Pilotprojekt: Apotheke liefert per Drohne aus

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Fliegender Botendienst: Inhaber Martin Grünthal aus Dessau hat ein Drohnenprojekt auf die Beine gestellt, um die Belieferung seiner Kunden aus der Luft zu erproben. In Berlin läuft bereits ein Modellprojekt.

„Es sind schon ziemlich konkrete Vorstellungen da, wie das funktionieren kann“, sagt Grünthal. Daran hat nicht zuletzt Tim Fischer seinen Anteil, denn die Drohne gibt es bereits. Fischer hat 2017 am Fachbereich Luftfahrzeug- und Leichtbau der Technischen Universität Berlin gemeinsam mit Juri Bieler und Kolja Klein ein Drohnenprojekt geleitet. 2019 hoben die drei als Ausgründung der TU das Unternehmen Diaven aus der Taufe. Eine ihrer ersten Entwicklungen ist die Drohne Labfly, die für den Transport von Laborproben und Arzneimitteln ausgelegt ist und seit Anfang des Jahres bereits in einem Pilotprojekt der Krankenhausapotheke der Berliner Charité erprobt wird. „Die meisten Drohnen sind eigentlich dafür gebaut, in der Luft zu schweben und beispielsweise eine Kamera zu halten“, erklärt er. „Labfly hingegen ist dafür optimiert worden, auch längere Strecken zu fliegen.“ 25 Kilometer Reichweite hat sie, kann also in einem Radius von 12,5 Kilometern ausliefern. Bei rund 60 km/h Fluggeschwindigkeit braucht sie also rund 12 Minuten für eine Strecke – das könnte mit Packen und Abflug theoretisch eine Belieferung innerhalb von 30 Minuten ermöglichen.

Wie genau die Belieferung funktionieren wird, ist bisher in Ansätzen erkennbar: Die Drohne selbst kann bei 5 Kilogramm Gewicht rund 500 Gramm Nutzlast in einem „K Load Compartment“ transportieren – das heißt, die Drohne hat einen Kofferraum: „Der ist in die Drohne integriert. Bei den meisten anderen Modellen ist die Box darunter aufgehängt, aber das halten wir nicht für sinnvoll.“ Unter anderem biete der mit Tsyropor als Dämmmaterial ausgekleidete Kofferraum einen besseren Schutz vor Witterungsbedingungen und anderen möglichen äußeren Einflüssen. „Im Endeffekt ist es eine fliegende Schaumstoffbox“, sagt Fischer.

Damit die Schutzfunktion erst gar nicht benötigt wird und angesicht der sensiblen Waren größtmögliche Sicherheit gewährleistet werden kann, setzen die Ingenieure um Fischer vor allem auf das Prinzip doppelter Boden: Neben Ersatzakkus ist die Drohne mit acht Propellern ausgerüstet, obwohl sie nur vier zum Fliegen braucht. „Wir haben an allen Stellen des Systems auf Redundanz geachtet, um möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten“, so Fischer. Und selbst wenn alles schiefgeht, stürzt das Kleinflugobjekt nicht einfach ab: Dann öffnet sich automatisch ein eingebauter Fallschirm.

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