Heilpflanzenporträt

Schwarzkümmel: Tausendsassa, aber nichts für Katzen Eva Bahn, 04.07.2018 12:55 Uhr

Berlin - 

Der berühmte Arzt Ibn Sina sowie Hippokrates, Avicenna, Hildegard von Bingen und Paracelsus hielten sie in Ehren und selbst der Pharao Tutanchamun hat eine Flasche ihres Samenöles mit ins Grab gelegt bekommen. „Diese Pflanze heilt alle Krankheiten außer den Tod“, soll der Prophet Mohammed über sie gesagt haben. Von welchem Superfood ist die Rede? Natürlich vom Schwarzkümmel – Nigella sativa.

Anders als der Name uns glauben machen will, handelt es sich bei diesem Hahnenfußgewächs mitnichten um eine dem Kümmel verwandte Pflanzengattung. Der Samen hat nur eine entfernte Ähnlichkeit mit ihm, riecht vergleichbar intensiv aromatisch und wird ebenfalls bei Blähungen eingesetzt. Überhaupt ist Schwarzkümmel ein solcher Tausendsassa unter den Heilkräutern, dass man den Eindruck bekommt, er könne tatsächlich gegen alle bekannten Krankheiten genutzt werden.

Daher wird „Habbah al-baraka“ – der segensreiche Samen, wie ihn die Ägypter nennen, – ebenfalls in der ayurvedischen Medizin eingesetzt. Sogar die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kennt Schwarzkümmel unter anderem zur Stabilisierung des Hormon- und Nervensystems. Er wird dort antioxidativ, entgiftend und blutzuckersenkend eingesetzt. Trotzdem wurde er in Europa für lange Zeit vergessen, bis der Arzt Dr. Peter Schleicher Schwarzkümmel Ende der 1990er Jahre wiederentdeckte. Das Pferd seiner Tochter hatte starke Probleme mit Asthma, und er wollte es nicht mit Cortison therapieren. Schwarzkümmelöl brachte die Heilung ­– und Schleicher begann daraufhin umfangreiche Studien zum Thema.

Angebaut wird der besonders hochwertige Samen von Nigella sativa vor allem in Ägypten. Das heiße Wüstenklima befördert dessen Qualität mit besonders hohem Ölgehalt. Die einjährige Pflanze bringt Balgfrüchte hervor, die zahlreiche schwarze Samen beinhalten. Die Heimat des Schwarzkümmels befindet sich in der Türkei, im Irak und in Westasien. Dort wird er seit über 2000 Jahren als Gewürz und Medizin geschätzt.

Obwohl in den letzten 60 Jahren gut 700 Studien über diese Samen veröffentlicht wurden, ist die Wirkweise ihrer knapp hundert Inhaltsstoffe noch nicht gänzlich bekannt. Die Hauptwirkung scheint jedoch vom enthaltenen Thymoquinon auszugehen. Offenbar ist eine lindernde Wirkung auf alle autoimmunologischen Erkrankungen nicht von der Hand zu weisen. Speziell Asthmatiker und Neurodermitiker profitieren von der Einnahme der Samen oder des Öls in Kombination mit ihrer Medikation. Auch bei Arthritis, Bronchitis, Laktationsproblemen oder gastrointestinalen Beschwerden wird Schwarzkümmelöl traditionell angewendet.

In der Tierheilkunde wird Schwarzkümmel in den vergangenen Jahren vermehrt eingesetzt. Dabei kann das Öl vor allem für die Gesunderhaltung von Pferden und Hunden genutzt werden. Katzen sollten aufgrund ihrer Glucoronidierungsschwäche, die den Abbau von Terpenen in der Leber stark verzögert, kein Schwarzkümmelöl erhalten. Der Tierhalter kann hier sowohl das Öl als auch die Samen verwenden und unter das Futter mischen oder Schwarzkümmelöl verdünnt in das Fell seiner Tiere einreiben. Besonders bei Pferden mit Sommerekzem setzen Tierheilpraktiker inzwischen den Schwarzkümmel ein. Er soll auch gegen Kriebelmücken, Zecken und bei Wurmerkrankungen wirken.

Schwarzkümmel ist neben seiner gesundheitsfördernden Wirkung auch zum Trendgewürz geworden. Er schmeckt etwas nussig nach Sesam, Kreuzkümmel sowie Bohnenkraut und wird in der boomenden vegetarischen und veganen Küche häufig verwendet. Als Zutat von Salaten, aufgestreut auf Fladenbrote, in exotischen Suppen oder als Brotaufstrich mit Frischkäse und Harissa – dem Geschmack sind keine Grenzen gesetzt. Er ist ein echter pflanzlicher Alleskönner dieser Nigella Sativa!