Medikation im Alter

65+ : Mögliche Risiken und Nebenwirkungen Alexandra Negt, 31.01.2020 14:55 Uhr

Berlin - Gewisse Wirkstoffe können älteren Menschen größere Probleme bereiten als jüngeren. Einen schnellen Überblick liefert die Priscus-Liste. Sie enthält zahlreiche Wirkstoffe, bei denen ab einem Alter von 65 Jahren mit vermehrten unerwünschten Arzneimittelrisiken zu rechnen ist. Gerade bei Antidepressiva und Sedativa sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen. Aktuell wird eine Rezeptpflicht für Diphenhydramin und Doxylamin zur Anwendung bei Personen über 65 Jahren diskutiert – die Experten des Sachverständigenausschusses empfehlen mehrheitlich die altersabhängige Verschreibungspflicht.

Mehr Nebenwirkungen im Alter

Die Empfindlichkeit gegenüber einzelnen Medikamenten kann aufgrund verminderter Kompensationsmechanismen steigen. Die Folge: Der Körper kann Blutdruckschwankungen nicht mehr so gut ausgleichen. Auch Nervenzellen werden im Alter sensibler. Bei der Einnahme von zentral wirksamen Medikamenten kommt es bei Menschen über 65 Jahren mitunter häufiger zu Nebenwirkungen. Auch die Leistung der Organe nimmt ab, bei eingeschränkter Nierenfunktion kann es zu einer verlangsamten oder gestörten renalen Ausscheidung der Wirkstoffe kommen. Über 30 Prozent aller Bundesbürger, die älter als 65 sind, nehmen täglich mindestens vier Arzneimittel ein, durch eine Polymedikation kann das Risiko von Nebenwirkungen ebenfalls steigen.

Priscus Liste

Aufstellungen wie die Priscus-Liste geben einen Überblick über weniger gut geignete Medikamente für ältere Menschen. Patienten können mit ausgehändigten Broschüren selber prüfen, ob sie ein in der Liste aufgeführtes Medikament einnehmen. Doch auch innerhalb des Beratungsgespräches kann die Liste genutzt werden. Apotheker und PTA können gemeinsam mit dem Patienten den aktuellen Medikationsplan durchgehen und diesen mit der Liste abgleichen.

Die aktuell diskutierten Wirkstoffe Doxylamin und Diphenhydramin sind unter dem Punkt „weitere Sedativa“ aufgeführt. Die Stoffe wurden aufgrund von anticholinergen Effekten, der Gefahr von auftretendem Schwindel und möglichen EKG-Veränderungen in die Liste mit aufgenommen. Mögliche Therapiealternativen: Baldrian, sedierende Antidepressiva, Zolpidem (unter 5 mg pro Tag), Opipramol, niederpotente Neuoleptika sowie eine nichtmedikamentöse Therapie in Form von Schlafhygiene.

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