Göttingen

„Die Apotheke ist meine Bühne“ Daniel Segal, 23.09.2016 13:04 Uhr

Berlin - 

Vjollca Zeneli schloss ihre PTA-Ausbildung vor zwei Jahren ab. Wenige Zeit später fand sie in der Apotheke im Kaufpark Göttingen eine Anstellung – um kurz darauf berufsbegleitend eine Kosmetikschule zu besuchen.

Eigentlich hatte Zeneli schon als Teenager den Traum, später einmal als Krankenschwester zu arbeiten. „Ich wollte unbedingt Menschen helfen“, sagt die 24-Jährige. Nach einem Probetag im Krankenhaus musste die gebürtige Kosovarin ihren Traumjob allerdings an den Nagel hängen: „Leider musste ich schnell feststellen, dass ich zu emotional bin für diesen Beruf.“

Da Zenelis Schwester als PKA arbeitet, fand Zeneli schließlich zum Ausbildungsberuf der PTA, der viel besser zu ihr passte. „Hier habe ich die Theke zwischen mir und den Kunden.“ Die persönlichen Schicksale kämen auf diese Weise nicht so nah an sie heran. Als Stärke bezeichnet Zeneli außerdem die Fähigkeit, Menschen zu überzeugen. Eine Gabe, die ihr wohl auch bei den Vorstellungsgesprächen nach Ausbildungsende geholfen hat. „Ich hatte meine Prüfung an einem Donnerstag und nur zwei Tage später stand ich zum ersten Mal als Angestellte in der Apotheke“, berichtet Zeneli begeistert.

Gelandet ist Zeneli in der Apotheke im Kaufpark Göttingen, einem im Jahr 1998 eröffneten Einkaufszentrum, das nach Angaben der Betreiber täglich von durchschnittlich 15.000 Kunden besucht wird. Schnell fand die PTA Unterstützung durch ihre mittlerweile in Rente gegangene Chefin, die ihr vieles beibrachte, worauf es in der Ausbildung weniger ankommt. Wie lassen sich Phasen nutzen, in denen in der Offizin wenig Kundenverkehr herrscht? Wie packt man Arzneimittel vor dem Kunden diskret und schnell ein? Diese und viele Fragen waren es, auf die Zeneli ausführliche Antworten fand. „Meine ehemalige Chefin war und ist mein großes Vorbild“, sagt sie deshalb.

Schnell merkte Zeneli, dass sie gerne noch intensiver in einem der Bereiche arbeiten wollte, der zu den Schwerpunkten der heute von Dr. Mathias Jacob geführten Apotheke gehört: Hautkosmetik. Kurzerhand reduzierte Zeneli ihre Arbeitszeit auf 32 Stunden und begann in Hannover berufsbegleitend eine Ausbildung zur Kosmetikerin. Sechs Monate lang stand die PTA jeden Morgen um 6 Uhr auf, besuchte bis 14 Uhr die Schule und fuhr anschließend zurück nach Göttingen, um bis abends hinter dem HV-Tisch zu stehen. „Das war schon eine heftige Zeit“, erinnert sich Zeneli.

Am Ende hat sich der anstrengende Weg jedoch ausgezahlt: Heute setzt Zeneli ihre Kenntnisse tagtäglich ein, erstellt Hautanalysen, berät zu Make-up und vieles mehr. Ein wichtiges Anliegen ist ihr auch die Haut krebskranker Frauen, die ganz spezifische Bedürfnisse habe. Die Kombination aus den klassischen PTA-Tätigkeiten und dem Kosmetikbereich ist für Zeneli perfekt. Die Diskussion rund um den vermeintlichen Horrorjob PTA, der außerdem kaum zum Leben reiche, kann sie gar nicht nachvollziehen: „Für mich spielt das alles keine Rolle. Ich denke außerdem, dass jeder Chef übertariflich bezahlt, wenn eine PTA einen guten Job macht. Denn eines ist ja bekannt: Einen neuen Arbeitgeber findet man in unserem Bereich schnell.“

Neben ihrer Arbeit in der Apotheke ist Zeneli auch anderweitig aktiv. So dreht die engagierte PTA etwa Videos, in denen sie über ihren Berufsalltag berichtet. Dazu ist sie eine Kooperation mit einem Kosmetikhersteller eingegangen, für den sie – auch in anderen Apotheken – Produkte präsentiert. Ein Leben ohne Ziele könne sie sich trotz der Vielzahl an Tätigkeiten dennoch nicht vorstellen, sagt Zeneli, weshalb die 24-Jährige bereits neue Pläne geschmiedet hat. Am liebsten würde sie irgendwann die Offizin verlassen und als Moderatorin und Beraterin ihren Lebensunterhalt bestreiten. Doch auch wenn das nicht klappen sollte, wäre Zeneli nicht allzu enttäuscht. Denn die junge Frau weiß für sich ganz genau: „Die Apotheke ist meine Bühne.“