AvO mit einer schlüsselfertigen Lösung auf den Markt kommen. „Wir haben eine andere strategische Herangehensweise“, führte Menk aus. Die Mitarbeiter müssten geschult und die Warenwirtschaft angeschlossen sein, damit eine Abfrage überhaupt möglich ist. „Wir werden das zeitnah konkret vorstellen“, kündigte der Pro AvO-Geschäftsführer an.

Für Menk und Schlapfner ist klar, dass es um eine schnelle Verbreitung geht. Zwar gibt es in den Apotheken viele Kontaktpunkte, aber ohne Werbemaßnahmen werde es nicht gelingen, eine Marke beim Kunden zu etablieren. Das zeigten schon die gigantischen Werbebudgets, die große Plattformanbieter wie booking.com oder in der eigenen Branche DocMorris investierten, um die Kunden zu locken. Aus diesem Grund ist die Beteiligung der Apotheker an den Plattformen auch kostenpflichtig. „Am Ende wird es von dem finanziert, dem es nutzt“, so Menk. Für die Apotheken werde es für die Bereitstellung minimalste Gebühren zahlen, nicht wie bei Booking, aber irgendwer müsse die Werbung schließlich finanzieren.

Schlapfner ergänzte, dass die Versandhändler zwölf Jahre Vorsprung hätten, was die Onlinesichtbarkeit betrifft. „Das sind im Grunde schon zwölf verlorene Jahre für die Apotheke. Wir müssen die Kunden jetzt frühzeitig daran gewöhnen, dass das eRezept in ihrer Apotheke vor Ort ist.“ Und die Noweda „erzieht“ die Mitglieder: Ein eigenes Team ruft regelmäßig in den Apotheken an, wenn eine Bestellung über IhreApotheken.de unbeantwortet bleibt. Der Erfolg der Plattform hängt schließlich von der Leistung aller Beteiligter ab.

Zur Kenntnis genommen haben beide natürlich die Ankündigung von DocMorris, eine eigene Plattform zu gründen und Apotheken an Bord holen zu wollen. Und vor allem, wie viele Apotheker sich vorstellen könnten, sich daran zu beteiligen. Die DocMorris-Lösung werde keine schlechte sein, erwartet Schlapfner. Daher müsse man jetzt so schnell wie möglich agieren. Der Vorteil des Zukunftspakts aus seiner Sicht ist eindeutig: „IhreApotheken ist in Apothekerhand, die wird nicht verkauft, außer alle Apotheker in der Noweda entscheiden sich, sie zu verkaufen.“ Auch Menk glaubt, dass die Apotheker bei der Auswahl einer Plattform pragmatisch sein werden: Die Apotheker werden Sachen ausprobieren und da bleiben, wo sie Bestellungen bekommen.“

Dass bei den Apothekern durchaus eine große Bereitschaft besteht, sich weiterhin in Kooperationen zu engagieren und bei den neuen Plattform-Konzepten mitzumachen, zeigen auch die Ergebnisse der Kooperationsstudie von aposcope.