Kinderbetreuung

Kitas für Apothekenverbünde Maria Hendrischke, 18.02.2016 14:48 Uhr

Berlin - 

In Apotheken arbeiten überwiegend Frauen. Wenn gleich mehrere Mitarbeiterinnen schwanger werden, erschwert das Inhabern die Personalplanung. Auch nach der Geburt müssen die Kinder betreut werden – und nicht überall ist es leicht, einen Krippen- oder Kindergartenplatz zu ergattern. Eine Lösung wäre eine eigene Tagesmutter für den Nachwuchs der Mitarbeiter. Mehrere Apotheken könnten gemeinsam eine Kita gründen.

In den pharmazeutischen Berufen wird die Personalsuche immer schwieriger. So geht es auch einem Apotheker im Ruhrgebiet: Insbesondere PTA suche er händeringend. Daher liegt es in seinem Interesse, Angestellte nach einer Schwangerschaft schnell wieder in die Apotheke zurückzuholen. Da er und seine Schwester insgesamt acht Apotheken betreiben, haben sie darüber nachgedacht, ihren Angestellten eine Kita anzubieten. Er habe Infomaterial von pme Familienservice angefordert. Das Unternehmen richtet für Betriebe Kitas ein.

Kita Concept bietet diesen Service für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen und Hessen ebenfalls an. „Wir haben im vergangenen Herbst zwei Anfragen von Apothekenverbünden erhalten“, berichtet Isabella Rüsing, die für Betriebe Kita-Konzepte erstellt und umsetzt. Für größere Verbünde lohne sich eine Kita, sagt sie.

Eine Anfrage bezog sich auf eine Gruppe von insgesamt neun Kindern von Mitarbeitern mehrerer Apotheken. „In dem Fall erwarteten wohl viele Angestellte zeitgleich Nachwuchs, daher das Interesse an unserem Konzept“, so Rüsing. Im anderen Verbund sollten 15 Kinder betreut werden, die sowohl unter als auch über drei Jahre alt seien. Diese Altersgrenze ist relevant: „Altersgemischte Gruppen sind nicht in jedem Bundesland gesetzlich erlaubt“, sagt sie. Kinderbetreuung sei auf Länderebene geregelt. In Hessen und Nordrhein-Westfalen seien die gemischten Gruppen zulässig.

Allzu konkret seien die Anfragen der Verbünde noch nicht, sagt Rüsing. Bisher seien erste Standortvorschläge diskutiert worden. Die Räume müssen bestimmten Kriterien entsprechen; diese Liste sei lang und hänge ebenfalls vom Bundesland ab. „Der Innen- und der Außenbereich müssen eine bestimmte Quadratmeterzahl haben, außerdem muss der Unfallschutz eingehalten werden“, so Rüsing.

Margit Werner, Kundenberaterin bei pme, sagt, dass geeignete Räumlichkeiten zudem über eine Ruhemöglichkeit, Toiletten oder auch einen Wickeltisch verfügen müssten. Das Jugendamt müsse zudem den Standort abnehmen. Die Kita-Anbieter suchen mit ihren Kunden nach passenden Räumlichkeiten, begleiten auch Neu- und Umbauten. Darüber hinaus erstellen sie Betreuungskonzepte und vermitteln schließlich Erzieher.

Der Familienservice bietet zudem eine Alternative für einzelne Apotheken, die eine interne Kinderbetreuung anbieten wollen: Er entsendet auch Tagesmütter. „Eine Tagesmutter darf bis zu fünf Kinder betreuen“, sagt Werner. Das wäre vermutlich ausreichend – von einer kompletten Kita würde sie einer einzelnen Apotheke abraten. „Die Ausgaben für eine Kita und die Kosten für den Ausfall der Angestellten mit Kindern müssen gegeneinander abgewogen werden“, sagt sie.

Pauschal könne nicht gesagt werden, wie hoch die Kosten einer betrieblichen Kinderbetreuung seien, sagt Werner. Die Ausgaben hingen von mehreren Faktoren ab; etwa von den Betreuungszeiten, der Raummiete und der Verpflegung. Zudem lege jedes Bundesland fest, wie viele Kinder eine Erzieherin betreuen dürfe. Auch das wirke sich auf die Kosten aus.

Genauso bestimme das Land, welche Fördersätze es an Kitas zahlen wolle, sagt Rüsing. Manche Finanzierungsfragen werden sogar auf kommunaler Ebene entschieden: „Eine Stadt bezuschusst unter Umständen eine Betriebskita, wenn auch die Kinder von Anwohnern dort betreut werden“, erklärt sie. Den größten Teil der Kosten stemmten allerdings die Arbeitgeber. Sie können die Ausgaben als soziale Aufwendungen steuerlich geltend machen, sagt Werner.

Zu den Vorteilen eines betriebseigenen Betreuungsangebots gehört laut Werner, dass damit Ausfallzeiten der Mitarbeiter reduziert werden, denn es erleichtere den Wiedereinstieg in den Beruf. Das gelte insbesondere für Gegenden, in denen es nur wenige Kita-Plätze gebe. Zudem erhöhe es die Attraktivität des Arbeitgebers: „So ein Angebot wertet das Image der Apotheke auf“, sagt sie. Eine eigene Kita sei daher auch eine Chance, mit einem Alleinstellungsmerkmal Mitarbeiter für sich zu gewinnen und langfristig zu binden.