Neurotransmitter

Fresh-up: Dopamin Deniz Cicek-Görkem, 02.07.2018 14:00 Uhr

Berlin - 

Dopamin ist ein Neurotransmitter des zentralen Nervensystems (ZNS) und umgangssprachlich auch unter dem Begriff „Glückshormon“ bekannt. Die Substanz übernimmt vielfältige Aufgaben im Organismus. Dopamin-Rezeptoren dienen als Andockstelle für viele Medikamente, aber auch der Wirkstoff selbst wird als Arzneimittel eingesetzt.

Dopamin ist ein biogenes Aminen, weitere Beispiele aus dieser Gruppe sind unter anderem Histamin, Serotonin und Noradrenalin. Die Substanz wird in sympathischen Nervenendungen sowie im Nebennierenmark gebildet und ist eine Vorstufe von Noradrenalin. Dopamin dient als Transmitter im ZNS, Dopamin-Rezeptoren finden sich aber auch in der Peripherie. Derzeit sind fünf solcher bekannt: D1, D2, D3, D4 und D5. Die Subtypen weisen verschiedene Signaltransduktionswege auf, auf Grund dessen werden sie in zwei Gruppen unterteilt: D1-artige Rezeptoren (D1/D5) und D2-artige Rezeptoren (D2, D3, D4).

Therapeutisch werden verschiedene Arzneistoffe genutzt, um dopaminerge Übertragungswege zu beeinflussen. Ein gängiges Beispiel aus der Apotheke ist der Einsatz von Levodopa bei Morbus Parkinson. Bei dieser Krankheit sind dopaminerge Neurone degeneriert („Neurodegeneration“), was einen Dopaminmangel zur Folge hat. Um diesen zu kompensieren, können Levodopa als Dopamin-Vorstufe oder Dopamin-Rezeptoragonisten wie Pramipexol verwendet werden. Pramipexol aktiviert die D3-Rezeptoren und kann entweder in Monotherapie oder in Kombination mit Levodopa eingesetzt werden. Der Wirkstoff ist zusätzlich beim Restless-Legs-Syndrom indiziert.

Weiterhin hemmt Dopamin in den Hypophysenvorderlappen die Inkretion von Prolaktin. Diese Substanz fördert die Milchbildung in der Laktationsperiode; außerdem inhibiert sie die Inkretion von Gonadorelin. D2-Rezeptoragonisten wie Bromocriptin, Quinagolid und Cabergolin vermindern die Prolaktin-Inkretion und können zum Abstillen und auch zur Behandlung einer Hyperprolaktinämie verwendet werden.

Die Erregung von Dopamin-Rezeptoren in der Area postrema im Hirnstamm kann Erbrechen auslösen. Deshalb werden D2-Rezeptorantagonisten wie Metoclopramid und Domperidon als Antiemetika eingesetzt. Diese Arzneistoffe wirken zusätzlich fördernd auf die Magenentleerung in den Dünndarm. Apomorphin hingegen aktiviert die D2-Rezeptoren und triggert daher Erbrechen. Des Weiteren wird der Arzneistoff intravenös zur Behandlung von motorischen Fluktuationen („On-Off“-Phänomen) bei Patienten mit Parkinson eingesetzt, die durch orale Antiparkinsonmittel nicht ausreichend behandelbar sind. Vor mehr als zehn Jahren stand Apomorphin außerdem gegen erektile Dysfunktion zur Verfügung.

Eine bedeutende Gruppe von Arzneimitteln in Zusammenhang mit Dopamin sind die Neuroleptika. Verschiedene Arzneistoffe weisen in ihrem Wirkbild eine antagonistische Wirkung an Dopamin-Rezeptoren auf, dazu gehören beispielsweise Promethazin und Haloperidol, die den Subtyp D2 hemmen. Clozapin hemmt beispielsweise vor allem den D4-Rezeptor.

Aber auch Dopamin selbst wird therapeutisch eingesetzt, insbesondere in der Notfallmedizin. Bei einer Infusion mit dem biogenen Amin kommt es durch die Erregung von D1-Rezeptoren zu einer Erweiterung der Nieren- und Mesenterialarterien. Folglich wird die Nachlast des Herzens gesenkt und und die Nierendurchblutung gefördert. Daraus ergibt sich die Applikation von Dopamin bei kardiogenem Schock und drohendem Nierenversagen.