Vereinfachte Doku für Ärzte

Comirnaty: Wer druckt die Etiketten? Alexandra Negt, 06.04.2021 15:56 Uhr

Für den Anfang der dezentralen Impfung ist für Ärzte eine vereinfachte Dokumentationspflicht angedacht. Foto: shutterstock.com/Tohuwabohu1976
Berlin - 

Das Grundgerüst für die dezentrale Impfung steht. Schaut man näher hin, so fehlen noch einige Details. Die Ärzte forderten, schnellstmöglich bei den Impfungen unterstützen zu dürfen – jedoch bei gleichzeitig geringem Dokumentationsaufwand. Zu Beginn der Impfungen nach Ostern soll daher eine tägliche Schnell-Doku ausreichen. Ein weiteres Problem könnte die Dokumentation im Impfpass sein.

Die Arztpraxen werden bei der dezentralen Impfung aufgefordert, eine tägliche Schnell-Doku vorzunehmen. Die geforderten Daten werden in einem speziellen Impf-Dokuportal eingegeben. Einmal täglich erfolgt die Übermittlung an das Robert-Koch-Institut (RKI), um das Impfgeschehen in Deutschland zu beobachten. Die tägliche Meldung erfolgt pro Praxis, nicht pro Arzt. In Gemeinschaftspraxen muss also nicht arztindividuell dokumentiert werden. Die Daten müssen jeweils am gleichen Tag bis 23:59 abgeschickt werden.

Folgende Angaben sind von den Ärzten täglich zu erfassen und an das RKI zu melden:

  • die Anzahl der Erstimpfungen aufgegliedert nach Impfstoff
  • die Anzahl der Abschlussimpfungen aufgegliedert nach Impfstoff
  • die Anzahl der über 60-Jährigen bei den Erst- und Abschlussimpfungen

Die Charge des Impfstoffes ist ebenfalls zu dokumentieren, denn die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) müssen die Impfstoffcharge mit der Abrechnung zusätzlich erfassen. Die Verknüpfung von Abrechnung und Doku ist dabei nicht neu für die Praxen, auch bei anderen Impfstoffen werden Daten an das RKI übermittelt.

Auch im Impfpass muss die Dokumentation inklusive Chargenbezeichnung erfolgen. Eigentlich liegen Impfstoffen immer Sticker in Mehrfachausführung bei, sodass der Arzt ausreichend Klebezettel für die eigene und die Patientendokumentation zu Verfügung hat. Apotheker:innen aus Impfzentren berichten aber, dass den Durchstechflaschen von Biontech bis heute keine fertigen Chargen-Kleber beiliegen. Seit dem Start müssten eigene Sticker ausgedruckt werden; hierfür stünden in den Impfzentren spezielle Etikettendrucker bereit. Laut Aussage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) liegt die Bereitstellung dieses Dokumentationszubehörs auf pharmazeutischer Seite. Hierbei ist nicht klar, ob der Großhandel oder die ausliefernde Apotheke in die Pflicht genommen wird.

Die Charge des bei Comirnaty benötigten Kochsalz muss nicht dokumentiert werden. Das Gleiche gilt für die benutzten Verbrauchsmaterialien. Die benötigten Spritzen und Kanülen werden vom Großhandel an die Apotheken geliefert. Diese händigen das Zubehör zusammen mit dem Impfstoff an die Arztpraxis aus.

Ein vereinfachtes Herstellungsprotokoll, wie es in den Impfzentren häufig genutzt wird, ist laut KBV vorerst nicht vorgesehen. Apotheker:innen und PTA, die täglich in der aseptischen Herstellung arbeiten, werden Unterschiede zwischen Praxis und Apotheke erkennen. Im Reinraum wäre eine lückenhafte Chargendokumentation nicht möglich. Neben dem Kochsalz müssten hier auch alle Verbrauchsmaterialien dokumentiert werden. Denn: Theoretisch wäre auch ein Rückruf auf Ebene der Spritzen und Kanülen möglich. Das Motto „Was nicht dokumentiert wurde, wurde nicht gemacht“ findet für den vereinfachten Ablauf der Impfungen ab der zweiten Aprilwoche keine Anwendung.

Gerade der Impfstoff von Biontech könnte für die Ärzte eine Herausforderung sein. Der mRNA-Impfstoff muss verdünnt und ausgeeinzelt werden. Hierbei muss vorsichtig und aseptisch vorgegangen werden. Aktuell stehen auf der Seite der KBV keine Videos zur Art der Aufbereitung zu Verfügung. Es heißt: „Folgende Materialien speziell für Praxen zum mRNA-Impfstoff Comirnaty von Biontech/Pfizer stehen in Kürze hier bereit: 3 Anleitungsvideos: Rekonstitution, Zubereitung von Einzeldosen sowie Verabreichung des mRNA-Impfstoffs.“ Auch ein Infoblatt mit einer bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitung soll folgen.

Anm. d. Red.: Dieser Artikel erschien ursprünglich am 26. März 2021.