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Über die Bedeutung der Psychologie in der Offizin

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Berlin -

Während ihrer Tätigkeit in der Offizin merkte Tatiana Dikta schnell, dass es mehr als eine pharmazeutische Ausbildung braucht, um eine Apotheke erfolgreich zu betreiben. Mit voller Überzeugung spricht sie über ihren beruflichen Werdegang. Sie möchte über die Reichweite der Arbeitspsychologie aufklären und betont das Potenzial von angewandtem betrieblichem Gesundheitsmanagement.

Nach der PTA Ausbildung entschied sich Tatiana Dikta, ihre Hochschulreife auf einem Abendgymnasium nachzuholen. Mit dem Abitur in der Tasche schrieb sie sich an einer Fernuniversität für das Psychologiestudium ein. Innerhalb von drei Jahren absolvierte sie ihren Bachelor. Das Studium gliederte sich in drei Abschnitte: Erst im letzten Abschnitt des Studiums wurden Anwendungsfächer wie Arbeits- und Organisationspsychologie, Bildungspsychologie und Gesundheitspsychologie behandelt. „Ich habe mich auf den Bereich Arbeitspsychologie und Gesundheitsmanagement spezialisiert und da ich aus dem Bereich Apotheke komme, kann ich Empfehlungen ‚aus der Praxis für die Praxis‘ schnell ableiten“, erklärt Dikta.

Der Abschluss Bachelor of Science in Psychologie bietet bei einer bereits bestehenden Berufsausbildung einige Möglichkeiten für Tätigkeiten im Bereich der psychologischen Beratung, Interventionsplanung und Maßnahmenevaluation. „In meiner jetzigen Anstellung in der Apotheke mit drei großen Filialen und einem insgesamt sehr großen Team habe ich die Möglichkeit, neben meiner Tätigkeit als PTA, die ich leidenschaftlich gerne ausübe, ebenfalls meine arbeitspsychologischen Kenntnisse einzubringen“, erzählt Dikta.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium wollte Dikta ihr Wissen über die Arbeitspsychologie mit der Weiterbildung Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) abrunden, um Apotheken in ihrem betrieblichen Erfolg zu unterstützen. „Ein funktionierendes BGM in der Apotheke für die Mitarbeiter und als Beratungsleistung am Kunden kann sofort umsatzsteigernd wirken“. Apotheken könnten zweierlei davon profitieren, denn betriebliches Gesundheitsmanagement könne sowohl für die Angestellten zur Erhaltung der Gesundheit als auch für den Kunden als Präventionsmöglichkeit angeboten werden. „Mit meiner zusätzlichen Ausbildung als Stressmanagementtrainerin, die einen Bachelor in Psychologie voraussetzt, kann ich auch Trainings anbieten, die von Krankenkassen als Präventionsleistung anerkannt und übernommen werden.“

Wie bei vielen neueren Berufsbezeichnungen gibt es auch im Bereich der psychologischen Berater schwarze Schafe, da es sich um einen ungeschützten Begriff handelt. Insbesondere in kleinen Unternehmen sind laut Dikta viele unseriöse arbeitspsychologische Berater ohne Ausbildung und Studium unterwegs. „Kein seriöser Psychologe wirbt mit einer Erfolgsgarantie! Kein seriöser Psychologe wird sich als Menschenkenner bezeichnen!“ Sie stellt klar, dass psychologische Diagnostik ein aufwändiges Verfahren ist, bei der fundierte Fachkenntnisse notwendig sind. „Eine Kunden- oder Mitarbeiterumfrage zu konzipieren, ist mehr als nur eine einfache Formulierung der Fragen, der Antwortalternativen und eine einfache Auswertung mit Excel“, kritisiert die Arbeitspsychologin. „Gerade im Bereich Umfragen, die auch in den Apotheken sehr gerne eingesetzt werden, um beispielsweise Aktionstage auszuwerten, werden selten professionelle Fragebögen eingesetzt.“ Die Folgen hiervon seien weitreichend und könnten in den Bereichen Personalauswahl, Personalführung und Kundenzufriedenheit zu falschen Entscheidungen führen.

Aus dem Apothekenalltag weiß Dikta, dass die Arbeits- und Organisationspsychologie noch nicht in jeder Offizin angekommen ist. Was bei Großunternehmen seit Jahren Normalität sei, fehle bei den meisten kleineren Betrieben bis heute. „Zu denken, dass professionelles Personalwesen nur etwas für die Großen ist, ist eine vertane Chance für einen auch noch so kleinen Betrieb“, beteuert sie. Apothekeninhaber würden oft die entstehenden Kosten scheuen, insbesondere dann, wenn Einnahmen oder Einsparungen nicht direkt ersichtlich seien. Als Arbeitspsychologin betont sie: „Kosten, die durch falsche Entscheidungen, Konflikte, Fehler und Fluktuation entstehen, liegen wesentlich höher, als die Kosten für einen professionellen Berater. Dazu gibt es sehr prägnante Berechnungen.“

Arbeits- und Organisationspsychologie helfe dabei, mit wenig Personal mehr zu schaffen, optimierungsfähige Inhalte einer Beratung könnten sein: bessere Organisation, Teamgröße und Personalaufstellung, professionelles Konflikt- und Fehlermanagement, einen psychisch gesunden Arbeitsplatz sowie die Erkennung von Defiziten und Potentialen bei den Mitarbeitern. Apothekeninhaber sollten nach Dikta von dem Konkurrenzgedanken Abstand nehmen und vielmehr darüber nachdenken, was der eigene Betrieb besser machen kann. Kritik an den eigenen bestehenden Strukturen zu üben, sei oftmals der Schlüssel zum Erfolg.

Dikta bedauert, dass viele Arbeitnehmer bei der Bewilligung von Fort- und Weiterbildungen auf Gegenwehr seitens der Inhaber stoßen: „Die Förderung der Potenziale ist kein Selbstzweck, sondern sollte nach Möglichkeit auf strategischen Überlegungen beruhen.“ Angestellte, die ihr Wissen durch Fortbildungen kontinuierlich erweitern, müssten mehr Wertschätzung erhalten. „Mitarbeiter müssen eine Bühne bekommen, um ihr Wissen anzuwenden. Wird dies zu lange verhindert, so wird sich auch der motivierteste Apotheker, auch die motivierteste PTA mit der Zeit umorientieren,“ gibt Dikta zu bedenken und weist auf den bestehenden Fachkräftemangel in Apotheken hin. „Arbeitnehmer verlangen keinen goldenen Palast, viel wichtiger ist das Arbeitsklima und der entgegen gebrachte Respekt.“

Dikta spricht sich für mehr Beachtung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz aus: „Psychische Erkrankungen nehmen zu und führen zu wesentlich längeren Ausfallzeiten am Arbeitsplatz.“ Kombiniert mit Inhalten des betrieblichen Gesundheitsmanagements könnten laut ihr nicht nur Mitarbeiter des eigenen Betriebes profitieren. Dikta möchte durch ihre Beratung Apothekenleiter motivieren, neue Wege zu gehen, laut ihr gibt es zahlreiche Optionen, das Erlernte wirtschaftlich anzuwenden. So nennt sie beispielsweise die Möglichkeit der Organisation eines Präventionstages für externe Unternehmen. Hier könnte das Apothekenpersonal beispielsweise Blutdruck- und Blutzuckermessungen anbieten. Ebenfalls zum Tätigkeitsfeld für Arbeitspsychologen gehören die Ableitung der entsprechenden Maßnahmen und die Evaluation, ob diese die erhoffte Wirkung zeigen.

Dikta verfolgt mit ihrem Bildungsweg ein klares Ziel: Sie möchte der Offizin das Feld der Arbeitspsychologie näherbringen und Vorurteile gegenüber dieser Tätigkeit abbauen. „Arbeitspsychologen sind Berater, aber niemals die Entscheider“, hebt Dikta mehrmals hervor. Sie möchte Apotheken zum Umdenken anregen. Ihren Master möchte sie auch noch machen, alles neben ihrem Beruf als PTA in der Offizin. Tatiana Dikta arbeitet darüber hinaus stundenweise an einer PTA-Schule, von der Apotheke möchte sie auch nach ihrem Master-Studium keinen Abstand nehmen.

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