Von Klischees und Dankbarkeit

Substitutionsapotheken: „Man muss sich von Vorurteilen lösen“ Cynthia Möthrath, 27.06.2020 15:03 Uhr

Vertrauen und Sorge wachsen

Viele der Patienten kenne man mittlerweile seit Jahren, das Vertrauen sei dementsprechend gewachsen. Eine jahrelange Take-home-Patientin sei beispielsweise durch Beikonsum beim Arzt positiv getestet worden. Die Konsequenz: Zurück in den Sichtbezug – mindestens für drei Monate. Für beide Seiten eine komische Situation, über die in der Apotheke des Vertrauens gesprochen wird. „Man hört einfach zu, wenn die Patienten Redebedarf haben“, erklärt die Apothekerin. Da die Patienten in der Regel täglich oder jede Woche kommen, sei man entsprechend in Sorge, wenn jemand mal nicht zur gewohnten Zeit komme. „Es ist schon ein besonderes Verhältnis, ähnlich wie zu einem guten Stammkunden.“

Hürden wegen Corona

Der Sichtbezug mache von allem die wenigste Arbeit. Für die Herstellung der Lösung sei allerdings eine PTA einen ganzen Tag beschäftigt. „Das ist schon viel Aufwand, nicht nur bei der Herstellung und Abfüllung der einzelnen Fläschchen, sondern auch bei der Dokumentation.“ Die Corona-Pandemie habe zusätzliche Hürden mit sich gebracht: „Normalerweise führen wir den Sichtbezug im Notdienstzimmer durch. Damit der Weg durch die Apotheke nun jedoch wegfällt, haben wir eine Trennwand in der Offizin aufgestellt, hinter der die Einnahme stattfinden kann“, erklärt die Apothekerin. Viele der Kunden seien zwar neugierig was es mit der Wand auf sich habe, man habe sich im Team jedoch darauf geeinigt zu erklären, dass sie zur Durchführung von Blutdruckmessungen diene. „Die Neugier ist dann meist schnell gestillt.“

Der Sichtbezug werde von den Patienten in Anspruch genommen, die zu den Sprechzeiten des Arztes nicht erscheinen können. Ist der Arzt im Urlaub, müssen alle Patienten entsprechend in der Apotheke betreut werden. Dann nutze man aufgrund er hohen Anzahl für den Sichtbezug jedoch nicht das Notdienstzimmer oder die Trennwand – sondern die Schleuse der Apotheke. „Wir richten dann feste Zeiten für die Ausgabe ein. Die Patienten müssen die Offizin dann gar nicht betreten sondern können ganz diskret über eine Seitentür versorgt werden.“

Auch die Mundschutzpflicht habe ihre Tücken mit sich gebracht: Denn manche der Sichtbezug-Patienten erhielten ihre Substitution in Tablettenform. „Die meisten haben dann nach der Einnahme direkt die Maske wieder aufgesetzt.“ Ein Patient habe dabei die Tablette in den Mundschutz gespuckt und so aus der Apotheke geschleust. Nach Rücksprache mit dem Arzt wurde besprochen, dass der Mundschutz während des Bezugs abzusetzen sei, damit eine entsprechende Kontrolle durchgeführt werden kann. „Wir müssen dann auch unter die Zunge schauen und ganz sicher sein.“ Zu Coronazeiten seien zudem die intensiven Gespräche mit den Patienten weniger geworden.

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